28.08.2008

René Rydlewicz im Interview

»Blöd sollte man nicht sein«

Nach 19 Jahren kehrt René Rydlewicz dem Profifußball den Rücken. Wir sprachen mit ihm über neue Herausforderungen, die Bedeutung von Bildung im modernen Fußball und das Kinderbuch »Klapperzahns Wunderelf«.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
René Rydlewicz im Interview
Herr Rydlewicz, beim letzten Interview mit 11Freunde im März 2005 hatten Sie gerade Ihr Handy abgeschafft. Nun haben Sie wieder ein Mobiltelefon. Wann ging es auch für Sie ohne Handy nicht mehr?

(lacht) Seit Ende Juni. Jetzt bin ich ja sportlicher Leiter und da ist es das wichtigste Utensil, das man haben kann – ich glaube, ich bin den ganzen Tag am Telefonieren. Naja und eine kleine »Reserve« für Oma und Opa habe ich die Zeit über schon gehabt.



Und nervt Sie das ständige Geklingel schon wieder?

Nein. Als Spieler will man natürlich seine Ruhe haben, aber jetzt bin ich froh, wenn das Handy klingelt. Das zeigt, dass sich etwas bewegt.

Nach 19 Jahren Profifußball lassen Sie Ihre Karriere nun beim Verbandsligisten FC Anker Wismar ausklingen. Wie schwer ist Ihnen diese Umstellung gefallen?

Überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil: Es ging irgendwie richtig gut. Man hat das Gefühl, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und das alles macht unheimlich viel Spaß. Ich mache das mit soviel Freude und Begeisterung, dass ich zuhause von meiner Freundin schon Ärger kriege, weil ich zwölf, dreizehn Stunden für Anker Wismar unterwegs bin. (lacht)

Was ist Ihre Funktion in Wismar?

In der ersten Zeit ging es vor allem darum, für die erste Mannschaft nach Verstärkungen zu suchen und die Planungen für die neue Saison abzuschließen. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt aber auf dem Jugendbereich. Außerdem kümmere ich mich um das Marketing und die Suche nach Sponsoren. Das sind dann die Dinge, die mir vollkommen neu sind. Es gibt unheimlich viel für mich zu lernen und das macht großen Spaß. Denn früher ist man einfach zum Platz gegangen, hat gespielt, hat sein Essen und seine Hotelbuchung bekommen, dann ist man abgeholt worden usw. Das heißt, es ist einem schon viel abgenommen worden. Aber sich selbst um diese Abläufe zu kümmern und dafür zu sorgen, dass sie funktionieren, das ist eben auch sehr spannend.

Als Teammanager kommen auf Sie in Wismar viele neue Aufgaben zu. Haben Sie sich in irgendeiner Form auf ihr Engagement vorbereitet?

Ich hab mir schon einige Dinge angelesen, zum Beispiel Trainingskonzeptionen für Jugendliche. Da habe ich mich erst einmal eingearbeitet. Die meisten Dinge lernt man aber so wirklich erst, wenn man sie selbst macht.

Neben Ihrer Arbeit bei Wismar möchten Sie außerdem den Trainerschein machen. Sehen wir Sie in ein paar Jahren als Bundesligatrainer wieder?

So weit denke ich jetzt nicht. Ich möchte mich einfach in allen Bereichen so ausgiebig wie möglich bilden, um flexibel zu sein und dann wird man sehen was kommt. Mir geht es jetzt vor allem darum, dass ich alles was das Sportliche betrifft, weitergeben und alles was das Drumherum betrifft, lernen kann.

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