28.08.2008

René Rydlewicz im Interview

»Blöd sollte man nicht sein«

Nach 19 Jahren kehrt René Rydlewicz dem Profifußball den Rücken. Wir sprachen mit ihm über neue Herausforderungen, die Bedeutung von Bildung im modernen Fußball und das Kinderbuch »Klapperzahns Wunderelf«.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
René Rydlewicz im Interview
Von Ihnen stammt der schöne Satz: »Wenn wir was im Kopf hätten, wären wir ja nicht Fußballer geworden.« Gilt das denn auch für sportliche Leiter?

(lacht) Nee, nee, das gilt nicht auch für sportliche Leiter. Es ist eher andersherum: Wenn ich nicht ein bisschen was in der Birne hätte, dann hätte man mich wohl auch nicht für so einen Posten genommen. Aber im Ernst: Das war damals eher als Scherz gemeint.

Klären Sie uns auf: Wie muss man sich das Profidasein vorstellen? Bleibt noch Zeit für Weiterbildung neben dem Platz?

Das geht schon, dafür gibt es ja genügend Beispiele wie Matthias Schober oder Ronald Maul (Schalke 04 und Rot-Weiß Ahlen, Anm. d. Red.), die nebenher noch ein Fernstudium machen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das machen kann. Bei mir war es anders: Ich habe wahrscheinlich 1500 Bücher in meiner Profifußballzeit gelesen, aber das war dann eher was fürs Leben und nicht für ein Studium nebenher. Das hätte ich mir nicht zugetraut, muss ich sagen. Für mich war das Lesen vor allem Entspannung.

Was für Bücher lagen denn auf Ihrem Nachttisch?

Ganz verschiedene. Ich habe so ziemlich alles von Ken Follett gelesen, aber auch viele Biographien. Immer dann, wenn ich eine Persönlichkeit spannend fand, habe ich mir ein Buch dazu besorgt. Mit Fußball hatten aber die wenigsten Bücher zu tun, bis vielleicht auf die Biographien von Oliver Kahn und David Beckham. Fußballlehrbücher waren nie so mein Ding, aber dafür habe ich ja jetzt Zeit genug.

Gibt es ein Buch, das Sie vielleicht besonders geprägt hat?

Ein einzelnes Buch eher nicht. Ich bin ein neugieriger Mensch, und deshalb habe ich auch aus fast jedem Buch etwas mitgenommen. Vielleicht »Klapperzahns Wunderelf«, das war mein erstes Buch mit fünf oder sechs Jahren, noch zu DDR-Zeiten. Das ging es um eine Familie mit elf oder zwölf Kindern, die dann eine Fußballmannschaft gegründet haben und ziemlich erfolgreich waren.

Nach dem Ende ihrer Profikarriere verschwinden die meisten Fußballer in der Versenkung. Ist es Ihrer Meinung nach fahrlässig, sich nur auf den Fußball zu konzentrieren?

Ich denke, das muss jeder für sich selbst entscheiden - und jeder ist in dieser Beziehung ja auch anders. Es gibt viele, die spielen Fußball und möchten danach gar nichts mehr mit Fußball zu tun haben. Aber das kann man auch während einer Karriere schwer beurteilen, denn man weiß ja gar nicht, was man möchte. Zum Ende einer Karriere sollte man aber schon den ein oder anderen Gedanken an die Zeit danach verschwenden und sich dementsprechend vorbereiten. Heutzutage hat sich das ja auch geändert, die meisten Fußballer haben Abitur und sind helle Köpfchen. Von daher denke ich, dass es nicht mehr so viele Ex-Profis geben wird, die Schwierigkeiten haben, sich im richtigen Leben zurechtzufinden.

Wann haben Sie zum ersten Mal an die Zeit nach der Profikarriere gedacht?

Für mich gab es eigentlich nie irgendetwas anderes als Fußball. Ich habe mit vier Jahren angefangen Fußball zu spielen und bin ab dann einfach dabei geblieben. Früher wollte ich mal Kindergärtner werden und auch jetzt würde ich gerne mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Der Wunsch, diese beiden Dinge miteinander zu verbinden — das war schon immer in mir drin. Von daher gesehen wusste ich schon sehr früh, dass ich so etwas später einmal machen wollte.

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