28.03.2013

Roel Brouwers über Vereinstreue und seinen Kultstatus

»Es ist einfach nur geil!«

Roel Brouwers hat in seinen fünf Jahren bei Borussia Mönchengladbach beinahe alles erlebt: Zweite Liga, Abstiegskampf und in dieser Saison die Teilnahme an der Europa League. Ein Gespräch über seine Rolle als Backup, seinen Kultstatus und seine Beziehung zu Luuk de Jong.

Interview: Sebastian Wolf Bild: Imago

Roel Brouwers, im letzten Heimspiel gegen Hannover 96 durften Sie mal wieder über einen längeren Zeitraum in der Bundesliga ran. Wie schwer ist es, wenn man als Innenverteidiger in solch ein Spiel geworfen wird?
Es ist nicht immer einfach, plötzlich in ein laufendes Spiel reinzukommen. Aber als Verteidiger bleibt dir nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Ich konnte mich zum Glück noch ein paar Minuten warm machen. Der Rest kommt automatisch.

Gibt es einen Unterschied in der mentalen Vorbereitung auf ein Spiel, wenn man auf der Bank sitzt und nicht von Beginn an spielen darf?
Es ist natürlich eine andere Situation. Aber grundsätzlich gehe ich jedes Spiel so an, als würde ich in der Startelf stehen. Man sollte seine festen Abläufe beibehalten. 

Wie schaffen Sie es, sich wieder lautlos hinten anzustellen, wenn Sie mal drei, vier gute Spiele in Folge gemacht haben und dann trotzdem auf die Bank zurückmüssen?
In so einem Fall spricht der Trainer mit mir darüber und erklärt mir seine Gründe. Das ist für mich sehr wichtig.

Es wird Ihrem Trainer Lucien Favre ja immer wieder nachgesagt, dass er Spieler individuell besser macht. Haben Sie eine solche Entwicklung auch bei sich feststellen können?
Er ist vor allem taktisch sehr gut, und ich denke, dass ich in dieser Hinsicht auch viel von ihm gelernt habe.
 
Sowohl auf als auch neben dem Platz vertreten Sie eine fast schon ausgestorbene Spezies an Profi-Fußballern. Sie legen sich nicht mit den Gegenspielern oder Schiedsrichtern an, Sie fahren keinen Luxus-Sportwagen und sind auch nicht tätowiert. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
Ich sehe mich selbst als ruhigen Typen und Familienmenschen. Sportlich und privat versuche ich einfach, mich nicht von gewissen äußeren Dingen beeinflussen zu lassen. Das wichtigste ist für mich, dass ich immer ich selbst bleibe. So bin ich erzogen worden und ich lebe sehr zufrieden damit.

Diese Bodenständigkeit spiegelt sich auch in Ihrem Privatleben wider. Mit 31 wohnen Sie als Fußball-Profi immer noch in Holland in der Nähe Ihres Heimatorts. Vor gut einem Jahr sind sie Vater geworden. Welchen Stellenwert hatten Ihre Familie und Ihre Heimatverbundenheit, als Sie 2012 Ihren Vertrag verlängert haben?
Die Familie ist das wichtigste im Leben und war sicherlich auch ein wichtiger Grund. Aber ich habe nicht nur verlängert, um schön zuhause wohnen bleiben zu können. Dazu bin ich viel zu sehr Profi.

Was hat sportlich für Sie den Ausschlag gegeben?
Ich weiß, dass ich hier immer zu meinen Spielen komme. Auch in dieser Saison habe ich in den verschiedenen Wettbewerben knapp 20 Spiele absolviert. Es ist also nicht so, als würde ich kaum spielen dürfen. Ich fühle mich aber auch sehr wohl und es passt einfach. Der Verein gibt mir ein gutes Gefühl und ich versuche dem Verein etwas zurückzugeben. Das weiß man zu schätzen. Deshalb habe ich mich auch immer für eine frühzeitige Vertragsverlängerung entschieden.

Hat sich Ihr Entdecker Joos Luhukay nie bei Ihnen gemeldet und versucht Sie abzuwerben? Er ist ja eigentlich bekannt dafür, Spieler zu verpflichten, mit denen er schon einmal erfolgreich zusammengerarbeitet hat.
Nein, nein. (lacht) Er hat mich nach Paderborn geholt und später auch nach Gladbach, deshalb haben wir auch heute noch ein gutes Verhältnis und tauschen uns öfters mal aus. Ein Wechsel war danach aber nie ein Thema zwischen uns.

In der Winterpause hat Ihr Konkurrent Martin Stranzl überraschend noch einmal seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, nachdem er eigentlich sein Karriereende angekündigt hatte. Hatten Sie sich insgeheim schon ausgerechnet, seinen Platz in der nächsten Saison einnehmen zu können?
Darüber habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Ich denke, dass wir drei gute Innenverteidiger brauchen, die auf dem gleichen Level sind. Hätte Martin nicht weiter gemacht, wäre sicher ein anderer Spieler mit ähnlicher Qualität gekommen. Der Konkurrenzkampf wäre also nicht weniger geworden. Für den Verein ist es auf jeden Fall gut, dass er verlängert hat.

Als Sie 2007 nach Mönchengladbach gekommen sind, spielte die Borussia noch in der zweiten Liga. Fünf Jahre später ist der Verein nach 16-jähriger Abstinenz auf die europäische Bühne zurückgekehrt. Wie haben Sie diese Berg- und Talfahrt in den vergangenen Jahren miterlebt?
Ich habe hier eigentlich so gut wie alles erlebt, was man im Fußball erleben kann. Wir sind in der zweiten Liga Meister geworden und direkt aufgestiegen. Danach hatten wir einige schwierige Jahre und wären vor zwei Jahren fast abgestiegen. Umso schöner ist es dann, dass uns nur ein Jahr später eine solche Saison gelungen ist und wir international dabei waren.

Im Sechtzehntelfinale war das Abenteuer Europa allerdings beendet. Ist ein frühes Ausscheiden gerade für Sie als Ergänzungsspieler doppelt bitter, weil sich dadurch die Rotation erübrigt?
In erster Linie ist es für die Mannschaft und Fans schade, dass wir ausgeschieden sind. Aus meiner Sicht kommt dann noch hinzu, dass sich die Chance auf mehr Einsatzzeiten reduziert. Ich möchte so oft wie möglich spielen, und da hat mir die Europa League natürlich geholfen.

Trotz eines frühen Rückstands und des Ausscheidens war das Sechzehntelfinale gegen Lazio Rom für Ihre Fans ein absolutes Highlight. Knapp 10.000 Anhänger haben Sie nach Rom begleitet und dort für eine Heimspielatmosphäre gesorgt. Was haben Sie als Spieler von dieser Atmosphäre im und vor dem Stadion wahrgenommen?
Das war überragend! Wir haben auch Bilder gesehen, wie die Fans schon mittags an der spanischen Treppe gefeiert haben. Das ist schon etwas ganz besonderes, was wahrscheinlich nicht bei so vielen Vereinen möglich wäre.

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