10.07.2013

Richard Golz über seinen neuen Job bei Hertha BSC

»Der Torhüter ist der wichtigste Mann«

Richard Golz ist neuer Torwarttrainer bei Hertha BSC. Im Interview spricht der gebürtige Berliner über seine Rückkehr in die Hauptstadt, silberne Uhlsport-Trikots und eine Zukunft als Manager.

Interview: Dominik Bardow und Stefan Hermanns Bild: Imago


Erinnern Sie sich noch an das Torwarttraining zu Beginn Ihrer Karriere?
Das gab’s nicht. Den ersten richtigen Torwarttrainer hatte ich in Hannover – mit 38. Beim HSV bin ich zwei Jahre von Rudi Kargus trainiert worden, bis er wegen einer Arthrose nicht mehr konnte. In Freiburg hat sich der Co-Trainer um uns gekümmert. Das empfand ich schon als großen Fortschritt.

Ihr Training war das Torschusstraining?
So ungefähr. Der Co-Trainer hat einem noch ein paar Bälle in die Hände geschossen, das war’s.

Es fällt auf, dass Sie viel mit dem Ball am Fuß trainieren lassen.
Es gibt Untersuchungen, dass 70 Prozent der Arbeit von Torhütern inzwischen mit dem Fuß erledigt wird. Im heutigen Fußball geht es viel um Ballbesitz. Da ist es schon gut, dass der Torhüter den Ball im Spiel halten kann. Trotzdem: Bei den wichtigen Bällen werden die Hände benutzt.

Haben Sie eine eigene Philosophie vom Torwartspiel?
Philosophie ist übertrieben. Aber ich finde, dass der Torhüter der wichtigste Mann ist. Ohne Torwart gewinnt man keinen Blumentopf. Ich versuche immer, meinen Jungs klarzumachen, wie groß ihr Einfluss auf die Mannschaft ist. Wenn ich mir einen Torwart im Spiel anschaue, erfahre ich sehr viel über die Mannschaft.

Wie meinen Sie das?
Als Torwart ist man immer abhängig von seinen Kollegen. Wenn das Verhältnis nicht stimmt, steht man ganz schnell im Regen. Ein Torwart muss viel sprechen, es kommt aber auch darauf an, wie er das tut. Man kann jemanden mit Kritik auch kaputtmachen. Und was hilft es, wenn ein Torwart sagt: „Einer muss den jetzt angreifen“? Einer ist keiner. Konkrete und klare Ansagen sind wichtig.

Sie sind kein großer Anhänger der Einzelkämpferschule, für die Oliver Kahn steht.
Man muss kein Einzelgänger sein, um ein guter Torhüter zu sein. Und die Torhüter heute sind im Schnitt weniger Einzelgänger als vor 20 Jahren. Natürlich ist man in gewissen Situationen auf sich gestellt. Aber es war auch bei Kahn nicht so, wie man immer dachte. Ohne gute Mannschaft wäre er nicht so weit gekommen.

Welche Rolle spielt mentale Stärke?
Es gibt viele Leute, die gut Fußball spielen können. Was den Unterschied ausmacht, ist der Kopf, beim Torwart noch viel mehr als bei Feldspielern. Die erfolgreichsten Torhüter sind nicht unbedingt die, die über die beste Technik verfügen. Kahn ist ein gutes Beispiel. Durch seine mentale Stärke hat er das Maximale rausgeholt. Damit kann man viel kompensieren. Ich glaube, dass da längst noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft sind.
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden