07.05.2013

Rettet Voronin Düsseldorf, Marcus Feinbier?

»Fortuna geht der Arsch auf Grundeis«

Zwischen 2005 und 2007 machte Marcus Feinbier für Fortuna Düsseldorf 24 Tore in 53 Spielen. MIttlerweile hat er seine Karriere beendet – und sorgt sich. Ein Gespräch über Abstiegsängste, Andrej Voronin und sein ungenutztes Potential.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Marcus Feinbier, können Sie mit der Spielweise von Dani Schahin etwas anfangen?
Da die Fortuna sehr defensiv spielt, ist es für die Stürmer unheimlich schwer, gut auszusehen. Schahin ist zwar bemüht, ihm fehlt allerdings – wie allen Offensivspielern – die Durchschlagskraft. Keiner der Jungs ruft konstant seine Leistung ab - mal überragend, dann wieder grottenschlecht.

Mit anderen Worten: Der Fortuna fehlt ein Knipser?
Das muss ich leider mit einem klaren »Ja« beantworten. Du brauchst im Abstiegskampf einen Stürmer, der aus dem Nichts Tore macht, ein Junge, der jedes Jahr für 15 Tore gut ist.

Ein Typ wie der junge Marcus Feinbier?
(lacht) Mir ist wahrlich nicht alles gelungen, aber diese spezielle Qualität würde mir sicherlich keiner absprechen. Tore aus dem Nichts, das war meine Welt! Zurzeit fehlen Fortuna Männer, die in schwierigen Phasen Akzente setzen, Männer, die den Ball auch mal reinstochern, wenn andere die Situation schon abgehakt haben. Mein Appell: Mehr Mut, mehr Entschlossenheit und, ganz wichtig, eine gewisse Geilheit auf Tore. Denn all das fehlt derzeit.

Die Klubführung hat zu Saisonbeginn offenbar geglaubt, Andrey Voronin könne eine solche Führungsrolle einnehmen – ein Trugschluss?
Dieses Thema zieht sich irgendwie durch die ganze Saison. Jene Spieler, von denen man viel erwartet, haben meist enttäuscht. Diejenigen allerdings, denen man in der Bundesliga eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestanden hätte, überraschen positiv, zum Beispiel Robbie Kruse. Der Junge marschiert und traut sich was! Die Voronin-Geschichte ist einfach nur dumm gelaufen.

Viele sagen, er sei an seiner Überheblichkeit gescheitert – Ihre Meinung?
Ich hielt die Verpflichtung für einen klugen Schachzug; Voronin steht schließlich für Erfahrung, er ist - auf Deutsch gesagt - abgewichst. Ich bin fest davon ausgegangen, dass er einschlägt. Dann plötzlich: Streit und ständig üble Schlagzeilen. Dass die Geschichte derart eskaliert, hätte ich nicht gedacht. So was ist Gift im Abstiegskampf.

Hat die Klubführung in diesem Fall naiv gehandelt
Sie hat zumindest nicht clever reagiert.

Wie meinen Sie das?
Die Verantwortlichen haben das Thema zunächst vernachlässigt, es lief ja alles gut, man hatte zwischenzeitlich zehn Punkte Vorsprung. Es entstand der Eindruck, die Führung reagierte nach dem Motto »Dann bleibt Voronin halt zu Hause, wir brauchen ihn eh nicht«. Das Problem daran: Seit ein paar Monaten läuft es nicht mehr rund, die Lage ist dramatisch, die Konkurrenten punkten – und was passiert? Voronin taucht plötzlich wieder im Kader auf, man erhofft sich offenbar neue Impulse.

Wo ist das Problem?
Dass im Umfeld wild spekuliert wird, so was bringt Unruhe, es kommen Fragen auf wie »Rettet Voronin die Fortuna?«. Ich bin der Meinung, die Verantwortlichen haben nicht konsequent gehandelt, sonst würden solche Themen gar nicht wieder hochkommen.

Was wäre die Alternative gewesen?
Die Fortuna hätte sich schon damals – als es gut lief - entweder mit ihm versöhnen oder ihn sofort wieder wegschicken sollen. So ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Folge: Unruhe - auch teamintern. Die Herrschaften haben sich somit selbst ein Ei ins Nest gelegt.

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