Rolf Oppenländer, die Stimme von Kreisliga-TV

»Erst war das harmlose Spinnerei«

Seit 2008 kommentiert Rolf Oppenländer für die Internetsendung »Kreisliga TV« Spiele der Kreisliga Wilhelmshaven/Friesland/Wesermarsch. Wir sprachen mit ihm über Dummschwätzerei, den Flair des Kreisligafußballs und Generalproben mit Rollo Fuhrmann.

Kreisliga TV

Rolf Oppenländer, nach Ansicht Ihres »Kreisliga TV«-Berichts zum Spitzenspiel der SpVgg Gödens gegen Rot-Weiß Sande: Ist ein Spieler wie Marcel Schmidt überhaupt beim RW Sande zu halten?
(lacht) Ich kenne Marcel Schmidt nicht nur als Fußballer sondern auch persönlich, daher weiß ich: Schmitti will gar nicht höher spielen. Der könnte zwei Klassen höher Fußb fassen, ist in Sande aber sehr verwurzelt. In der Kreisliga gibt es nicht viel Geld, da sind andere Faktoren wichtiger.

Sie sind verantwortlich für »Kreisliga TV« und berichten wöchentlich von den Spielen der Kreisliga Wilhelmshaven/Friesland/Wesermarsch. Ohne das böse zu meinen, aber warum?
Ich habe mein Leben lang selber Fußball gespielt, früher sogar in der dritten Liga. Irgendwann war die aktive Zeit vorbei und ich musste mir Gedanken machen, wie ich dem Fußball erhalten bleibe. Ein Traineramz hat mich nicht gereizt, da ist man immer die ärmste Sau. Aber Dummschwätzen konnte ich schon immer gut. Ich habe als Spieler schon gerne viel kommuniziert, das habe ich dann ab 1999 in einer Sportsendung beim Bürgerradio weitergeführt.
 
Irgendwann war das Radio zu klein und Sie gingen zum Internet-Fernsehen.
Genau. 2008 hat sich die Fri-Media KG gegründet. Auf deren Homepage, www.fri-tv.de, stand eines Tages ein Video einer Handball-Zweitligapartie - ohne Ton. Ich habe die Verantwortlichen kurzerhand angerufen und ihnen angeboten, die Berichte zu den Videos zu machen. Vom Handball ging es dann recht flott zum Fußball. Erst machten wir Klub-TV für den SV Wilhelmshaven

Immerhin ein namhafter Klub.
Das hat aber ehrlich gesagt nicht so gut funktionierte. Also haben wir uns überlegt, das, was die Kollegen von »Sky« auf Bundesebene machen, mal auf Kreisebene versuchen. Am Anfang war das eine harmlose Spinnerei. Dann haben wir gemerkt, dass die Kreisliga Wilhelmshaven viele interessante Partien bietet . Aus der Idee wurde Wirklichkeit.

Manche einer nennt so etwas: Schnapsidee.

Absolut nicht. Aus meiner Zeit beim Bürgerfunk wusste ich, dass die Leute aus der Region auch über das Geschehen in der Region informiert werden wollen. Die finden das doch toll, wenn der Nachbar im Radio ist oder eben in »Kreisliga TV« zwei Tore schießt und ein Interview gibt.

Die Sportplätze auf Kreisebene bieten nicht unbedingt beste Voraussetzungen für eine professionelle Übertragung. Ist das logistisch nicht unheimlich kompliziert?
Wir haben überlegt, wie wir bestmögliche Bilder bekommen können und haben uns eine Hebebühne bei einer hier ansässigen Firma geliehen. Das war zunächst nur für ein Spiel geplant. Die Bilder waren aber so gut, dass wir das unbedingt weiterführen wollten. Der Chef vom Hebebühnenverleih fand das Konzept »Kreisliga TV« auch toll und ist mittlerweile als Sponsor mit an Bord. Jetzt reisen wir mit Hebebühne und mehreren Kameras zu den Spielen.

Gibt es bei »Kreisliga TV« nur Spielberichte?
Keinesfalls, wir haben einmal in der Woche eine Studioshow mit Gästen, in der wir aktuelle Themen der Liga diskutieren. Außerdem gibt es nach den Spielen Interviews mit den Spielern, eine eigene Rubrik »Trainerstimmen« und natürlich die Wahl zum »Tor des Monats«

Aus der Spinnerei ist eine zeitintensive Beschäftigung geworden.
Oh, ja. Wenn nicht gerade Sommer- oder Winterpause ist, investiere ich in der Woche etwa 20-25 Stunden – und das neben meiner regulären Arbeit bei einem Großverlag. Ich muss immer nah dran bleiben und kann mir nicht nur die Topspiele ansehen. Außerdem muss ich unsere Datenbank pflegen, in der alle Spiele bis ins Detail ausgewertet werden.

In einer Liga sind mindestens 16 Teams: Wie merken Sie sich die ganzen Namen?
Durch die ständige Beschäftigung mit der Sache kenne ich die einfach. Ich weiß auch, welcher Spieler, wie lange beim Verein ist, wie viele Tore er geschossen hat, die Anzahl der gelben und roten Karten, die Stärken und Schwächen und so weiter. Mich rufen mittlerweile Trainer aus höheren Ligen an und fragen nach Rat, wenn sie einen bestimmten Spielertypen für ihre Mannschaft suchen.

Ihre Berichterstattung wirkt tatsächlich sehr professionell, die Spiele hingegen bleiben, was sie sind: Kreisligaspiele. Wie motiviert man sich als Reporter für fußballerisch schwere Kost wie BV Bockhorn II gegen TuS Varel?
Mein Motto: Ich bin kein Vollprofi und die Jungs sind auch keine Vollprofis, aber sie sind mit Feuereifer bei der Sache. Da haben Sie es verdient, dass man sie und ihren Fußball präsentiert. Da rumpelt es halt manchmal ein bisschen, dafür ist das eine grundehrliche Sache.

Einige Trainer trifft man doch sicher auch mal beim Bier. Gefährdet das nicht Ihre Objektivität als Reporter?
Nein, da bin ich Profi und kann zwischen Privatleben und Arbeit unterscheiden. Einerseits bin ich Mitspieler, Kollege oder Freund, am Spieltag bin ich aber Kommentator von »Kreisliga TV«. Das nehme ich ernst.

Sie haben den Bezahlsender »Sky« als Ihr Vorbild genannt, zumindest an Ihrem Enthusiasmus könnte sich der ein oder andere Kommentator noch eine Scheibe abschneiden. Waren Sie immer schon so emotional?
Eine gute Portion Leidenschaft gehört zum Fußball dazu. Egal, ob in der Bundes- oder eben in der Kreisliga. Ich war schon als Spieler immer voll dabei. Das versuche ich nun, auf das Kommentieren zu übertragen.

Eines der Videos wurde von Urgestein Rollo Fuhrmann anmoderiert. Wie kam es dazu?
Rollo Fuhrmann habe ich 2010 beim DFB-Pokalspiel SV Wilhelmshaven gegen Eintracht Frankfurt kennengelernt. Damals war ich noch Stadionsprecher beim SVW, Rollo war als Fieldreporter vor Ort. Vor dem Spiel gibt es beim richtigen Fernsehen immer eine Generalprobe der Interviews, da haben Rollo und ich die Trainer verkörpert. So haben wir uns kennengelernt.

Liebe auf den ersten Blick?
Über Facebook haben wir dann den Kontakt gehalten, irgendwann hab ich ihm dann von »Kreisliga TV« erzählt und ihn gefragt, ob er nicht Lust hat, Stargast in der Show zu sein. Rollo hat direkt zugesagt, und kam wenige Wochen später tatsächlich vorbei. Wir hatten einen tollen Tag.

Auch heute wird wieder in der Kreisliga gekickt. Ganz nah dran: Kreisliga-TV


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