24.07.2012

Roberto Hilbert über Istanbul, England und Greuther Fürth

»Ich bin Kleeblatt-Fan«

Roberto Hilbert lebt seit über zwei Jahren in Istanbul, spielt beim Top-Klub Besiktas und gilt in der Türkei als der »deutsche Zug«: Wir sprachen mit ihm über euphorische Fans, Heimweh und seine alte Liebe Greuther Fürth.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Roberto Hilbert, gibt es eine Regel, die ein Fußballprofi beherzigen sollte, wenn er nach einer hohen Niederlage durch Istanbul schlendert?
Ich bleibe in solchen Fällen zu Hause. (lacht)

Das ist tatsächlich kein Klischee?
Nein. Die türkischen Fans sind in der Tat sehr emotional, das ist nochmal eine andere Nummer als in Deutschland. Ich meine das allerdings nicht negativ -  im Vordergrund stehen bei ihnen nämlich meist Freude und Euphorie. Verlieren wir allerdings ein Derby, kann die Kritik auch mal heftiger ausfallen. Damit kann ich aber leben. Entscheidend ist, wie man verliert - die Fans spüren schließlich, ob man sich reinhängt.

Wie gut sprechen Sie Türkisch?
Das Sprechen hält sich noch in Grenzen, meine Grammatik ist – um es vorsichtig zu formulieren -  ausbaufähig. Aber: Ich verstehe alles.
 
Es gibt Profis, die sagen, es reiche aus, die typischen Fußballwörter zu verstehen, der Rest sei eher unwichtig. Wie sehen Sie das?
Innerhalb der Mannschaft kommt man auch klar, wenn man kein Türkisch spricht, denn Kommunikation läuft ja auf verschiedenen Ebenen ab. Auf dem Fußballplatz spielen Sprachkenntnisse keine entscheidende Rolle – die Fachbegriffe hat man schnell drauf.

Und im Alltag?
Das kann schon eher ein Problem sein. Ich denke manchmal zurück an meine Zeit in Deutschland, in der ich mich häufig wunderte, warum einige Mannschaftskollegen nicht intensiver Deutsch lernten. Mittlerweile kann ich nachvollziehen, wie schwierig es ist, in kürzester Zeit eine neue Sprache zu lernen. Das dauert eine Weile. Wir jedenfalls haben uns inzwischen gut in der Türkei eingelebt.

Lesen Sie türkische Zeitungen?
Ich versuche mir regelmäßig einen groben Überblick zu verschaffen, was jedoch äußerst ambitioniert ist bei den vielen Blättern in Istanbul. Der Sportteil ist grundsätzlich sehr, sehr ausführlich. Das Thema »Fußball« ist überall präsent.

Anders als in Stuttgart?
Schon, ja. Aber es gibt auch die andere Seite: In Deutschland stehen die Spieler in engem Kontakt mit den Journalisten, von denen viele regelmäßig beim Training dabei sind. Bei uns dagegen haben die Medienvertreter nur 1-2 Mal pro Woche Zutritt. Allerdings beobachten sie das Geschehen  an diesen Tagen lediglich aus der Entfernung. Gespräche mit ihnen gibt es daher eher selten. Da fällt mir ein: Was wäre da nur in Deutschland los?

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