28.06.2007

Robin Dutt im Interview

„Es kann nur einen geben“

„Wir sind Finke“, schallte es in Freiburg noch vor Monatsfrist von den Rängen. Doch der Alte ist weg. Wer sind „wir“ nun? Vielleicht weiß es der Neue: Wir sprachen mit Robin Dutt über sein schweres Erbe, Vaterfiguren und „Wir sind Dutt“-T-Shirts.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Im März erhielten Sie dann ein weiteres Angebot, diesmal aus Freiburg. Hatten Sie die dortige Entwicklung verfolgt, seit das Präsidium im Dezember 2006 die Trennung von Volker Finke beschlossen hatte?

Ich hatte die Entwicklung schon viel früher verfolgt. Schon vor dreieinhalb Jahren, als ich als Cheftrainer in Stuttgart anfing, habe ich die Arbeit von Volker Finke als vorbildlich bezeichnet. Sie hat mir immer imponiert.

Sie waren sich also durchaus bewusst, dass Sie ein schweres Erbe antreten würden.

Es gab keinen Grund, der gegen den SC Freiburg sprach. Ich war nur eben sehr verwurzelt bei den Kickers und hätte ihre Entwicklung auch gern weiter begleitet. Insofern gab es ein sofortiges Ja zu Freiburg, aber kein sofortiges Nein zu den Kickers. Aber nach einiger Zeit war dann schon klar: Jawoll, das mach’ ich!

Haben Sie damals schon geahnt, dass der SC Freiburg vor einer Zerreißprobe stehen würde?

Auch wenn mir das die Wenigsten glauben werden: Ich habe mich mit der politischen Thematik nie sehr intensiv befasst. Ich habe mich ebenso wenig an der inhaltlichen Diskussion beteiligt – und werde das auch in diesem Gespräch nicht tun. Ich habe mir zwei Dinge vorgenommen: Erstens, meine Aufgabe bei den Kickers bis zum Schluss perfekt zu machen. Und zweitens, mir immer wieder bewusst zu machen, dass ich eine sehr hohe Verantwortung für den SC Freiburg und die gesamte Region übernehmen werde.

Im März sagten Sie in einem Interview mit der „Badischen Zeitung“, die Diskussion um die Trennung von Finke laufe „sehr sachlich“ ab. Würden Sie das heute auch noch so ausdrücken?

Noch einmal: Das wäre eine Bewertung, die ich nicht treffen möchte. Ich weiß nicht, wer was gesagt oder nicht gesagt hat – und es interessiert mich auch nicht. Mich interessiert die Gegenwart des SC Freiburg – und welche Potenziale sich daraus für die Zukunft ergeben.

Volker Finke hat bei seinem Abschied seinem Wunsch Ausdruck verliehen, dass sein Nachfolger nicht versuchen möge, sich den Strategien anderer Vereine anzunähern, sondern die Eigenheiten des SC Freiburg bewahren solle. Sind Sie Finkes Nachlassverwalter?

Die Rede habe ich gehört, das Wort Nachfolger ist nicht gefallen. Es war eine der Bedingungen an mich als Trainer, dass ich den eingeschlagenen Weg weiter beschreite. Ich habe in Stuttgart – unter den Regionalliga-Umständen – schon ähnlich gearbeitet. Man ist vermutlich nicht von Ungefähr auf mich gekommen.

Die Philosophie Finkes war allumfassend. Sie ging von der Mannschaftszusammensetzung bis hin zur Solarzelle auf dem Stadiondach. Können und wollen Sie sich auch auf diese Weise engagieren?

Mir ist nicht gesagt worden, dass ich mich um die Solarzellen kümmern soll. Und ich glaube, von mir erwartet auch niemand, dass ich aufs Stadiondach steige (lacht). Die sportliche Entwicklung jedoch, die Nachwuchsarbeit, der Lizenzspielerkader, die Präsentation des Vereins in der Öffentlichkeit – das sind meine Aufgaben als Trainer.

Volker Finke hingegen stand nicht nur auf dem Stadiondach, er war beinah allgegenwärtig. Sein Einfluss in Freiburg war geradezu politisch, und von vielen ist seine Machtfülle als erdrückend empfunden worden. Hoffen Sie, dass Ihre rein sportliche Herangehensweise als Wohltat empfunden wird?

Ich werde in Freiburg das tun, was ich immer tue: kommunizieren. Alles Weitere wird sich erweisen.

Sie signalisieren Offenheit. Aus gewissen Kreisen werden Ihnen jedoch Vorurteile entgegen gebracht. Fühlen Sie sich in Freiburg manchmal unerwünscht?

Sie sagen es: Es sind Vorurteile. Ich habe nach meiner Vorstellung im März Interviews gegeben und mich danach zurückgehalten. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Meinungen verfestigen, wenn ich mich nicht äußere. Aber nun habe ich die Chance, diese Vorurteile durch meine Arbeit zu widerlegen.

Von den erhitzten Gemütern wird Ihre Unerfahrenheit im Profibereich ins Feld geführt, sogar Ihre schwäbische Herkunft, die so gar nicht nach Südbaden passe. Macht Sie das wütend?

Ich habe Erfahrungen mit solchen Mechanismen. Wütend machen mich solche Ressentiments also nicht.

Achim Trenkle von der Fan-Initiative „Wir sind Finke“ hat gesagt: „Dutt muss nur beweisen, dass auch ein anderes Konzept als die Finke-Philosophie funktioniert.“ Das klingt mehr nach Bringschuld als nach einer Chance für einen jungen Trainer wie Sie.

Zum Teil gebe ich Herrn Trenkle Recht: Natürlich müssen wir beweisen, dass mein Team und ich für Freiburg die richtigen Leute sind. Ich möchte ihm aber in dem Punkt widersprechen, dass ein anderes Konzept funktionieren muss. Wir sind bereit, auf der vorhandenen Basis weiterzuarbeiten.

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