Robin Dutt im Interview

„Trainer brauchen keine Macht“

„Nie wieder wird ein Trainer beim SC Freiburg solche Kompetenzen erhalten wie Volker Finke“, sprach Präsident Stocker. Unter diesem Menetekel trat Robin Dutt im Sommer sein Amt an. Macht das Hütchenaufstellen Spaß, Herr Dutt? Imago

Herr Dutt, vor einem halben Jahr sagten Sie bei uns im Interview: »In Freiburg fehlt mir nichts zu meinem Glück«. Sehen Sie das immer noch so?

Da hat sich nichts dran geändert, das Arbeiten ist hier immer noch sehr angenehm. Wir haben viel Qualität im Verein. Als Trainer kann man hier seine Vorstellungen umsetzen, und es gibt sicherlich schlechtere Jobs in Deutschland, als Trainer in Freiburg zu sein.

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Präsident Achim Stocker hatte zum Ende der Ära Finke gesagt: »Nie wieder wird ein Trainer unter meiner Führung beim SC Freiburg solche Kompetenzen erhalten«. Haben Sie trotzdem genügend Macht erhalten?

Ein Trainer braucht keine Macht. Ein Trainer muss die Vorstellungen, die er hat, umsetzen können. Das heißt, er braucht die Kompetenz im Bereich Kaderzusammenstellung, bei der Zusammensetzung seines Funktionsteams und bei der Auswahl der technischen Hilfsmittel, die er fürs Training braucht. Und diese Kompetenzen bekomme ich zu 100 Prozent zugestanden.

Die Zielsetzung Mittelfeldrang haben Sie derzeit mit dem dritten Tabellenplatz mehr als erfüllt. Waren Sie auch mit der Art und Weise, wie das Ziel erreicht wurde, zufrieden?

Mehrheitlich schon. Besonders zu Hause haben wir sehr gute Leistungen gebracht. Demzufolge ist auch das Zuschauerinteresse deutlich gestiegen. Wir liegen derzeit weit über dem Schnitt und hatten gegen Mönchengladbach ein ausverkauftes Haus. Das spricht für die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Wir sind da auf einem guten Weg.

Vor einem halben Jahr sagten Sie noch, dass Sie den heraufbeschworenen Umbruch nicht erkennen können. Jetzt gab es doch jeweils neun Zu- und Abgänge.


Ich hatte gesagt, dass der Umbruch bei uns nicht größer als bei anderen Mannschaften verlaufen wird. Bei jeder Mannschaft kommen und gehen zur neuen Saison viele Spieler und es gibt genügend Mannschaften in der 2. Liga, die einen wesentlich größeren Wechsel verkraften mussten.

Also war die Integration der vielen neuen Spieler für Sie kein Problem.


Das ist eine ganz normale Aufgabenstellung für einen Trainer und nichts Freiburg-Spezifisches. Mein Kollege Bruno Labbadia musste in Fürth viel mehr Spieler integrieren. In Mainz war es ähnlich, und das ist ganz normal zu Beginn einer Saison.

Bei einigen Spieler wie Alexander Iaschwili heißt es, dass sie unter Volker Finke in Freiburg geblieben wären.


Das ist doch nicht mein Thema. Ich habe einen hervorragenden Kader mit genügend guten Spielern. Ich kann nicht über Spieler sprechen, die nicht in meinem Kader sind.

Ihr Ziel war besonders auch, einen reibungslosen Übergang zu schaffen. Ist das gelungen?

Das sollen andere bewerten. Wir als Trainerteam sind sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir arbeiten dürfen – nämlich Hand in Hand. Teamwork steht bei uns über allem, und vom Juniorentrainer bis zur Geschäftsstelle sind die Wege bei uns äußerst kurz. Darum macht es momentan auch sehr viel Spaß hier zu arbeiten.

Sie haben bisher nur in Baden-Württemberg gearbeitet und sagten, dass Sie dort verwurzelt seien. Können Sie sich dennoch vorstellen auch mal einen nord- oder westdeutschen Verein zu trainieren? Vielleicht sogar in Ihrer Heimatstadt Köln den FC?

Es gibt überhaupt keinen Grund, mir das vorzustellen. Ich bin erst seit einem halben Jahr in Freiburg und deswegen liegt es mir fern zu überlegen, wo ich später mal arbeiten könnte. Ich erwarte von meinen Spielern, dass sie sich komplett auf die Aufgabe in Freiburg konzentrieren – und das Gleiche muss ich auch als Trainer vorleben.

Es könnte ja auch sein, dass Sie sich in Süddeutschland so wohl fühlen, dass Sie dort niemals weg wollen.

Bei einem Verein ist mir wichtig, dass ich meine Ideen umsetzen kann. Momentan ist das in Freiburg gegeben, und deswegen habe ich überhaupt keinen Grund, mir vorzustellen, ob das in Deutschland oder woanders in der Welt auch gegeben wäre.

Ist es für Sie überhaupt erstrebenswert, wie Ihr Vorgänger Volker Finke 16 Jahre bei dem gleichen Verein zu arbeiten?

Ich möchte grundsätzlich immer sehr lange bei einem Verein arbeiten. Bei den Stuttgarter Kickers habe ich zuvor auch fünf Jahre gearbeitet, was für diese Branche schon sehr viel ist. Generell möchte man als Trainer langfristig arbeiten, weil man dann noch mehr Möglichkeiten hat, seine Ideen umzusetzen. Denn nicht alle Ideen kann man schon im ersten Jahr umsetzen, manche greifen erst nach zwei, drei Jahren. Aber es liegt ja meistens nicht nur in unseren Händen.

Ihr Vater ist Inder. Wie indisch sind Sie selbst?


Ich bin zur Hälfte Inder, zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen, spreche auch nur die deutsche und nicht die indische Sprache, aber trotz allem ist man natürlich ein Teil seines Elternhauses und hat eine emotionale Bindung zur Heimat seines Vaters.

Wann waren Sie das letzte Mal dort?


Das ist schon einige Jahre her.

Warum spielt die Nationalmannschaft des zweitgrößten Landes der Erde immer noch unter »ferner liefen«?


Es ist einfach so, dass in Indien andere Sportarten viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen und deswegen auch viel erfolgreicher sind, wie Kricket und Hockey. Fußball ist dort eben nicht die Nummer eins wie bei uns, weswegen Indien hier international auch nicht so vertreten ist wie in anderen Sportarten.

Zu Ihrem ehemaligen Verein Stuttgarter Kickers. Der steht in der Regionalliga derzeit auf dem drittletzten Tabellenplatz.

Das ist dieses Jahr eine ganz schwere Situation bei den Kickers, und es wäre für jeden Trainer sehr schwer gewesen, einen guten Tabellenplatz zu erreichen. Es ist sowieso hypothetisch, aber wenn ich dort geblieben wäre, hätte es auch nicht unbedingt besser laufen müssen. Die Kickers leben finanziell von der Hand in den Mund. Und deswegen kann es da durchaus auch mal Rückschläge geben.

Zu Ihrer Zeit war es auch schon schwer.

Es ist bei den Kickers jedes Jahr schwer, und deswegen kann es auch mal passieren, dass man dort in einem Jahr ein Tief durchmacht. Da muss man jetzt gemeinsam durch, und dann kommen die Kickers da auch wieder raus. Aber das hängt nicht mit meinem Namen zusammen.

War Ihnen nach der 2:1-Niederlage zu ihrem Freiburger Auftakt gegen den Aufsteiger Osnabrück eigentlich sehr mulmig?

Ich habe das Spiel nur rein sportlich bewertet. Und wenn ich danach gehe, war es vielleicht sogar ganz gut, dass wir das Spiel vom Ergebnis her verloren haben und nicht etwa schlecht gespielt, aber gewonnen haben. So hatten wir die Chance, klar zu analysieren und die notwendigen Schlüsse zu ziehen.

Für Sie war es dennoch ein besonderes Spiel, da es ihr Debüt als Zweitligatrainer war.

Bei meinem Osnabrücker Kollegen Pele Wollitz war es aber ebenfalls sein erstes Spiel als Zweitligatrainer. Es konnte also nur einer von beiden gewinnen.

Danach haben Sie sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet, und der SC stand zwischenzeitlich sogar auf Platz eins.

Es geht momentan nicht um die Tabellensituation, sondern darum, die Mannschaft zu entwickeln und Ideen umzusetzen. Da ist es nicht so wichtig, ob wir einen Platz weiter oben oder weiter unten stehen. Es muss einfach Stück für Stück bergauf gehen.

Zum Ende der Rückrunde ging es aber Stück für Stück wieder bergab mit zuerst drei Unentschieden in Folge und der ersten Heimniederlage gegen Mönchengladbach.

Es gibt in der Tabelle wie bei den Aktien keine linearen Kurven, sondern auch immer mal Kurven, die ausschlagen. Darum muss die Gesamtlinie – bei beiden – nach oben gehen, und da kann ich in der Vorrunde bei drei Niederlagen in 16 Spielen beim besten Willen keinen Abfall erkennen.



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