René C. Jäggi im Interview

»Es kommt zu Wutanfällen«

2002 wurde René C. Jäggi Vorstandsvorsitzender des hochverschuldeten FCK. Heute ist der Verein saniert, doch sportlich am Ende. Wir sprachen mit dem Schweizer über Größenwahn, kriminelle Energie und sein Machtverständnis.
Heft #76 03 / 2008
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Herr Jäggi, welche Verbindung hatten Sie zum FCK, bevor Sie 2002 Ihr Amt als Vorstandsvorsitzender antraten?

Ich war Vorstandsvorsitzender von adidas gewesen und hatte von daher engen Kontakt zu Fritz Walter, dem Ehrenspielführer des DFB. Ich war also des öfteren auf dem Betzenberg zu Gast und fand es immer sehr beeindruckend, dort Spiele zu sehen.

Haben Sie bei den Altvorderen Nachhilfestunden in Geschichte genommen, bevor Sie Ihr Amt antraten?

Fritz Walter war leider schon verstorben. Aber ich war durch andere gewarnt, dass der FCK ein nicht ganz alltäglicher Fußballverein ist.

Dennoch dürfte das, was Sie dort erwartete, Ihre Erwartungen übertroffen haben.

Es ist, als wenn Sie zu einem Kapitän sagen: »Jetzt fahr’ mal mit diesem Kutter über den Ozean.« Sicherlich weiß er, was hoher Wellengang bedeutet, aber wenn er auf dem offenen Meer ist, stellt es sich doch anders dar, als er es in den Büchern gelernt hat. Der FCK hat schon ein hochexplosives Umfeld – gerade, wenn es nicht läuft.

Worin bestanden die Unterschiede zwischen Ihrer Mission beim FC Basel und der beim FCK?

In Basel bin ich ein Baseler. Da fällt also das Prädikat »Ausländer« weg. Zudem hatte ich beim FC Basel eine gewisse Anlaufzeit, die dann auch Erfolge zeitigte. Wenn Sie sich heute die Crew anschauen, so ist das immer noch meine Crew. Es ist eine reine Erfolgsgeschichte. Lautern hingegen war ein Verein, der vorm Ertrinken zu retten war.

Stimmt es denn eigentlich, wenn gesagt wird: „Wenn der FCK absteigt, stirbt die Region“?

Die Frage ist: Wohin steigt er ab? Wenn er in die Regionalliga absteigt, wird es natürlich schwer. Aber das betrifft auch andere Städte und ihre Vereine wie etwa Köln oder Saarbrücken, wo Abstiege ähnliche Schockwellen auslösen. In der Pfalz ist es so, dass es schlichtweg keine Alternativen zum FCK gibt, sowohl sportlich als auch kulturell. Von daher stirbt dort schon einiges ab, wenn der Verein nicht zumindest Zweitligafußball spielt.

Sind die exponierte Bedeutung des FCK und auch die Traditionen, die er verkörpert, eine Bürde?

Bei adidas (dort war Jäggi von 1987 bis 1992 Vorstandsvorsitzender, Anm d. Red.) habe ich einmal gesagt: »The heritage is our future.« Aber da gab es keine moderateren Zeugen der Vergangenheit mehr. Bei Lautern treten sie konzentriert auf. Auf dem Betzenberg sitzen ja zudem zwei alte Weltmeister von 1954 und verfolgen die Spiele. Oft heißt es: »Wenn der Fritz Walter das noch erleben würde, der würde sich im Grab umdrehen«, ist das für 19-, 20-jährige Spieler eine enorme Belastung

Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Erfolge zu verzeichnen. Waren die beiden Meistertitel 1991 und 1998 mehr Fluch als Segen?

Meistertitel nimmt man so, wie sie kommen. Man lehnt ja keinen Erfolg ab, weil man ihn nicht verarbeiten kann. Otto Rehhagel, der Meistertrainer von 1998, war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die in dieses Umfeld gepasst hat. Er war in Lautern sehr erfolgreich – trotzdem hat man ihn aus der Stadt gejagt. Das hat mit den handelnden Personen zu tun. Die standen unter einem enormen Druck, wollten die Geschichte duplizieren. Doch dann mussten sie feststellen, dass es nicht reicht, wenn man einem Pianisten beim Spielen zuschaut, um selbst Klavier spielen zu können. Doch genau das hatten Sie gedacht: »Jetzt haben wir dem Otto Rehhagel zwei Jahre lang zugeguckt, jetzt wissen wir, wie es geht.« Dann haben sie zu Maßnahmen gegriffen, die, wie man in der Zwischenzeit weiß, nicht rechtens waren.

Wo sehen Sie die gravierenden Ereignisse, die aus dem potenten Bundesligisten FCK einen Abstiegskandidaten in der 2. Liga gemacht haben?

Die Frage ist: Wohin gehört der FCK? Der Urfehler war, sich nach der Meisterschaft permanent unter Druck zu setzen – mit Leuten, die das Kaliber nicht hatten, damit umzugehen, wenn es nicht klappt. Sie haben versucht, mit allen möglichen Mitteln zu Erfolg zu kommen. Der zweite Fehler war – das sage ich jetzt mit einiger Distanz –, sich um die Weltmeisterschaft zu bewerben. Das hatte etwas Großspuriges. Wenn man sieht, wie viele Millionen in diesen Verein flossen und dann gleich wieder raus... Aus politischen Gründen dem Bauunternehmen Philipp Holzmann in Liquidation ein Bauvolumen über 90 Millionen Mark zu geben – das war grob fahrlässig. Es ist eine lange Kette von Fehlentscheidungen, von Irrläufern der Emotion. Das hat dazu geführt, dass das wirtschaftliche Umfeld im Prinzip null war, es gab keine Sponsoren mehr. Wenn der Dr. Pohl von der DVAG dem Verein nicht die Stange gehalten hätte, dann gäbe es diesen Verein nicht mehr. Es sind weit über 50 Millionen, die von ihm in den Verein geflossen sind.

Welche Fehler haben vor allem die Herren Wieschemann und Friedrich gemacht?

Ich richte nicht. Jeder in diesem Geschäft macht Fehler. Wenn man angesichts des Drucks, der von den Medien noch potenziert wird, nicht souverän über den Dingen steht und nur Dinge tut, die man sich auch leisten kann, dann macht man Fehler. Wenn es ins Kriminelle geht, dann sind das unverzeihliche Fehler. Wir haben drei, vier Jahre gebraucht, um das wiederaufzuräumen – und können von Glück reden, dass die Liga damals so großzügig mit uns war und nicht gleich den Zwangsabstieg veranlasst hat.

1999 wurde Weltmeister Djorkaeff geholt, der das sensible Gefüge sprengte.

Djorkaeff ist nur ein Name, Taribo West ein weiterer. Schon vorher gab es Fälle geringerer Größenordnung wie etwa Schjönberg, Sforza und andere. In dem Moment, in dem sie glaubten, sie hätten ein todsicheres System gefunden, in dem die Einkommenssteuer über den Verkauf von Persönlichkeitsrechten umgangen werden kann, war das Problem vorhanden. Obwohl in Frankfurt im Falle von Yeboah schon ein Urteil gesprochen worden war, hat man geglaubt, es gebe ein Pfälzer Modell. Das hat nicht langfristig funktioniert und zum Kollaps geführt.

Welche Transfers waren unter rein sportlichen Gesichtspunkten falsch?


Man hat zu oft auf Leute gesetzt, die im Verhältnis zu ihrem Einkommen nicht das gehalten haben, was sie versprochen hatten. Die erste Verpflichtung von Ciriaco Sforza war gut, die zweite vielleicht schon nicht mehr so gut, die dritte war falsch. Oder Basler: Bei Bremen fantastisch, bei Bayern schon nicht mehr so, bei Lautern ein Stehgeiger. Es gäbe weitere Beispiele von Spielern, die nicht gut genug waren, als der FCK ihre Leistung gebraucht hätte.

Basler, Sforza, Djorkaeff: Drei Namen die das übersteigerte Anspruchsdenken symbolisieren.

Die Stadt Freiburg hat 10.000 Einwohner mehr als Kaiserslautern. Dort lebt man damit, dass es mal hoch geht und mal runter – und trotzdem wird eine gute Jugend- und Aufbauarbeit geleistet. Beim FCK überdehnt man sich ständig, um oben zu bleiben. Nach dem Bosman-Urteil gingen die Spielergehälter in den zweistelligen Millionenbereich. Schon von daher ist es für einen Verein wie den FCK schwierig, sich langfristig in der ersten Liga zu etablieren. Wir hatten zum Schluss ein Budget von 13 Millionen Euro für Spielergehälter – das sind beim FC Bayern Gehaltskosten für zwei bis drei Spieler. Man hat beim FCK einen Zweitligaanzug an, will sich aber mit den ganz großen messen.

Sie bezeichneten Friedrich, Wieschemann und Herzog einmal, als »Scharlatane«. Ist der Pfälzer generell leichtgläubig und ein leichtes Opfer für solche Scharlatane?

Die Pfälzer sind sehr großzügige Menschen, gastfreundlich und haben ein riesiges Herz. Sie werden kaum einen Verein finden, der sich so auf seine Fans verlassen kann – auch in harten Zeiten. Es wird beim FCK ja seit Jahren hartes Brot gegessen. Sie hängen mit dem Herzen am FCK und sind natürlich sehr empfänglich für Heilsversprechen. Wenn man mit solchen Gefühlen so schamlos umgeht, dann muss man als Scharlatan bezeichnet werden.

Hat Ihnen die Begeisterungsfähigkeit der Pfälzer die Arbeit zuweilen selbst erleichtert? Sie gelten als brillanter Rhetoriker.

Kann sein, ich weiß es nicht. Mir ist es geglückt, die Leute zu überzeugen, weil ich dort keine Wurzeln hatte. Einem Kaiserslauterer wäre es bestimmt schwerer gewesen, die Leute von dem dringend notwendigen Stadionverkauf zu überzeugen, zu diesen Summen, in dieser Schnelligkeit. Wenn man da aufgewachsen ist, muss man politische Gepflogenheiten und Seilschaften berücksichtigen. Ich als Auswärtiger konnte relativ schnell und ohne Emotion an die Sache herangehen.

Sie sagten 2002 vorausschickend: „Mich reizt der FCK, aber ich bin ungern der Messias.“ Dennoch: Die Hoffnungen, die auf ihnen ruhten, müssen einen enormen Druck ausgeübt haben.


Keiner wusste, wie schlimm es war. Ich habe von Herrn Kirsch, der damals in der Opposition war, einen Brief bekommen, in dem Dinge erwähnt wurden, die ich dann zusammen mit Dr. Schickhardt und Prof. Müller untersucht habe. Wir sind zu dem schrecklichen Ergebnis gekommen, dass alles noch viel schlimmer war, als Herr Kirsch vermutet hatte. Dann musste man den Leuten klaren Wein einschenken, und sie haben gesagt: »Gott sei Dank ist jetzt jemand da, auf den wir uns verlassen können.« Im Laufe der Zeit hat sich das Blatt zwar langsam gewendet, aber anfangs war enormes Vertrauen in meine Person da.

Wie verschuldet war der Verein eigentlich, als sie ihn 2002 übernommen haben?

65 Millionen Euro.

Laut Jürgen Friedrich basierte der Etat des FCK unter seiner Führung lediglich auf dem Erreichen der 2. Hauptrunde des DFB-Pokal und dem Klassenerhalt.


Wenn Sie sich auf Dinge beziehen, die Herr Friedrich gesagt hat, würde ich Sie bitten, die Gerichtsurteile und die Gutachten der Wirtschaftsprüfer zu lesen. Der Verein war überschuldet, der Verein hatte negatives Eigenkapital, der Verein hatte 65 Millionen Euro Schulden, der Verein hatte ein Papier zum Bau des neuen Fritz-Walter-Stadions unterschrieben, dass alles, was die Summe von 92 Millionen Mark überschreitet, der FCK zahlt – das Stadion hat 150 Millionen Mark gekostet, der Verein hätte also weitere 50 bis 60 Millionen Mark bezahlen müssen. Also alles, was Herr Friedrich in diesem Zusammenhang sagt, das interessiert mich wirklich nicht. Er ist rechtens verurteilt worden.

Es soll ein Gentlemen’s Agreement zwischen FCK-Präsident Norbert Thines und DFB-Präsident Egidius Braun gegeben haben, dass Kaiserlautern ein WM-Spiel bekomme, ohne das Stadion ausbauen zu müssen.

Das höre ich zum ersten Mal. Ich glaube nicht, dass der DFB in der Lage war, sich über FIFA-Richtlinien hinwegzusetzen. Man wollte die WM in die Stadt Fritz Walters holen. Sicherlich hat es auch damit zu tun gehabt, dass in dem Jahr Bundes- und Landtagswahlen stattfanden, und hatte das Land Rheinland-Pfalz ein Interesse daran, 2006 im besten Lichte zu erscheinen.

Für viele ist der Verein eine Herzensangelegenheit. Macht das eine nüchterne Diskussion unmöglich?

Unmöglich! Sie können in Lautern nicht emotionslos über Fußball reden. Das beginnt an der Tankstelle, das beginnt beim Bäcker, das beginnt in den Kneipen. Läuft es gut, merken Sie, wie das Bruttosozialprodukt am Montag steigt, läuft es schlecht, dann leidet die ganze Region. Das macht fachliche Diskussionen unmöglich. Ich hatte es in meinem Leben noch nicht erlebt, dass man so emotional an die Geschichte herangeht. Es kommt zu Wutanfällen, bei denen der gute Ton verloren geht.

Das Anspruchsdenken im Umfeld, die Altlasten, die Sie zu verwalten hatten. Haben Sie manchmal gedacht: »Was habe ich mir bloß angetan?«?


Ja, natürlich! Es ist wie bei jeder schwierigen Aufgabe. Der FCK ist ein ureigener Verein, der natürlich polarisiert. Aber wenn man erstmal dabei ist, dann lässt es einen nicht mehr los. Ich wurde ja auch vom FCK-Virus infiziert! Ich habe den Staffelstab übernommen, bin gelaufen und habe alles gegeben. Dann habe ich ihn weitergegeben und hoffe nun, dass diejenigen, die den Staffelstab jetzt haben, den Verein da unten raus holen.

Sind Sie noch am Betzenberg zu Gast?

Nicht mehr bei jedem Spiel, aber wenn es irgendwie geht, schaue ich es mir an.

Werden Sie herzlich empfangen?

Mit einigen Ausnahmen sind die Leute, die mir begegnen, sehr wohlwollend. Sie sagen: Wenn es die harte Hand nicht gegeben hätte, wäre der Verein heute verschwunden. Am kritischsten fragen sie noch, was ich mir denn für Nachfolger ausgesucht hätte.

Gute Frage.

Ja, aber mit der Ausnahme von Wolfgang Wolf hatte ich mit der Auswahl nichts zu tun.

Die Pharma-Milliardärin Gisela Oeri, die den FC Basel noch unterstützt hatte, zeigte kein Interesse an einem Engagement beim FCK. War das ein Rückschlag für Sie?

Da ist nichts dran. Sie ist Präsidentin des FC Basel, ein Engagement beim FCK stand nie zur Diskussion.

Welche Sponsoren haben Sie dem FCK verschafft?

Ich konnte dem FCK keine Sponsoren verschaffen, weil das gesamte Marketing an »sportfive« übergeben wurde.

Sie ließen alsbald die Geschäftsvorgänge der zurückliegenden fünf Jahre untersuchen. Schließlich stellte Ihnen der Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers Steuernachzahlungen in Millionenhöhe in Aussicht. Ein Schock?

Ein Schock war vielleicht die Unnachgiebigkeit des Finanzamts Kaiserslautern: »Das muss bezahlt werden, ansonsten machen wir eine Zwangsvollstreckung.« Und es war ein Schock, dass es überhaupt möglich ist, so etwas jahrelang zu machen, ohne dass etwas ans Tageslicht kam. Bei der von Ministerpräsident Beck geführten Mitgliederversammlung 2003 wurden Erwin Göbel und ich beauftragt, alles lückenlos aufzuklären, ohne Rücksicht auf Namen und Titel.

Sie informierten umgehend das Finanzamt über die dubiosen Vorgänge. Wäre es für einen Sanierer nicht auch eine Option gewesen, stillzuhalten, um diese horrende Zahlung zu vermeiden? Immerhin war das Finanzamt nicht von selbst auf die verschleierten Zahlungen gekommen.


Nein! Absolut unmöglich. Ich habe damals, bevor ich zum Finanzamt gegangen bin, mit Prof. Müller Dr. Schickhardt in Mainz beim Staatssekretär Deubel vorgesprochen und habe empfohlen, dass ich das Amt sofort niederlege und es dem FCK überlasse zu tun, was er will. Man hat mir dann die deutsche Rechtsprechung vorgelesen: Wenn ein Vorstandsvorsitzender weiß, dass etwas nicht rechtens ist, hat er die Pflicht, dass anzumelden.

War dieser Moment die Metamorphose des FCK von einem Fußballverein, der Pi mal Daumen verwaltet wird, zu einem Wirtschaftsunternehmen?


Das glaube ich. Wenn man den wirtschaftlichen Teil professionell abspielt, muss man sagen: Ich bin lieber die Nummer 12, und dafür hat alles seine Richtigkeit.

Sind die von Friedrich und Co. ersonnenen »kreativen« Verträge im Fußballgeschäft üblich?

Das glaube ich nicht. Nach dem Fall Yeboah haben viele Vereine auf Anraten ihrer Wirtschaftsprüfer sich umgehend mit ihrem Finanzamt in Verbindung gesetzt, um zu klären: »Wir haben hier einen vergleichbaren Fall – können wir den regeln?« Heute glaube ich, so wie ich die Verantwortlichen der Bundesligavereine kenne, dass so etwas nicht mehr vorkommt.

Im Falle von Djorkaeff entschied die Wirtschaftskammer Kaiserslautern 2005, dass es sich bei der Summe, die für seine Persönlichkeitsrechte an eine Schweizer Firma floss, um eine rechtmäßige Rentenvereinbarung gehandelt hatte.


Die handelnden Personen sind verurteilt worden. Wir haben die Steuern bezahlt für das, was das Finanzamt per Steuerbescheid von uns gefordert hat. Die habe ich nicht gemacht! Glauben Sie eigentlich, der Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz und der Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern, die im Aufsichtsrat saßen, hätten etwas ans Finanzamt bezahlt, was nicht notwendig gewesen wäre? Es gab keine »Lex Jäggi«, sondern Recht und Ordnung sowie die ordnungsgemäße Buchführungspflicht, wie sich das für ein mittelständisches Unternehmen gehört – und das galt auch für den FCK.

Von Seiten Friedrichs und Wieschemanns wird Ihnen vorgeworfen, Sie hätten sie platt machen wollen, auf Ihren »Gebeinen tanzen« wollen.

Die deutschen Gerichte haben bis zum Bundesgerichtshof Urteile gefällt. Das Thema ist für mich also ad acta gelegt. Herr Friedrich und Herr Wieschemann werden sicherlich nicht irgendetwas Gutes an mir lassen. Aber damit kann ich wirklich leben.

Ist Friedrich und Wieschemann auch Unrecht getan worden?


Weiß ich nicht. Von mir sicherlich nicht. Ich habe zwei-, dreimal angeboten, mit den Herren zu sprechen. Man hat mich abgekanzelt mit den Worten, ich hätte keine Ahnung. Von Seiten der Medien und den Mitgliedern, die sich verschaukelt fühlten, ist bestimmt das eine oder andere harte Wort gefallen. Ich selbst habe mich nur ganz selten öffentlich geäußert.

Ist der Fußball ein schmutziges Geschäft?

Die Gesellschaft hat den Fußball, den sie verdient.

Sind Sie zu ehrlich für dieses Geschäft?

Ich kann morgens noch in den Spiegel schauen – im Unterschied zu vielen anderen.

Hat Ihnen der Verkauf des Stadions eigentlich schlaflose Nächte bereitet?

Glauben Sie, ich hätte ein Stadion verkaufen können, ohne dass die Obrigen des Landes mitgewirkt hätten? Die Objektgesellschaft zum Verkauf des Stadions ist von der Stadt Kaiserslautern gegründet worden, durch Sicherheiten des Landes Rheinland-Pfalz gedeckt. Das war der einzige Weg, den Verein zu retten. Der Verein war zahlungsunfähig. Ich habe 2002 persönlich bei der Kreissparkasse Kaiserslautern eine Bankbürgschaft für die Weihnachtsgelder von 35 Mitarbeitern hinterlegt.

Was ist mit Erlös aus dem Stadionverkauf geschehen?


Damit sind sämtliche Schulden des FCK bezahlt worden.

In Ihrer Amtszeit herrschte eine enorme Spielerfluktuation. Ging dadurch die pfälzische Seele des FCK verloren?

Die pfälzische Seele war immer präsent. Sie wurde mit Wolfgang Wolf und Wolfgang Funkel verstärkt , Gery Ehrmann war sowieso immer im Trainerstab. Also was ist die pfälzische Seele Ihrer Meinung nach?

Menschen, die die Region im Verein repräsentieren. Warum hat sich Hans-Peter Briegel nicht länger im Aufsichtsrat gehalten?


Fragen Sie ihn. Er ist selbst zurückgetreten!

Ich habe ihn bereits gefragt. Er sagt, Sie hätten allein herrschen wollen.

Warum ist Herr Briegel nicht Bundestrainer? Warum ist Herr Briegel nicht Trainer einer Bundesligamannschaft? Können Sie mir das beantworten?

Kommen wir zu einem anderen Namen, der oft mit einem Amt beim FCK in Verbindung gebracht wurde: Warum haben Sie Ciriaco Sforza nicht engagiert?

Ich werde nicht darüber diskutieren, warum Sforza nicht, wie es sein Wunsch war, Spielertrainer geworden ist, nachdem er Michael Henke abgeschossen hat! Zudem merkt er jetzt als Trainer des FC Luzern, wie ungemein unfair Medien und Fans oft sein können, wenn es nicht läuft.

Und Stefan Kuntz?


Kuntz war zweimal bei mir im Zimmer und hat sich dann aus finanziellen Gründen für den VfL Bochum entschieden.

Hätten Sie sich denn nicht manchmal einen kompetenten sportlichen Berater an Ihrer Seite gewünscht?

Ich hatte viele! Ich hatte gute Trainer: Gerets, Jara, Wolf, Henke sowie Olaf Marschall als meinen persönlichen Assistenten. Ich hatte nicht das Gefühl, das ich sonst noch jemanden bräuchte. Das sehen die, die keinen Job bekommen haben, natürlich anders.

Dennoch konnte sich keiner von den Trainern, die in Ihrer Amtszeit beim FCK tätig waren, lange halten.

Sie müssen die Trainer fragen, warum sie ausgebuht und weggejagt worden sind.

Nach allen Sanierungsmaßnahmen ergibt sich heute folgendes Bild: Operation gelungen, Patient tot.


Der Patient lebt! Er kann nur im Moment nicht Deutscher Meister werden. Der Verein hat seine 65 Millionen Euro Schulden abgebaut, war nach meinem Weggang in der 2. Liga mit vier Millionen Eigenkapital ausgerüstet.

Wird sich der FCK vor dem Abstieg in die Regionalliga retten können?

Wenn die Spieler sich auf ihre Stärke besinnen, wenn das Umfeld ruhig bleibt, wenn man den Trainer nicht zum Sündenbock macht, dann ja. Aber es gibt nun mal sehr viele Ex-Spieler, die mitreden –wie z. B. Basler, der selbst als Co-Trainer im Abstiegskampf in der Zweiten Liga steckt, und trotzdem in der Sport-Bild sagt: »Der Trainer muss weg!«.

Würden Sie je wieder eine Aufgabe bei einem Fußballverein übernehmen?

Ich würde jederzeit wieder einen Bundesligaverein übernehmen – aber erst dann, wenn die Liga es zulässt, dass Kapitalgesellschaften 51 % von Vereinen übernehmen. Wenn einem der Verein gehört, trägt man auch Verantwortung dafür und hat nicht dieses emotionale Element als Gesprächspartner. Dann kann man sagen: Das ist eine Firma, die zwar auch ihre sportliche Ziele hat, aber letztendlich geht es darum, auch die wirtschaftlichen Erfolge nicht außer Acht zu lassen.

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