08.02.2009

Roger van Gool im Interview

»Ich konnte kaum atmen«

1976 ging Roger van Gool vom FC Brügge zum 1. FC Köln – der erste Millionentransfer der Bundesligageschichte. Wir sprachen mit dem Hochkaräter über Konditionsprobleme, Schnee als Alibi und wie er dem FC helfen will. 

Interview: Bastian Henrichs Bild: imago

Herr van Gool, erinnern Sie sich noch an das Länderspiel gegen die Niederlande 1976?

Ja, ich erinnere mich. Wir haben 0:5 verloren. In Rotterdam war das.

Es ging um die Qualifikation für die EM-Endrunde, die damals nur von vier Mannschaften gespielt wurde. Sie waren mit dem 0:5 praktisch ausgeschieden.

Stimmt. Das war sehr ärgerlich. Ich erinnere mich daran, dass ich in der ersten Halbzeit eine große Chance vergeben habe, der Ball ging nur an den Pfosten.

Wussten Sie, dass jemand aus Köln auf der Tribüne saß?


Nein. Die waren ja auch eigentlich gar nicht wegen mir da. Aber sie haben mehr von mir gehalten als von dem Holländer, den sie beobachten wollten.

Hat Rolf Herings, der für den 1.FC Köln auf Stürmersuche war, sie direkt nach Spiel kontaktiert?


Nein. Ungefähr eine Woche später habe ich erst erfahren, dass die Gefallen an mir gefunden hatten.

Wie kam der erste Kontakt mit dem 1.FC Köln zu Stande?


Ich glaube der Herr Herings hatte den Trainer informiert (Hennes Weisweiler, Anm. d. Redaktion) und den Manager Karl-Heinz Thiele, und die haben mich dann angerufen. Als ich mit Brügge in Anderlecht gespielt habe, sind sie dann noch einmal gekommen, um mich zu beobachten. Da haben wir wieder eins auf die Mütze bekommen und 1:4 verloren. Stellen Sie sich vor, in den beiden Spielen hätte meine Mannschaft jeweils hoch gewonnen. Was hätte ich dann wohl gekostet? (lacht)

Läuft man eigentlich mit einem anderen Gefühl auf, wenn man weiß, dass man beobachtet wird?


Nee. Das war ja nicht das erste Mal. Brügge war damals eine wirklich gute Mannschaft, mindestens so gut wie die Mannschaft aus Köln. Wir haben zwei Jahre hintereinander im UEFA-Cup-Finale gestanden. Es bestand ein reges Interesse an Spielern unserer Mannschaft. Das hat mich überhaupt nicht nervös gemacht, wenn jemand da war, um mich zu beobachten. Egal ob aus der Bundesliga oder aus Italien.

Mussten die Kölner sie überreden, zum FC zu kommen?

Nein, überhaupt nicht. Ich brauchte nicht lange zu überlegen. Köln war eine große Mannschaft, die Stadt liegt nah an der Grenze zu Belgien, so dass meine Eltern zu den Heimspielen kommen konnten. Die Sprache war auch kein Problem, und finanziell war der Wechsel auch lukrativ.

Sie haben über eine Millionen Mark gekostet, der erste Millionen-Transfer der Bundesliga. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ach, das habe ich realistisch eingeschätzt. Es ist doch so: Ein Verein kann einen Spieler für hunderttausend holen, und im Endeffekt sind es hunderttausend zu viel, weil der Spieler es nicht wert ist. Oder ein Verein holt einen teuren Spieler für eine Million, der aber sein Geld wert ist. Das galt damals und ist heute immer noch so. Und es hat sich bei mir gezeigt, dass ich billig war, denn Köln hat mich für 1,2 Millionen wieder verkauft.

Gab es wegen der hohen Summe Probleme in der Mannschaft? Da gab es schließlich einen Toni Schumacher, einen Bernd Schuster...


… das waren noch junge Spieler damals. Auch Littbarski. Die sind erst später richtige Stars geworden. Die Stars waren Wolfgang Overath, Wolfgang Weber, die noch ein Jahr da blieben. Oder Hennes Löhr. Der war noch zwei Jahre da. Oder Bernd Cullmann. Probleme gab es überhaupt keine. Wenn man neu ist, ist man selbst dafür verantwortlich, dass man sich einlebt, sich anpasst. Egal ob man hunderttausend oder eine Million gekostet hat. Und wenn man das vernünftig macht und nebenbei noch gut Fußball spielt, dann gibt es keine Probleme. Ich fühlte mich schnell integriert und akzeptiert.

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