04.02.2010

Rolf Fringer über seinen Trainerschüler

»Löw ist kein Blender«

Rolf Fringer lehrte den Spieler Joachim Löw einst den modernen Fußball, später holte er ihn als seinen Asstistenen nach Stuttgart und ebnete ihm seine Karriere. Hier spricht er über Löws Lehrjahre und hausbackenen, deutschen Fußball.

Interview: Benni Kuhlhoff Bild: Imago
Herr Fringer, Sie begegneten Joachim Löw erstmals 1991. Sie waren damals Trainer in Schaffhausen, Löw ihr Spieler. Was für ein Spielertyp war der heutige Bundestrainer?

Ich habe ihn in Schaffhausen zum Kapitän gemacht. Er war eine absolute Führungspersönlichkeit, auf und neben dem Platz. Das hat man sofort gemerkt. Er war sehr ehrgeizig und hatte den unbedingten Siegeswillen. So gesehen war Joachim ein Kapitän wie man ihn sich als Trainer wünscht.



War Löw als deutscher Spieler anders geschult als seine Schweizer Teamkollegen?

Durch seine Erfahrung aus der zweiten Liga in Deutschland hatte Joachim ein professionelleres Verhalten als viele seiner Mitspieler. Er war einfach erfolgshungrig. Das war damals bei vielen Spielern in der Schweiz noch nicht so ausgeprägt. Da hat er sich schon von allen anderen abgehoben.

Welchen Einfluss haben seine Erfahrungen in der Schweiz auf seine Arbeit als Trainer?

Gerade im taktischen Bereich war der Einfluss unverkennbar. Wir haben damals schon mit Pressing gespielt, mit einer Viererkette und Zonenverteidigung. Das kannte er noch nicht als er in der Schweiz ankam. Man hat in Deutschland zu diesem Zeitpunkt immer noch an diesem starren 3-5-2 mit Manndecker festgehalten.

Wie schwer ist ihm diese Umstellung damals gefallen?

Er hat in der Schweiz gelernt, dass es auch andere Wege gibt, die nach Rom führen. Und er war überdurchschnittlich interessiert an diesem neuen System. Er hat mich sehr oft befragt, wie bestimmte Dinge funktionieren. Das war eben alles Neuland für ihn. Da habe ich gemerkt, dass er sich schon als Spieler sehr viele Gedanken über solche Dinge macht. Das hat ihm als Trainer später ganz sicher geholfen.

Er hat also abseits des Platzes extra Taktik-Einheiten mit Ihnen eingelegt?

Am Anfang hat er sehr oft gefragt, wie er als Stürmer angreifen muss, wie sich das Mittelfeld beim Pressing  zu verhalten hat, und warum die Abwehr in der Zone spielt. Er hat sich sehr intensiv mit dieser Materie auseinander gesetzt. Ich denke schon, dass er von da an seinen taktischen Horizont entscheidend hat erweitern können.

Die deutsche Nationalmannschaft arbeitet seit längerem mit dem Schweizer Chefscout Urs Siegenthaler zusammen. Ist Löws-Mannschaft vielleicht schweizerischer als wir denken?

Das zu behaupten, wäre schon ein bisschen übertrieben. Aber man kann schon feststellen, dass sich der deutsche Fußball in Sachen Taktik und Spielkultur am Schweizer Vorbild orientiert. Früher hat man sich im deutschen Fußball hinten rein gestellt, hat zwei Manndecker gehabt und immer krampfhaft nach einem Spielmacher gesucht. Das ist unter Löw alles wesentlich kreativer geworden. Die deutsche Mannschaft ist mittlerweile deutlich flexibler in ihrem System. Die Grundlagen seiner taktischen Ausbildung gehen also schon auf die Schweiz zurück.

Als Sie 1995 zum VfB Stuttgart gingen, wünschten Sie sich den als Trainer noch relativ unbekannte Joachim Löw als ihren Assistenten. Können Sie diese Entscheidung erklären?

Ich habe Joachim als Spieler kennengelernt. Ich kannte seine Einstellung, seine Seriosität und seinen Willen, sich zu verbessern. Abgesehen davon ist er auch noch ein ganz vernünftiger Kerl und kein Blender. Das sprach für ihn. Wir hatten eigentlich ständig Kontakt, auch als ich nicht mehr sein Trainer bei Schaffhausen war. Als dann das Angebot von Stuttgart kam, habe ich mich dafür eingesetzt, dass er bei seinem damaligen Verein FC Frauenfeld aus dem laufenden Vertrag kommt. 

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