14.05.2013

Robin Dutt über Talente, Matthias Sammer und seine Arbeit beim DFB

»Wir können Spanien nicht kopieren«

DFB-Sportdirektor Robin Dutt spricht im Interview über die neue Identität des deutschen Fußballs, falsche Neuner, seine Definition von Führungsspielern und warum es keinen Sinn hätte, ihn zum Abschiedsspiel von Michael Ballack einzuladen.

Interview: Michael Rosentritt und Stefan Hemanns Bild: Imago

Robin Dutt, wann haben Sie zuletzt mit Joachim Löw Fußball gespielt?
Da war ich noch Trainer in Freiburg. Es muss also mindestens zwei Jahre her sein. Wir haben mit acht bis zehn Leuten ab und zu in der Halle gekickt, und manchmal hatte ich das Glück, mit Jogi in einer Mannschaft zu spielen. Das sage ich, weil er ein sehr guter Hallenspieler ist.

Wie sieht es mit Ihren Fähigkeiten aus?
Ich habe in den Amateurklassen gespielt, in der Abwehr angefangen und bin nach vorn in den Sturm durchgereicht worden. Oft ist es ja umgekehrt.

Von Ihrer Statur her wären Sie der ideale Stürmer für Löw: nicht zu groß, wendig …
... aber fußballerisch wäre ich schlichtweg zu schlecht.

Irritiert es Sie, mit welcher Vehemenz über das Thema »Echter Mittelstürmer oder falsche Neun« diskutiert wird?
Überhaupt nicht. Vor kurzem haben wir mit Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke zusammengesessen und uns genau darüber unterhalten. Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn die Öffentlichkeit über Fußball diskutiert. Das ist es, was uns weiterbringt.

Wo stehen Sie in dieser Debatte?
Ich bin da nicht dogmatisch. Als Trainer solltest du dich nicht stärker beschränken als notwendig. Wir haben so viele gute Spieler mit so vielen unterschiedlichen Qualitäten, dass es völlig irrsinnig wäre, sich auf ein einziges System festzulegen. Und Joachim Löw hat als Trainer genau das, was ich als Sportdirektor erwarte: einen Plan.

Wie sieht dieser Plan aus?
Das Ziel ist es, bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien zwei Systeme perfekt zu beherrschen. Wir können dann in einem 4-2-3-1-System mit Mittelstürmer spielen und genauso ohne echte Spitze wie die Spanier. Das wird die Mannschaft nur stärker machen. Stellen Sie sich mal vor – was sich natürlich niemand wünscht –, Miroslav Klose und Mario Gomez stoßen im ersten Training mit den Köpfen zusammen und fallen aus. Das wäre ein schwerer Schlag, und trotzdem würde vermutlich niemand nervös werden. Weil wir sagen können: Dann spielt halt Marco Reus vorne drin. Oder Mario Götze. Oder Mesut Özil. Sie haben nämlich schon gezeigt, dass sie das können. Es wäre doch fahrlässig, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen. Wichtig ist nur, dass es keine Zufälligkeiten sind, sondern alles einem Plan folgt.

Haben Sie trotzdem den klaren Auftrag des Bundestrainers, in den Nachwuchsteams einen Mittelstürmer zu entwickeln?
Das ist nicht der Auftrag des Bundestrainers, sondern des gesamten Fußballs. Wir werden weiterhin einen linken Außenverteidiger und einen Mittelstürmer brauchen, genauso wie diese flexiblen Mittelfeldspieler, die einen fließenden Mittelstürmer spielen können. Aber die Vereine leisten die Hauptaufgabe, weil ihnen die Spieler häufiger zur Verfügung stehen als uns.

Götze, Özil, Reus, Draxler: Der deutsche Fußball hat zuletzt viele technisch begabte Spieler hervorgebracht. Hat man andere Positionen dafür etwas vernachlässigt?
Sie müssen sich noch einmal an die Situation erinnern, die es im Jahr 2000 gab, als der DFB und die Vereine angefangen haben, ihre Nachwuchsarbeit zu reformieren und viel Geld zu investieren. Damals hieß es: Die Deutschen können zwar kämpfen und rennen, aber Fußball spielen können sie nicht. Also haben sich die jungen Trainer damals speziell mit diesem Thema beschäftigt. Welche Trainings- und Spielformen führen dazu, dass wir fußballerisch besser werden? Was dabei allerdings zu kurz gekommen ist, ist das traditionelle Positionsspiel. Das Mittelstürmertraining und das Flankentraining sind, zugegeben, etwas in den Hintergrund getreten. Das müssen wir jetzt korrigieren. Wir wollen ja die Götzes und Draxlers; aber wir wollen auch jemanden haben, der in der Lage ist, mit links eine scharfe und gezielte Flanke zu schlagen. Der linke Außenverteidiger sollte dieses Stilmittel noch beherrschen.

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