01.04.2009

Robert Enke im Interview

»Ich muss gar nichts«

Robert Enke war gesetzt, dann verletzt – ist er nun wieder Stammtorwart der deutschen Nationalelf? Hier spricht der Hannoveraner über den Streit um den Platz im Tor, seinen Ehrgeiz – und den besten Keeper im Land.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Herr Enke, Ihre Uhr zeigt ja noch Winterzeit an. Haben Sie etwas verschlafen?

Das habe ich bewusst nicht geändert, weil ich ja weiß, wir fliegen nach Wales. Stark, oder?



Sie sind sehr rational. Berührt es Sie wenigstens, wenn die Zuschauer Sie bejubeln wie am Samstag gegen Liechtenstein?

Ja, klar, ist doch logisch.

Werten Sie diesen Jubel auch als Indiz dafür, dass das Volk Sie als Nummer eins haben möchte?

Ganz bestimmt nicht, da haben sich die Leute nur einen Spaß gemacht, wenn ich alle zehn Minuten mal an den Ball gekommen bin.

Machen Ihnen denn solche Spiele Spaß?

Inzwischen ja. Wenn es in Wales ähnlich läuft, wenn nur ein Schuss aufs Tor kommt, und wir gewinnen 2:0 – perfekt. Als junger Torwart schaut man mehr auf sich. Aber es geht nicht darum, dass ich möglichst viele Bälle aufs Tor bekomme, um mich in eine gute Position zu bringen. Ich muss mich nicht profilieren.

Aber es gibt doch den Konkurrenzkampf im Tor, da müssen Sie sich beweisen.

Ich muss gar nichts. Ich kann mir als Torwart ja schlecht die Bälle selbst aufs Tor schießen. Ich kann nur auf das reagieren, was kommt. Wenn jemand schreibt: Enke konnte sich nicht auszeichnen – ja gut, ist so.

Sehen Sie sich als Nummer eins?

Für das kommende Spiel, ja. Vor meiner Verletzung war ich auch schon in einer sehr guten Position. Die habe ich ein wenig eingebüßt. Jetzt kann ich den Weg fortsetzen.

Wie stellt sich der Konkurrenzkampf für Sie dar?

Bisher hat es den ja gar nicht gegeben. Erst war René Adler verletzt, dann ich, jetzt ist er wieder verletzt. Und was heißt Kampf? Damit kann ich nichts anfangen. Es ist ja nicht so, dass wir uns im Training gegenseitig was auf die Mütze hauen. Man kann die Leistungen auch nicht vergleichen oder spekulieren: Wie hätte ich gegen Russland gespielt? René hat es gut gemacht. Vielleicht hätte ich das auch getan.

Wie könnte man die Nummer eins am besten finden?

Ein Casting gibt es ja leider nicht. Eigentlich müsste man eine Ballmaschine nehmen, die bei allen Kandidaten dieselben Bälle aufs Tor schießt und dieselben Flanken reinbringt. Am Ende hätte man einen objektiven Wert für jeden. Aber das ist nur Theorie. Es geht auch um den Kopf, wie man mit der Situation klarkommt.

Wovon wird es abhängen, wer die Nummer eins wird? Wird es derjenige, der die meisten Unhaltbaren hält, oder derjenige, der die wenigsten Fehler macht?

Mit dem Begriff »unhaltbar« kann ich wenig anfangen. Sagen wir: derjenige, der die meisten Großchancen vereitelt. Ich glaube, es wird eine Mischung aus beidem sein. Die Unterschiede sind ja nicht so groß. Die Torhüter, die infrage kommen, sind beim Bällehalten mehr oder weniger auf einem Niveau. Also wird es eine entscheidende Rolle spielen, wer wie viele Fehler macht – oder auch nicht.

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