Rolf Kahn über die Krise des KSC

»Lothar war nicht abgeneigt«

Seit letzter Woche ist der CDU-Politiker Ingo Wellenreuther Präsident des Karlsruher SC. Wir sprachen mit Rolf Kahn, Vater von Oliver Kahn, über die Situation beim KSC. Vor einem Jahr hatte er sich noch selbst zur Wahl gestellt. Rolf Kahn über die Krise des KSCImago

Rolf Kahn, Ingo Wellenreuther ist mit großer Mehrheit zum neuen KSC-Präsidenten gewählt worden. Ist er in dieser Situation der Richtige?

Vom Typus, von der Dynamik und vor allen Dingen den zukunftsbezogenen Inhalten her, inklusive der bereits abgeleisteten Tätigkeiten als Notpräsident hat er auf mich einen guten Eindruck gemacht. Er ist keiner, der beispielsweise als pensionierter Ex-Bürgermeister daher kommt und mal eben KSC-Präsident werden will, ohne sich jemals ernsthaft mit dem Anforderungsprofil eines Profi-Vereins beschäftigt zu haben. Er ist recht jung und der richtige Mann. Das Paket, das er mit den anderen ins Präsidium gewählten Leuten geschnürt hat, dürfte dem KSC helfen.

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Sie reden vom neuen Vizepräsidenten Günter Pilarsky?

Ich sehe in Herrn Pilarsky einen Sponsor, dessen Unternehmen (Cronimet, ein Lieferant von Rohstoffen, d. Red.) meines Wissens nach Milliarden umsetzt. Ich weiß nicht, ob ich so einen Vergleich anstellen sollte, aber ich sehe ihn ähnlich wie Herrn Tönnies bei Schalke. Dort ist vieles auch nur möglich, weil er mit seinen Sicherheitsgewährleistungen dahinter steht. Und mit Herrn Pilarsky steht jetzt möglicherweise jemand zur Verfügung, der so eine Rolle für den KSC einnehmen kann.

Herr Wellenreuther hatte bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung angekündigt nur als Präsident zur Verfügung zu stehen, wenn mit Pilarsky und Georg Schattling als zweitem Vize seine Leute ins Amt gewählt werden. Hat er den Mitgliedern des KSC damit die Pistole auf die Brust gesetzt?

Ich bin der Ansicht, dass es professionell war. Jeder wusste, was Herr Wellenreuther vorhat. Das er sich nur im Gesamtpaket wählen lassen wollte bestärkte seine Aussage, dass man seiner Ansicht nach den Verein nur so wieder auf gesunde Beine stellen kann.

Lüppo Cramer sah das wohl anders. Er war der einzige Gegenkandidat zu Wellenreuthers Team. Er ist zwar durchgefallen, hätte den KSC aber in ein neues Chaos stürzen können. Wie bewerten Sie seine Kandidatur?

Lüppo Cramer hat gesagt, dass er zum Zeitpunkt seines Entschlusses als Vizepräsident zu kandidieren von Wellenreuthers Paketlösung nichts wusste. Ich finde das lächerlich, da zwischenzeitlich genügend Zeit vergangen war, in er hätte umdenken können. Insgesamt war Cramers Kandidatur eine Farce.

Wieso?

Herr Wellenreuther hat mit Herrn Pilarsky einen finanzstarken Partner vorgestellt, der für alle erkennbar nur mit Herrn Wellenreuther und mit Herrn Schattling zusammen zur Verfügung stand. Wenn Cramer gewonnen hätte, dann hätte er ein großes finanzielles und wirtschaftliches Paket zunichte gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Cramer gleichwertiges zur Verfügung stand, denn sonst hätte er in seiner Bewerbungsansprache die Katze aus dem Sack gelassen. 

Der Vertrauensvorschuss für Herrn Wellenreuther war enorm. Fast 90 Prozent aller Anwesenden haben ihn gewählt. Hat er sich diesen Vorschuss durch seine Zeit als Notpräsident verdient?

Selbstverständlich. Die Bereitschaft der Karlsruher Wirtschaft den KSC zu unterstützen, wurde neu mobilisiert – da ist noch Luft nach oben. Verbesserte Kreditlinien der Banken können in Anspruch genommen werden. Das Jugendförderprogramm wurde in der Gesamtstruktur erheblich bereichert. Mit Herrn Pilarsky wurde ein potentieller Mitstreiter in einer für den KSC bisher unbekannten Größenordnung gewonnen. Das alles und vieles mehr zeigt doch, dass das Vertrauen in eine zukunftsorientierte KSC-Führung wieder hergestellt wurde.



Hat das neue Präsidium auch das Know-how den Verein aus der sportlichen und finanziellen Krise zu befreien?

Finanziell ist der KSC auf einem guten Weg. Neben Herrn Pilarsky steht Georg Schattling als zusätzlicher Vizepräsident zur Verfügung. Er hat jahrelang für den KSC als Revisor gearbeitet und ist von Beruf Wirtschaftsprüfer. Ich glaube, dass er mit dem Zahlenmaterial des Vereins, das kaum einer besser kennt als er, verantwortungsvoll umgehen kann.

Was noch fehlt, ist die sportliche Kompetenz.

Es gilt die Anforderungsprofile in allen Bereichen der sportlichen Führung permanent im Auge zu behalten. Wer hierfür die Kontrollfunktion im Präsidium übernehmen soll, ist mir nicht ganz klar. Sich nur auf die Leute im operativen Geschäft zu verlassen, halte ich für gefährlich. Ich muss wissen, wie in diesen Bereichen gearbeitet wird, um gegebenenfalls rechtzeitig eingreifen zu können. Und nicht erst, wenn aufgrund der Tabellensituation die Alarmglocken läuten.

Sie haben sich vor einem Jahr selbst zur Wahl gestellt und verloren. Was wäre mit Ihnen im Präsidium anders gelaufen, als bei Herrn Metzger, der damals die Wahl gewonnen hat?

Ich hätte die Tore genauso wenig schießen können wie Herr Metzger. Für die sportlichen Voraussetzungen hätte ich allerdings in anderer Art und Weise gesorgt. Ein Kompetenzteam hatte sich bereit erklärt, mich in allen Fragen zu unterstützen. In der Sponsorenfrage hätte ich mich mit der Überzeugungskraft eines hochaktuellen, modernen Konzepts für einen Profi-Verein persönlich eingebracht. Marketing heißt nicht um Geld zu betteln, sondern dem Geschäftspartner etwas anzubieten, von dem er selbst auch profitieren kann. Ich wollte den Sport nach oben bringen und eine einheitliche Philosophie im Verein etablieren. Von der D-Jugend bis zu den Profis.

Eine erneute Kandidatur kam für Sie nicht in Frage?

Ich habe vor etwa vier Wochen ein Gespräch mit Herrn Wellenreuther geführt. Er konnte noch nicht sagen, ob er über die Notpräsidentschaft hinaus kandidieren würde, da er selbst noch einige Dinge abzuklären hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe, dass für mich das Präsidentenamt im Falle einer Kandidatur von Herrn Wellenreuther nicht in Frage kommt, ich aber für eine Vizepräsidentschaft im sportlichen Bereich zur Verfügung stehen würde. Ich spielte aber offensichtlich in seinen Überlegungen keine Rolle. In Anbetracht der Kenntnis gewisser Spielregeln bin ich da aber nicht nachtragend.

Welche Schritte muss das neue Präsidium einleiten, um die sportliche und finanzielle Krise in den Griff zu bekommen?

Der wichtigste Bestandteil ist der sportliche Erfolg. Die Verantwortlichen müssen dafür Sorge tragen, den KSC auf schnellstem Weg als ernst zu nehmende Konkurrenz für Stuttgart, Freiburg, Kaiserslautern und Hoffenheim zu etablieren. Das wäre auch die Basis, um ein wettbewerbsfähiges neues Stadion auf die Beine zu stellen. Für eine attraktivere Struktur zu Gunsten der Jugendarbeit ist bereits gesorgt. Dann muss man zusehen, wo die Profis sind, die im Moment keinen Vertrag haben und eigentlich ordentlichen Fußball spielen können. Die Enttäuschung über ihre augenblicklichen Situation umzuwandeln in Motivation für neue Ziele, wäre eine interessante Möglichkeit.



Wie kann man ganz konkret die Strukturen verbessern?

Mit Bundesliga-Vereinen wird bereits kooperiert, um Spieler auszuleihen. Ich selbst habe mich schon einmal mit Leuten aus Hoffenheim zusammengesetzt. Da ist durchaus Bereitschaft da, talentierte Spieler, die für die erste Liga noch nicht weit genug sind, nach Karlsruhe auszuleihen. Alles was aus dem eigenen Jugend- oder Amateurbereich kommt, ist voll auszuschöpfen.

Warum wurde das bisher nicht gemacht?

Hierzu braucht man einen Trainer und einen Sportdirektor, die in der Lage sind, das zu richtig zu erkennen und zu koordinieren. Sollten genügend Mittel zur Verfügung stehen, könnte man auch schon in der Winterpause neue Spieler größeren Kalibers verpflichten. Wobei in der Winterpause natürlich selten solche Leute abgegeben werden.

Kann der KSC überhaupt solche Spieler bezahlen?

Finanziell ist bereits einiges zustande gekommen. Auf der Grundlage muss man der Wirtschaft das Vertrauen geben, dass beim KSC hochprofessionell gearbeitet wird. Dann lässt sich viel bewegen.

Sie wollen auch in diesen Prozess einsteigen?

Wenn mich jemand fragt, ob ich beratend einsteigen möchte, dann bin ich gerne bereit zu helfen oder den einen oder anderen Kontakt einzubringen. Ich hatte vor kurzem auch mit Matthias Sammer ein persönliches Gespräch, um über ihn an Anforderungsprofile für neue Mitarbeiter zu kommen. Ich muss sagen, dass es eines der interessantesten Gespräche über Strukturen, Philosophien, Visionen und Strategien im Fußball war, das ich je hatte.

Würde Ihr Sohn Oliver sich auch einbringen?

Er hat mir zum Beispiel das Gespräch mit Matthias Sammer vermittelt. Aber Oliver macht sicherlich nicht den Außendienstmitarbeiter für den KSC in Sachen Sponsoring. Er bringt aber gerne Ideen ein. Vor kurzem etwa hat er mit Lothar Matthäus über ein mögliches Engagement in einem zielorientierten Zweitligaklub gesprochen. Lothar Matthäus würde darüber nachdenken, wenn das Umfeld stimmt. Damit will ich sagen, dass man über die Kontakte von Oliver vielleicht an einen »dicken Fisch« herankommen könnte.

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