21.03.2010

Ronald Reng über Fußball und Literatur

»Hans Meyers größter Fehler«

»Traumhüter«-Autor und Sportjournalist Ronald Reng über deutsch-englischen Humor, sein Debakel im WM-Finale, die Biografie von Robert Enke und darüber, wie Werner Lorant in ihm den Romanschreiber erkannte.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Ronald Reng, Ihr gerade erschienener Roman heißt »Funny German«. Wie kommt man als Fußballreporter dazu, ein Buch über einen deutschen Stand-up-Komiker in London zu schreiben?

Ich stand mit Freunden in einem Pub in London und wir redeten über Comedy. Da meinten ein paar Engländer: Lustig wäre doch mal ein deutscher Komiker, ein »Funny German«.



Sie haben von 1996 bis 2001 in London gelebt. Waren Sie damals der »Funny German«?

Ich war eigentlich eher »unfunny«. Aber als Deutscher in England bist du oft deine eigene Karikatur: Du meinst, du müsstest besonders lustig sein, da wir als wenig humorvoll gelten. In England ist der eigentliche Nationalsport nicht der Fußball, sondern über sich selbst lachen zu können. Wenn du dich selbst zu ernst nimmst, machst du dir keine Freunde und giltst als langweilig, sogar als unhöflich.

Haben Sie da ein Beispiel?

Die Fußballmannschaft, in der ich damals gespielt habe, hat mir zum Abschied ein gerahmtes Bild von der Anzeigetafel im Münchener Olympiastadion geschenkt: Deutschland 1, England 5. Didi Hamann musste beim FC Liverpool ständig Autogramme auf 1:5-T-Shirts geben. Dazu kommen viele Witze über das Dritte Reich. Als Deutscher tut man sich schwer, darüber zu lachen. Die Engländer sehen das anders: Man muss über alles Witze machen können.

Sie leben mittlerweile fast neun Jahren in Barcelona. Warum spielen Ihre Romane dennoch immer wieder in London?

Bisher war London für mich immer die natürliche Kulisse für einen Roman, weil du hier die ganze Welt in einer Stadt hast. Ursprünglich wollte ich die Geschichte in Hofheim am Taunus spielen lassen, doch dann kam die Idee mit dem Komiker. Und einmal habe ich ein Buch geschrieben, das in Frankfurt-Hoechst spielte. Das ist dann prompt nichts geworden und wurde nie veröffentlicht.

Sie sind Sportreporter und Schriftsteller. Lässt sich das so leicht trennen?

Nicht immer. In einem Interview bei der U21-EM zum Beispiel begann Andreas Beck mich plötzlich über Bücher auszufragen, während sein Trainer Horst Hrubesch daneben stand und sich ungeduldig räusperte. Und der erste Mensch, der mich einen Romanschreiber genannt hat, war Werner Lorant.

Werner Lorant?

Er hat es natürlich nicht als Kompliment gemeint. Damals schrieb ich noch für den Lokalsport der Süddeutschen Zeitung und bin dann immer zu 1860 rausgefahren, wo Lorant im »Löwenstüberl« Hof hielt. Der hat nur Abend- und Bildzeitung gelesen, alles andere war ihm zu lang. Und wenn ich ihm dann ganz schüchtern und ängstlich eine Frage gestellt habe, hat er mich angebrüllt: »Was bist denn du? Du bist doch ein Romanschreiber!«

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