Robin Dutt über seinen neuen Job und Arturo Vidal

»Vidals Verkauf in der Bundesliga ist ausgeschlossen«

Vidal, Vidal – in allen Zeitungen dieser Name. Verlässt der Chilene Bayer Leverkusen? Wir sprachen mit Robin Dutt über einen Wechsel innerhalb der Bundesliga, die Tücken des Trainerberufs und seine ambitionierten Ziele mit Leverkusen. Robin Dutt über seinen neuen Job und Arturo VidalImago

Robin Dutt, die ersten zwei Trainingswochen liegen hinter Ihnen, wie ist Ihr erster Eindruck?

Robin Dutt: Sehr gut! Die Jungs machen mir schon in den ersten Tagen richtig Spaß – sie sind sehr belastbar und geben Gas. Auf die Nationalspieler mussten wir anfangs leider noch verzichten, sie kamen erst am 30. Juni dazu. Aber sie haben sich auf hohem Niveau eingefügt.

[ad]

Sie sind kein Freund von Lauftrainingslagern. Was stört Sie daran?

Robin Dutt: Laufen kann man auch während des Fußballspielens. Ich finde, der Ball sollte bei den meisten Trainingseinheiten im Mittelpunkt stehen – das ist enorm wichtig. Ich bin ein klarer Gegner von Lauftrainingslagern.

Der Spiegel bezeichnete Sie vor kurzem als »Trainer der Zukunft«. Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Robin Dutt: Es gibt jedes Jahr ein paar Trainer, die ordentlich gehypt werden, das ist völlig normal. Es kann aber auch schnell passieren, dass genau diese Kandidaten ein Jahr später auf der Abschussliste stehen. Ich bin doch nicht blauäugig. Jeder Trainer tut gut daran, sich von außen nicht beeinflussen zu lassen. Entscheidend ist, dass mich die Leute hier in Leverkusen für den richtigen Trainer halten. Alles andere ist unerheblich.

Sie betonen immer wieder, wie wichtig es Ihnen sei, die Spieler individuell zu behandeln. Voraussetzung dafür ist, dass Sie Ihre Spieler gut kennen. Wie wollen Sie das so schnell schaffen?

Robin Dutt: Jeder Mensch wird von anderen Motiven geleitet und benötigt folglich auch eine individuelle Behandlung. Der Schlüssel heißt »Kommunikation«; ich muss in kurzer Zeit so viel wie möglich kommunizieren, um meine Spieler kennenzulernen. Jeder tickt schließlich anders.

Zuletzt ist immer wieder von einer neuen Trainergeneration die Rede gewesen - erfahrene Persönlichkeiten wie Felix Magath und Louis van Gaal werden im Gegenzug häufig als Auslaufmodelle bezeichnet.

Robin Dutt: Das geht absolut zu weit! Ich denke, der Bundesliga tut es gut, wenn bei den achtzehn Vereinen verschiedene Trainertypen auf der Bank sitzen. Trainer, die sich in ihren jeweiligen Herangehensweisen unterscheiden. Nur so kann sich die Liga auch weiterentwickeln. Momentan sind wir hier in Deutschland sehr gut aufgestellt,  von Auslaufmodellen kann keine Rede sein.

Stört es Sie, dass Bundesligatrainer in der Öffentlichkeit nur selten an Ihrer täglichen Trainingsarbeit und Mannschaftsführung gemessen werden?

Robin Dutt: Damit müssen wir leben. Die öffentliche Meinung orientiert sich nun mal am Ergebnis, das weiß man vorher. Wem das alles zu viel wird, der sollte sich einen ruhigen Schreibtischjob suchen. Bundeligatrainer müssen widerstandsfähig sein; Druck ist in diesem Beruf programmiert.

Apropos »Druck«, wie schalten Sie ab, Herr Dutt?

Robin Dutt: Ich habe nicht das Bedürfnis, abzuschalten.

Brauchen Sie im Alltag keinen Ausgleich?

Robin Dutt: Wenn es einen gäbe, würde ich den sicherlich nicht verraten. (lacht) Ich bleibe einfach im Alltag, analysiere die letzte Aufgabe und versuche, die nächste Hürde entsprechend anzugehen, ganz simpel.



Sie sagten einmal, Freiburg sei sein Paradies für jeden Trainer – wie bezeichnen Sie dann Leverkusen?

Robin Dutt: Leverkusen vertritt die gleichen Werte wie der SC Freiburg, der Unterschied: Bayer kann in der nationalen Spitze mitspielen und ist international vertreten.

Sie konnten sich in Freiburg fast ungestört um Ihre Mannschaft kümmern, nun werden Ihre Entscheidungen häufiger kommentiert und auch kritisiert. Sind Sie in Gedanken schon mal mögliche Ausnahmesituationen durchgegangen?

Robin Dutt: Wenn meine Arbeit nun häufiger kommentiert und vielleicht auch kritisiert wird, heißt das ja noch lange nicht, dass ich mich davon stören lasse. Es liegt ganz allein an mir, ob ich mich ablenken lasse oder nicht. Aus meiner Sicht gibt es überhaupt keinen Grund, sich jetzt schon mit möglichen Negativerlebnissen zu beschäftigen. Wir haben bei Bayer ideale Voraussetzungen. Wir haben eine hervorragende Mannschaft und ein hochprofessionelles Umfeld – ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele auch erreichen werden. Wir wollen eine gute Saison spielen, nur darum geht es jetzt.

Sie sprechen offen von der Meisterschaft. Wäre ein Champions-League-Platz für Sie eine Enttäuschung?

Robin Dutt: Man sollte die Ziele vor einer Saison nicht nur schwarz oder weiß betrachten, dafür ist die Bundesliga zu stark. Es ist vor der Spielzeit lediglich möglich, eine Spanne aufzustellen. Und das haben wir gemacht. Klar und deutlich: Sollten wir die internationalen Ränge verpassen, wäre es von uns eine schlechte Saisonleistung. Schaffen wir dagegen einen Europa-League-Platz, würde ich von einer durchschnittlichen Leistung sprechen; ein Champions-League-Platz wäre sicherlich eine gute Leistung. Unser Ziel ist aber–Stand jetzt- der Titelgewinn, wir haben schließlich noch alle Chancen. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Bayern haben viel Geld in die Hand genommen.

Robin Dutt: Wir werden versuchen, unsere stärkste Leistung abzurufen. Wir wollen auf dem Platz sowohl im Defensiv- als auch im Offensivbereich dominant auftreten. Wir werden sehen, ob die Bayern mit ihrer Leistung in der Lage sein werden, an uns vorbeizuziehen. Derzeit ist Borussia Dortmund das Maß aller Dinge.

Sie haben bei Bayer nun mehr Geld zur Verfügung, um neue Spieler zu verpflichten – hat sich dadurch Ihr Anforderungsprofil an potenzielle Neuzugänge geändert?

Robin Dutt: Der Blick orientiert sich an der Qualität der vorhandenen Spieler, ganz klar. Wir sprechen hier über Champions-League-Niveau. Genau unter diesem Gesichtspunkt schauen wir uns Spieler an. Wir haben in dieser Saison viele Partien vor uns, immer wieder kräftezehrende englische Wochen. Deshalb brauchen wir natürlich eine hohe Qualität im Kader – Qualität, die selbstverständlich viel Geld kostet. Die aktuellen Spieler legen die Messlatte, an ihnen orientiere ich mich. Die Messlatte in Freiburg hängt logischerweise etwas tiefer.

Jupp Heynckes glaubt nach eigenen Angaben noch immer an einen Wechsel Arturo Vidals nach München. Nervt Sie das Thema inzwischen?

Robin Dutt: Nein, überhaupt nicht! Arturo ist ein interessanter Profi. Wir haben Verständnis dafür, dass die Konkurrenten sehr gern unsere besten Leute hätten. Rudi Völler, Wolfgang Holzhäuser und ich sind uns in diesem Punkt absolut einig: Ein Verkauf Vidals innerhalb der Bundesliga ist ausgeschlossen – bei einem Wechsel ins Ausland gibt es eine finanzielle Schmerzgrenze. Diese Grenze ist aber noch längst nicht erreicht worden. Mir wäre es Recht, wenn das so bliebe; Arturo ist nämlich ein Ausnahmespieler.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!