27.08.2012

Rolf Kesternich, der größte Fan im deutschen Fußball

»Die Bundesliga ist mein Lebenswerk!«

Niemand hat mehr Bundesligaspiele im Stadion gesehen als Rolf »Charlie« Kesternich. Der Rentner bringt es in der Spitze auf 67 Partien pro Saison. Ein Gespräch über 49 Jahre Bundesliga, Fachgespräche mit Günter Netzer und Drinks von Manni Kaltz.

Interview: Karol Herrmann Bild: Karol Herrmann

Rolf Kesternich, Sie haben bis zum heutigen Tag (Stand 23. August 2012, d. Red.) 1626 Bundesligaspiele gesehen. Was macht Sie so sicher, dass es nicht doch jemanden gibt, der öfter im Stadion war?
Derjenige müsste schon seit Anbeginn der Bundesliga dabei sein und einen Saisonschnitt von 33 Spielen vorlegen. Wie soll das auch gehen, wenn man Familie hat? Ich habe recherchiert und bin fest davon überzeugt, dass ich mit weitem Abstand Rekordhalter bin. Die Eintrittskarten habe ich alle aufgehoben.

Der Lebensentwurf mit Familie kam für Sie nie in Frage?
In den Sechziger-Jahren konnte man sich in einem Kölner Institut über seine Zukunft beraten lassen. Als ich der Dame dort sagte, dass ich Einzelhandelskaufmann bin und fast meine gesamten Ersparnisse für Fußball ausgebe, gab sie mir den Rat, besser alleine zu bleiben. Ich bin der Frau bis heute dankbar.

Wie  kam Ihre Begeisterung für den Fußball zustande?
Gepackt hat es mich 1956, im alten Müngersdorfer Stadion. In der Oberliga-West begann meine Liebe zum 1. FC Köln. Mein erstes Bundesligaspiel sah ich im August 1963. Köln gewann 4:0 gegen Karlsruhe. Kurz danach träumte ich bereits davon, mindestens 1500 Spiele im Stadion zu sehen. Das hat hervorragend funktioniert.

Sie sahen aber bestimmt nicht nur Bundesligaspiele.
Die Bundesliga ist mein Lebenswerk. Selbst wenn der 1. FC Köln jetzt in der zweiten Liga spielt, würde ich eine gute Partie im Oberhaus bevorzugen. Daneben habe ich auch schon 200 Europapokalspiele, 125 Zweitligapartien und 105 Länderspiele gesehen. Zusammen mit Junioren- und Amateurspielen komme ich auf ungefähr 3300 Spiele. Die Sommerpause überbücke ich dann mit Handball, Eishockey, Boxen und Basketball.

Ihre Liebe gilt aber nicht nur dem 1. FC Köln. Sie sind Mitglied in sechs Vereinen.
Viele Fans finden das abartig. Sie sagen mir, es gäbe nur einen Verein. Bei mir ist das anders: Ich besitze Dauerkarten vom 1. FC Köln und Bayer Leverkusen. Das ist praktisch, da beide aufgrund der Nähe nie gleichzeitig zu Hause spielen. Ich bin außerdem Mitglied bei Borussia Dortmund, Schalke 04 und Werder Bremen. Und natürlich beim FC Bayern, der nach Köln mein Lieblingsverein ist. In den siebziger Jahren habe ich mit den Bayern viele Titel gewonnen, das prägt bis heute.

Wie meinen Sie das?
Ich möchte mit meinen Vereinen Erfolge feiern. Als Zuschauer im Stadion habe ich schon alle Titel gewonnen. 1972 wurde ich in Brüssel mit Deutschland Europameister, 1974 in München Weltmeister. Ich war zweimal vor Ort, als die Bayern den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben, sah Gladbach und Leverkusen den UEFA-Cup gewinnen. Von Meisterschaften und DFB-Pokalsiegen ganz zu schweigen.

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