16.03.2007

Roberto Hilbert im Interview

„Bayern wird Meister“

Das Spiel am Samstag auf Schalke ist für den VfB Stuttgart wegweisend. Dabei wird es auf Roberto Hilbert ankommen, die große Konstante im Spiel der Schwaben. Doch der hat einen ganz anderen Meistertipp auf dem Zettel.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago


Als Sie zum VfB Stuttgart kamen, war das der teuerste Transfer eines Zweitligaspielers ohne Erstligaerfahrung in die höchste deutsche Spielklasse. Haben Sie in Stuttgart einen enormen Erwartungsdruck verspürt?

Nein, überhaupt nicht. Da hat mir von Anfang an niemand Druck gemacht. Sicherlich war die Ablösesumme sehr hoch, aber damit sind alle gut umgegangen. Vielmehr habe ich mir selbst viel Druck gemacht, um das zu rechtfertigen. Ich bin schließlich nach Stuttgart gekommen, um mein Bestes zu geben. Dafür ist es aber auch notwendig, mir selbst immer wieder Druck zu machen. Ich wollte mit guten Leistungen überzeugen, so dass ich im Laufe der Zeit Stammspieler werde. Dass das so schnell gegangen ist und ich vom ersten Spieltag an auf dem Platz stand, damit konnte niemand rechnen.

Vor der Saison galt der VfB nicht als Kandidat für die internationalen Ränge. Jetzt spielen Sie um die Champions-League-Ränge. Woran liegt das?

Nach dem schlechten Saisonstart sind wir sehr eng zusammengerückt. Wir haben die ersten beiden Heimspiele direkt verloren. Dementsprechend groß war die Kritik der Medien an Mannschaft und Trainer. Mit dem Sieg in Bremen ist das Team viel geschlossener geworden, weil wir einfach gemerkt haben, dass wir kämpfen und siegen können. Und in der Folge, das hat man sowohl in der Hinrunde als auch jetzt in der Rückrunde sehen können, sind wir als geschlossene Einheit aufgetreten. Dass jeder für den anderen mitläuft und mitkämpft – das macht uns stark.

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nsbesondere das überrascht, denn die Mannschaft musste ja einen großen Personalumbruch verkraften. Der VfB steht derzeit als Paradebeispiel für die Integration einer Vielzahl neuer Spieler. Ist das Armin Vehs Verdienst?

Ganz klar, ja. Er hat von Anfang an den neuen Spielern und auch den nachgerückten Jugendspielern, sprich Serdar Tasci, Andi Beck oder Samy Khedira, gezeigt, dass nicht nur große Namen eine Chance bekommen. Und das wussten wir von Anfang an. Wir haben alle eine faire Chance bekommen, zu spielen.

Über Armin Veh ist im Vergleich zu anderen Bundesligatrainern wenig bekannt. Er gilt als ruhiger Zeitgenosse. Wie erleben Sie ihn?

Er ist ein sehr ruhiger und vor allem sehr ehrlicher Mensch. Er sagt jedem geradeheraus seine Meinung, egal wer das ist. Er ist ein akribischer Arbeiter, der uns jede Woche eindringlich und persönlich auf das jeweilige Spiel vorbereitet. Und auch wenn es mal bei dem einen oder anderen nicht so gut läuft, versucht er ihn aufzubauen und gibt ihm Halt. Er spart nicht mit Kritik, ist sich aber auch nicht zu schade für ein Lob. Das zeichnet ihn aus.

In der Bundesliga hat Stuttgart in den letzten Wochen geschwächelt. Haben Sie durch die Unentschieden gegen Hertha und Wolfsburg und die Niederlage in Leverkusen sogar eine mögliche Meisterschaft verspielt?

Natürlich will jeder Spieler, jede Mannschaft in der Bundesliga Deutscher Meister werden, aber wir haben ja nie damit gerechnet, da in dieser Saison eine Chance zu haben. Insofern kann man auch nicht von Verspielen reden. Mannschaften wie Bremen oder Bayern müssen natürlich den Anspruch haben, Deutscher Meister zu werden. Bei uns gibt es in diese Richtung keinen Druck von oben oder von außen. Für uns ging es immer nur darum, so weit wie möglich nach oben zu kommen. Wir stehen momentan auf einem guten Tabellenplatz und den wollen wir auch verteidigen. Wir machen uns keinen Stress, aber die anderen Teams haben in den letzten Wochen auch nicht so viele Punkte geholt. Da ist noch alles offen.

Aber mannschaftsintern wird doch sicherlich das ein oder andere Mal laut über den Meistertitel nachgedacht.

Nein, warum auch? Wie gesagt: Es gibt wahrscheinlich keinen Fußballer, der nicht von der Deutschen Meisterschaft träumt. Aber das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind, und wir stehen sicherlich zu Recht auf dem dritten Tabellenplatz. Nicht mehr, nicht weniger.

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