13.04.2013

Reporter-Legende Günther Koch über bayrische Derbys

»Mia san nicht mia, sondern die Cluberer«

Als Radiokommentator war Günther Koch immer ganz nah dran am Geschehen des 1. FC Nürnberg. Seit zwei Jahren gehört Koch zum Aufsichtsrat des Traditionsclubs. Grund genug, um mit ihm über die bevorstehenden Derbywochen zu sprechen.

Interview: Tobias Ahrens Bild: Imago

(11FREUNDE ruft bei Günther Koch an...)
Felipe Santana am Apparat!

Herr Koch? Wir wollten mit Ihnen eigentlich über etwas anderes sprechen. Aber Sie scheinen offenbar noch im Champions-League-Fieber zu sein.
Natürlich, wer ist das nicht?

Etwas weniger spektakulärer als Felipe Santana und der BVB haben sich ja die Bayern durchgesetzt…
Die Bayern sind nach zwei Hungerjahren die absolute Übermannschaft! Bei diesen Namen weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Aber sie sind nicht unüberwindbar. Das hat man selbst beim 9:2 gegen Hamburg gesehen.

Die Meisterschaft ist entschieden. Wird der FC Bayern in der Liga jetzt nur noch mit der A-Jugend antreten?
Beileibe nicht, aber apropos A-Jugend: die habe ich in dieser Woche hier in Nürnberg gesehen. Die haben mit Leo Zingerle, Julian Green oder Oliver Markoutz schon die nächsten Kracher in der Hinterhand.

Dem 1. FC Nürnberg würde es trotzdem nicht schaden, wenn der Rekordmeister auf einige Stammkräfte verzichten würde.
Sicherlich werden ein paar Spieler zum Einsatz kommen, die gegen Juventus nur auf der Bank saßen. Aber der FC Bayern hat ja gar keine B-Mannschaft. Die spielen weit über dem Durchschnitt der Bundesliga.

Der durchschnittliche Bundesligist. Das trifft schon eher auf den Club zu, oder?
Stimmt, aber da sind wir auch stolz drauf. Wir haben eine echte Basisdemokratie, bei der jeder mit jedem reden kann. Vor allem verkörpern wir nicht nur Fußballkultur seit 1900, sondern haben uns auch ein eigenes Leitbild gegeben, das für alle Cluberer verbindlich ist. Der 1. FCN ist ein ganz normaler eingetragener Verein, den es so heutzutage leider nicht mehr oft gibt. Die goldene Mitte in der Bundesliga zu werden, ist für uns das lohnende Ziel.

In dieser Saison ist ja sogar die Qualifikation für die Europa League möglich.
Ja! Dann hieße es wieder »Nürnberg grüßt Europa«. Möglich ist das, aber es ist nicht unser Ziel.

Sondern?
Wir wollen für möglichst viele Mitglieder, die keinen Hochglanzverein sehen wollen, eine gute Adresse sein. Man muss die Realitäten kennen und zusammenzählen. Da stehen Jugendarbeit und Mitgliederentwicklung im Vordergrund.

»Wir können froh sein, dass wir so einen hervorragenden Trainer haben«, sagten Sie einst über Dieter Hecking. Was halten Sie vom neuen Trainer?
Am 21. Dezember 2012 habe ich ohne zu zögern Martin Baders Vorschlag bezüglich der Wahl von Michael Wiesinger zugestimmt. Denn der Trainerwechsel war eine Riesenmöglichkeit für ihn und den Verein. Mich überraschen die  guten Ergebnisse der Vergangenheit daher nicht sonderlich.

Sie sind in München aufgewachsen. Michael Wiesinger hat von von 1999 bis 2001 bei den Bayern gespielt. Das Modell ehemaliger Münchner in Nürnberg scheint zu klappen.
Sowieso! Mia san zwar nicht mia, sondern die Cluberer, aber wir sind zwei bayrische Vereine und die Zusammenarbeit funktioniert. Das würde ich mir manchmal auch auf der Fanseite wünschen.

Wie ist das eigentlich beim »Nürnchenberger Cluberer« Günther Koch? Auf welcher Seite stehen Sie am Samstag?
Ich bin jetzt seit Jahren schon immer für den 1. FC Nürnberg. Ich denke, dass hat der Hörer auch zumeist in meinen Reportagen herausgehört. Natürlich bleibe ich immer fair und objektiv.

War das schon immer so?
Oh nein! Zum Derby 1967 war ich als junger Münchner, der drei Jahre zuvor seine erste Stelle als Lehrer in Nürnberg bekommen hatte, erstmals im Städtischen Nürnberger Stadion. Nach der 3:7-Klatsche »meiner« Bayern habe ich mir geschworen: »In das Stadion gehst Du nie wieder!«

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