The Rifles-Sänger Joel Stoker packt aus

»Ich war besser als Becks«

Die 11FREUNDE-Slacker Bock und Apitius trafen Joel Stoker von der Band The Rifles. In ihrem besten Englisch quetschten sie den Rockstar aus und stellten in Aussicht, dass der amerikanische Präsident Barack Obama West Ham kauft. The Rifles-Sänger Joel Stoker packt ausThe Rifles

Joel Stoker, vor einiger Zeit fragten wir die Band Mando Diao, welcher Fußballklub ihre Band gerne wäre. Sie sagten: Manchester City. Welcher Klub wären The Rifles?

Sagten Mando Diao das, bevor die Scheichs ihre Millionen in den Klub butterten?

Nein, danach.

Ich wette, davor hätten sie einen anderen Klub genommen. Sei’s drum. Wir wären natürlich West Ham United.

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Warum?

Ich wuchs auf im Londoner East End, 15 Minuten vom Upton Park (Stadion von West Ham United, Anm.) entfernt. Ich hatte schon früh eine Dauerkarte, ging jahrelang mit Freunden hin.

Hast du selbst gespielt?

Klar. Oft auch mit David Beckham.

Mit David Beckham?

David ist zwar einige Jahre älter als ich, doch wir kannten uns ewig. Wir wuchsen im selben Viertel auf, er ging zur selben Schule wie unser Schlagzeuger Grant, später spielten wir in einer »Sunday-Side«, in einer so genannten Sonntagsliga.

Ihr wart in jungen Jahren ähnlich talentiert?

Ich war ein bisschen besser.

Was ist passiert?

Ich kaufte mir eine Gitarre.

Hast du heute noch Kontakt zu David Beckham?

Wenn wir uns sehen, plaudern wir. Aber die Gelegenheiten werden natürlich seltener. Eigentlich ist der Kontakt seit dem Tag, als er dieses Traumtor von der Mittellinie für Manchester United schoss, berufsbedingt ziemlich eingeschlafen. Es war eines seiner ersten Spiele in der Premier Leage, er war ziemlich frisch aus dem Jugendteam zu den Profis hochgekommen. Kurze Zeit später kam er mit Posh Spice zusammen. Es ging alles so wahnsinnig schnell. Einige Wochen zuvor hatte ich ihn noch gesehen, wir kickten und unterhielten uns gut. Und plötzlich kannte ihn die ganze Welt. Irgendwie surreal.

Wie siehst du eigentlich die Entwicklung im Fußball? Gerade in England stehen die Investoren bei den Klubs Schlange.

Anfangs war es befremdlich, denn die meisten Klubs in England haben diesen Working-Class-Hintergrund. Und plötzlich werden sie finanziell von Außen gespritzt ohne Ende. Das Traurige ist auch, dass die Tage, in denen wirklich gute Manager die Klubs in England führten, lange vorbei sind. Kaum jemand vertraut noch auf die eigene Jugend.

So wie es Manchester United lange Zeit tat?

Genau. Das ist auch ein Grund, warum ich Manchester United mag. Gerade in der Saison, als die Mannschaft das Triple holte, bestand die Mannschaft aus vielen Spielern, die aus der eigenen Jugend kamen.

West Ham United wurde 2006 von dem Präsident des isländischen Fußball-Verbandes, Eggert Magnusson, übernommen.

Für eine Saison hatten wir unglaublich viel Geld. Aber dann war er plötzlich wieder weg.

Hast du mal überlegt, ein Fußballlied zu schreiben?

Die Cockney Rejects haben ja mal die West-Ham-Vereinshymne als Punkversion aufgenommen. Aber die Rifles werden so was nicht tun. 

Warum nicht?

Kennt ihr Ian Broudie?

Von den Lightning Seeds?

Genau. Wir haben unser erstes Album mit ihm aufgenommen und unterhielten uns ein paar Mal über den Song »Three Lions«. Ich hatte das Gefühl, dass er es bereut, diesen Song jemals geschrieben zu haben. In jedem verdammten Pub auf dieser Welt kommen Leute zu ihm und singen »Footballs coming home« usw. Vor dem Hintergrund: Ich glaube, ich lasse das lieber sein mit den Fußballsongs.

Wie ist es für dich eigentlich in der Fankurve? Bist du da immer noch der Rockstar, den alle angucken?

Ach, es gibt bekanntere Typen, die zu West Ham United gehen. Steve Harris, der Bassist von Iron Maiden etwa.

Barack Obama ebenfalls.

Waaaaas?

Schreibt jedenfalls der »Telegraph«.,

(schreit seinen Tourmanager an) Wusstest du das?

(der Tourmanager reagiert nicht – er schläft auf der Couch mit Stöpseln in den Ohren)

Unfassbar. Der mächtigste Mann der Welt. Der sollte West Ham kaufen. Oh, Mann, darauf erstmal ein Bier. Wollt ihr eins?

Gerne.

(brabbelt) Der mächtigste Mann der Welt. Irgendwie cool...

Was weißt du über deutschen Fußball?

Ehrlich gesagt: Nicht viel. Allerdings war mein erstes Fan-Utensil von einem deutschen Fußballer. Ich war als Kind mit meinen Eltern im Urlaub in Spanien. In dem Ort gab es ohne Ende Stände, wo man nachgemachte Fußball-Trikots kaufen konnte. Ich bettelte meinen Vater an, dass er mir das von Inter Mailand kaufte. Ich weiß gar nicht mehr, wieso ich das wollte. Vermutlich mochte ich die Farben: schwarz-blau. Auf dem Rücken stand der Name Rummenigge.

Wer ist heute dein Lieblingsspieler?

Vermutlich immer noch Julian Dicks.

Nicht Geoff Hurst?

Weil er 1966 das 3:2 gegen Deutschland schoss? Ich mag ihn, klar. Schon deshalb. Aber Julian Dicks war zu der Zeit, als ich meine Dauerkarte hatte, der zentrale Mann im Team. Über Jahre. Sie nannten ihn den »Terminator«. Und er war tatsächlich einer.

Was hältst du eigentlich von dem Film »Green street« (dt. »Hooligans«) über die Schlägereien zwischen den »Firmen«, den Schlägertrupps von West Ham United und dem FC Milwall?

Absoluter Schrott. Der Typ, der die Hauptrolle hat – ich glaube, es ist Elijah Wood –, spielt überhaupt nicht authentisch. Schon der Slang, die Sprache – er ist eben kein Londoner, nicht mal Engländer. Ich kenne eine Handvoll Leute, die das hätten überzeugender spielen können. Und die Handlung kann auch nichts, sie bewegt sich den ganzen Film über an der Oberfläche. Rubbish!

Bist du jemals in eine Prügelei geraten?

Glücklicherweise nicht. Ich kam einmal in die Nähe. Mit einem Freund bin ich zu einem Amateurspiel in den Norden von London gefahren. Wir gingen nichts ahnend in einen Pub, als wir plötzlich merkten, wie uns die Leute anguckten. Dann ging’s ganz schnell: Irgendjemand pöbelte, dann jagten sie uns aus dem Pub die Straße runter.

Bist du gerannt?

So schnell wie noch nie in meinem Leben.

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