Ronald Maul über den Confed-Cup 1999

»Normalerweise wäre ich nicht mitgefahren«

1999 nahm Ronald Maul an der legendären Mexiko-Reise der Nationalmannschaft teil und machte seine einzigen beiden Länderspiele. Wir sprachen mit ihm über Parallelen zur aktuellen USA-Reise der Nationalelf, Spiele gegen Ronaldinho und den Leitwolf Lothar Matthäus.

Ronald Maul, Sie debütierten 1999 unter Erich Ribbeck während der legendären Mexiko-Reise beim Confed-Cup, die als Tiefpunkt der jüngeren deutschen Fußballgeschichte gilt. Viele Stammkräfte mussten damals den Trip absagen, dafür wurden Spieler nominiert, die man nicht unbedingt auf der Liste hatte. Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?
Das war relativ unkompliziert. Damals gab es noch die A2-Nationalmannschaft, der ich angehörte. Im Rahmen der A2-Nationalmannschaft wurde uns irgendwann mitgeteilt, dass die Reise ansteht und dass wegen der Saisonvorbereitung in der Bundesliga nur zwei oder drei Spieler von jedem Verein nominiert werden. Was bedeutete, dass sich auch der ein oder andere von uns Hoffnungen auf die Nominierung machen konnte. So wurden wir darauf vorbereitet. Wo und wann ich dann von wem angerufen wurde, weiß ich aber schon gar nicht mehr.

Die Überraschung über die Nominierung hielt sich also in Grenzen?
Insgesamt war ich schon überrascht, aber es hat mich nicht mehr aus heiterem Himmel getroffen. Als es soweit war, war ich natürlich unglaublich froh und glücklich.

Wobei die Spiele selber dann nicht unbedingt ein Anlass waren, um froh und glücklich zu sein.
Nein, absolut nicht. Das erste Spiel ging direkt in die Hose, 0:4 gegen Brasilien. Trotzdem war es ein unglaubliches Erlebnis. Die Stadien in Mexiko fassten an die 100.000 Menschen. Wir waren in Guadalajara, das Stadion war eine riesige Schüssel. Da überhaupt mal zu spielen, war schon Wahnsinn. Ich wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und war ziemlich aufgeregt. Leider stand es bereits 0:2, nicht unbedingt die perfekte Ausgangsposition, um noch zu glänzen (lacht).

Auf der Gegenseite liefen Spieler wie Zé Roberto oder der spätere Weltfußballer Ronaldinho auf, der auch Torschützenkönig und Spieler des Turniers wurde.
Die Brasilianer hatten eine ziemlich junge Mannschaft, aber man konnte direkt sehen, dass sie trotz ihres jungen Alters ihr Handwerk verstanden (lacht). Man hat ja dann im Nachhinein noch sehen können, dass viele davon in Europa erfolgreich ihren Weg gegangen sind. Aber nicht nur Brasilien hatte eine starke Mannschaft, auch die anderen Teams waren sehr gut besetzt. Das hatte der DFB sicherlich ein bisschen unterschätzt.

Der junge Ronaldinho auf der einen, der alternde Lothar Matthäus auf der anderen Seite. Wie war es als Debütant an der Seite des ehemaligen Weltfußballers?
Ich war unheimlich positiv überrascht. Matthäus hat viel mit den jüngeren und gerade auch den Debütanten gesprochen und hat versucht, den Neuen die Scheu zu nehmen. Ich habe ihn in Mexiko als sehr angenehmen Menschen kennengelernt. Insgesamt war die Stimmung eigentlich sehr gut, obwohl es sportlich in den zweieinhalb Wochen, die wir unterwegs waren, natürlich nicht so rosig lief.

Also keine Berührungsängste? Bernd Schneider, der damals ebenfalls debütierte, sagte ehrfürchtig: »Früher habe ich zu Lothar aufgesehen. Jetzt bekomme ich das gleiche zu essen wie er.«
Nein, es war wirklich eine angenehme Zeit. Es war für einige Spieler die erste Reise mit der Nationalmannschaft. Bernd Schneider, Michael Ballack, Robert Enke -  sie alle waren erstmals eingeladen worden. Hinzu kamen einige Alteingesessene, eigentlich eine spannende Mischung. Bei dem ein oder anderen Debütanten sind dann ja noch ein paar Einsätze hinzugekommen, obwohl die Reise unter einem ungünstigen Stern stand und von der Presse zerrissen wurde.

Erich Ribbeck sagte vor der Reise, dass einige Spieler noch ihren Enkeln davon erzählen würden. Was bleibt für Sie vom Trip nach Mexiko?
Es war schon ein Highlight, aber natürlich muss man das relativieren. Ich habe mich niemals damit gebrüstet oder irgendwo als Nationalspieler vorgestellt. Ich wusste, dass ich unter normalen Umständen wohl nicht mitgefahren wäre. Es bleibt aber ein tolles Erlebnis für mich. Für jemanden wie Erich Ribbeck wahrscheinlich eher nicht. Die Stimmung im deutschen Fußball war damals ziemlich am Boden, dementsprechend war der Mexiko-Trip für Ribbeck eine wirklich undankbare Aufgabe.

Waren Sie enttäuscht, dass Sie nicht wieder eingeladen wurden?
Nein, es hat halt nicht sollen sein. Und ich habe mich in meinen beiden Einsätzen auch nicht unbedingt in den Notizbüchern nach vorne gespielt (lacht). In der Folgesaison begann zudem eine sportlich schwierige Zeit für mich, in der ich beim HSV nicht mehr so oft zum Zug kam. Da war mir dann schon klar, dass es schwer werden würde, noch mal in den Nationalmannschaftskader zu rutschen. Aber ich habe das immer realistisch eingeschätzt. Aber es ist ja auch nicht so, dass ich mich dafür schämen müsste. Schließlich gehörte ich zum erweiterten Kreis. Man wird ja nicht zur Nationalmannschaft geschickt, weil einem zufällig die Schuhe passen.

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