03.04.2008

Richard Golz im Interview

»Es war ein Abenteuer«

Nach 30 Jahren Fußball und 20 Jahren Bundesliga beendet Richard Golz im Sommer seine Karriere. Nun, als Vor-Ruheständler, hat er die Muße, auf seine Karriere zurückzublicken. Wir haben mal nachgefragt, wie die Bilanz ausfällt.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: imago

Herr Golz, Torwart wird man nicht freiwillig. Wer hat Sie in den Kasten gestellt?

Stimmt, eigentlich will niemand ins Tor. Ich war schon immer relativ groß, und als ich das erste Mal bei einem Training dabei war, haben die anderen angesichts meiner Größe gesagt: »Geh doch mal ins Tor.« Ich habe mich ganz gut angestellt – und bin seitdem im Tor geblieben.

Was muss jemand, der ein guter Torwart werden will, mitbringen?

Meistens gehen zu Anfang die Kleinen, Dicken ins Tor – das ist keine gute Voraussetzung (lacht)! Man sollte schon relativ athletisch und schnell sein, eigentlich nicht anders als ein Feldspieler auch.

Man sagt, ein Torwart könne nur verlieren. Haben Sie das auch so empfunden?

Wenn man ein Tor rein bekommt, ist es ja eine natürliche Bewegung, dass sich alle von einem abwenden – schließlich gehen sie in den Mittelkreis, um den Anstoß auszuführen. Gerade am Anfang war das schon ein komisches Gefühl. Das darf man aber nicht allzu sehr an sich herankommen lassen.

Ihr Vorbild war Gregor Quasten von Hertha BSC. Was zeichnete ihn aus?

In meiner Kindheit und Jugend war ich ein großer Hertha-Fan und ging oft ins Stadion. Gregor Quasten strahlte eine besondere Lässigkeit aus, hatte immer so kleine Spielchen in seinen Bewegungen – das hat mich angezogen. Aber interessanterweise bin ich ein anderer, unspektakulärer Typ von Torwart geworden.

Wann haben Sie festgestellt, dass das Verhindern von Toren Ihr Lebensinhalt werden könnte?

Das war, als ich beim SC Tegel in der A-Jugend spielte. Eines Tages nahm der Hamburger SV über meinen Trainer Kontakt zu mir auf. Die Verantwortlichen fragten mich, ob ich mir vorstellen könne, nach Hamburg zu kommen, um dort in der Jugend zu spielen und nach zwei Jahren vielleicht Profi zu werden.

War Ihnen damals bewusst, welche Konsequenzen eine Entscheidung für den Fußball als Beruf haben würde?

In dem Moment nicht. Ich empfand das als spannend, als Abenteuer. Dass ich 20 Jahre lang Profi sein würde, hätte ich natürlich nicht gedacht.

Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?


Überhaupt nicht, nicht eine Sekunde. Selbst in der ersten Zeit, in der noch gar nicht klar war, dass ich einen Profi-Vertrag bekommen würde, habe ich meinen Entschluss nicht angezweifelt.

Als Sie mit 19 Jahren den Vertag unterschrieben hatten, hatten Sie nacheinander drei Konkurrenten. Zunächst Uli Stein, dann Mladen Pralija und schließlich Jupp Koitka. Alle drei warfen sich selbst aus dem Rennen: Stein durch seinen Faustschlag gegen Jürgen Wegmann, Pralija durch desolate Leistungen und Koitka durch einen Platzverweis. Glück für Sie, Herr Golz.

Man muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Natürlich waren die Ereignisse günstig für mich. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich damit, dass Stein noch zehn Jahre im Tor stehen würde. Dann rutschte ihm die Hand aus. Und als auch noch Koitka für acht Wochen gesperrt worden war, konnte ich mich zum ersten Mal als Nummer Eins beweisen. Aber wenn ich dann nicht meine Leistung gebracht hätte, hätten mir die Ereignisse auch nicht geholfen.

Wie war Ihr Verhältnis zu Uli Stein, dem großen, wilden Mann?

Lange habe ich ihn nicht erlebt. Aber es hat mir, gerade als er 1994 noch einmal zum HSV zurückkam, imponiert, dass er im hohen Alter noch zu Top-Leistungen im Stande war. Seitdem weiß ich, dass, je älter man wird, der Kopf eine um so größerer Rolle spielt.

Ihre Karriere führte auch immer wieder durch tiefe Täler. Wie haben Sie sich in solchen Momenten Ihr Selbstvertrauen bewahrt?

Ich bin nicht allein damit, dass es auch mal schlecht läuft. Das passiert jedem. Und wenn es passiert, muss man versuchen, gut und hart zu trainieren. Auch durch körperliche Fitness bewahrt man sich sein Selbstvertrauen.

Haben Sie sich auch wieder aufbauen können, indem Sie an Glanztaten aus vergangenen Spielen dachten?

Es gibt schon Spiele, die mir in Erinnerung geblieben sind – weniger jedoch wegen einzelner Szenen als wegen des Gefühls, in diesem Spiel die nächste Entwicklungsstufe erreicht zu haben.

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