08.02.2009

Roger van Gool im Interview

»Ich konnte kaum atmen«

1976 ging Roger van Gool vom FC Brügge zum 1. FC Köln – der erste Millionentransfer der Bundesligageschichte. Wir sprachen mit dem Hochkaräter über Konditionsprobleme, Schnee als Alibi und wie er dem FC helfen will. 

Interview: Bastian Henrichs Bild: imago
Erinnern Sie sich noch an ihr Probetraining in Köln?

Ja, sehr gut.

Rolf Herings hat erzählt, dass er danach Angst gehabt habe, Weisweiler wolle sie nicht haben.

(lacht) Wirklich? Das verstehe ich nicht. Ich war zwar krank an dem Tag, aber so schlecht war ich nicht. Ich erinnere mich noch, dass wir fünf gegen zwei gespielt haben und dass ich, wenn ich in der Mitte war, auch kaum noch raus gekommen bin. Aber das ist nicht so unnormal. Der Weisweiler hat schon gesehen, dass ich kaum atmen konnte. Und er hat auch gesehen, dass ich das Spiel beherrsche, wenn ich nicht in der Mitte war. Aber ich habe gleich gemerkt, dass der Weisweiler mich gut fand. Das hat er mir ohne Worte deutlich gemacht.

Wie war ihr Verhältnis zu Hennes Weisweiler?


Sehr gut. Ich hatte ziemlich schnell einen guten Draht zu Weisweiler. Ich spürte, dass er nichts von Typen hielt, die sich in die Ecke setzten und nichts sagten. Und so einer war ich auch nicht. Ich wollte später eigentlich mit ihm zu Cosmos New York gehen. Weisweiler hatte mich gefragt und ich hatte ihm schon mündlich zugesagt. Das wussten nur ganz wenige Leute. Kurz danach kam dann aber das Interesse von Coventry. Da hat Weisweiler mir geraten, nach England zu gehen. Ich habe ihm dann einen Ersatz für mich besorgt, den van der Elst (lacht). Das zeigt ja schon, dass wir ein ganz gutes Verhältnis hatten.

Sie waren auch sehr beliebt beim Kölner Publikum.

Ich weiß nicht, ob ich der Lieblingsspieler war, aber ich denke ich war recht beliebt, ja. Ich glaube, die Kölner mochten meine Spielweise. Es sah immer so aus, als wäre ich ein Kämpfer gewesen (lacht).

Welches war ihrer Meinung nach ihr bestes Spiel für den FC?

Ich glaube, dass war das Spiel in Nottingham (Halbfinalhinspiel im UEFA-Pokal der Landesmeister 1979, Anm. d. Red.). 3:3 ist das ausgegangen. Das war ein super Spiel. Ich habe ein Tor gemacht und die beiden anderen vorbereitet. Wir waren danach mit den Gedanken schon im Finale. Leider sind wir dann aber doch gescheitert. Den Landesmeister-Pokal zu gewinnen wäre das größte für mich gewesen. Aber wir waren ein bisschen zu überheblich damals, haben geglaubt, das läuft von alleine.

Beim Rückspiel waren sie gar nicht dabei.

Ja, da war ich krank. Das war ein harter Schlag. Danach bin ich nicht mehr so richtig auf die Beine gekommen in Köln. Ich hatte Ischias-Probleme und musste vier, fünf Monate jeden Tag im Krankenhaus behandelt werden. Ich wollte mich nicht operieren lassen, weil die Gefahr einer Querschnittslähmung bestand.

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