13.07.2010

Reiseveranstalter Wolfgang Vieten über die WM

»Es war keine Vollkatastrophe«

Reiseveranstalter Wolfgang Vieten organsiert seit 1985 Sportreisen in die ganze Welt. Tim Jürgens sprach mit ihm über mediale Katastrophenwarnungen, leere Hotelzimmer und russische Verhältnisse in der Ukraine.

Interview: Tim Jürgens Bild: Tim Jürgens
Wolfgang Vieten, sind Sie als Reiseveranstalter mit der WM in Südafrika zufrieden? 

Es geht. Ursprünglich hatten wir gehofft, etwa 1500 bis 2000 deutsche Anhänger nach Südafrika zu bringen. Aber aufgrund der negativen Berichterstattung in Deutschland haben viele erst gar nicht gebucht.

Was meinen Sie konkret? 

Es war eine Frechheit, was in den Medien abgelaufen ist. Ich selbst habe in einem Sender ein Interview gegeben, in dem ich die Situation hier in Südafrika so geschildert habe, wie sie ist: ausnahmslos positiv. Der Bericht endete aber mit dem Hinweis an die Zuschauer: »Sollten sie doch nach Afrika reisen, passen Sie auf, dass sie folgenden Gewaltverbrechern nicht über den Weg laufen«. Dann wurden Fotos von Mördern und Vergewaltigern gezeigt. Stellen Sie sich mal vor, jemand plant einen Urlaub in Deutschland und bekommt von TV-Sendern in seiner Heimat vorab die Verbrecherkartei aus »Aktenzeichen XY…« vorgelegt.



Wie viele WM-Touristen sind letztlich gekommen? 

Mit rund 1000 Besuchern haben wir etwa die Hälfte aller organisierten Reisen für Deutsche nach Südafrika durchgeführt. Dazu kamen sehr viele Leute, die Flüge und Hotels über uns gebucht hatten. Die WM war also auch nicht die Vollkatastrophe für uns.

Wie viele Leute sind insgesamt aus Deutschland hierhergekommen? 

Ich schätze, es waren rund 2000, die über Reiseagenturen ihren Trip zur WM gebucht haben, etwa genauso viele sind auf eigene Faust nach Südafrika gereist.

Warum waren Sie vorab so optimistisch, was die Buchungen nach Südafrika anbetrifft? 

Weil die Leute unser Know-how hier unten brauchen. Ein Hotelzimmer bei der EM in Österreich kann jeder buchen, aber hier verlässt man sich eben auf die Angebote eines erfahrenen Veranstalters.

In Deutschland wurde immer wieder die mangelnde Sicherheit angeprangert. Sind Gäste von Ihnen in Südafrika ausgeraubt worden? 

Zweien wurde das Portemonnaie gestohlen –  einem am Frankfurter Flughafen , einem bei der Anreise im ICE ab Bonn.  Und dafür können wir den Südafrikanern nun wirklich nicht die Schuld geben.

Wie groß sind die finanziellen Einbußen, die Ihr Unternehmen durch die WM erleidet? 

Wir schreiben schwarze Zahlen, aber es hätte wesentlich besser laufen können. Ohne die Erfahrung von den vielen Turnieren vorher, hätten wir in Südafrika definitiv viel Geld verloren.

Welche Erfahrungen? 

Dass wir in der Lage waren, bis Februar 2010 noch etliche Zimmer in unseren 98 Hotels zu stornieren. Bis zum Oktober bestand ja auch immer noch die theoretische Möglichkeit, dass Deutschland sich gar nicht qualifiziert.

Wie haben die Hoteliers reagiert? 

Zu vielen haben wir seit 2007 ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, die waren in den meisten Fällen sehr kulant. Aber es war natürlich sehr unschön, weil die jetzt auf den Kosten sitzen bleiben. Ein Beispiel: Vergangenes Jahr haben wir in Pretoria ein Hotel besucht, rund 20 Zimmer, nette Gegend, alles prima. Allerdings waren die Badezimmer dort Teil des Schlafzimmers. Wenn zwei Freunde zusammen in den Urlaub fahren, finden die das nicht unbedingt toll, dem anderen beim Duschen zuzusehen. Also haben wir die Betreiber gebeten, Türen als Sichtschutz einzubauen. Die haben es für viel Geld verändern lassen – aber am Ende mussten wir das Hotel in Ermangelung an Anfragen stornieren.

Gab es ansonsten Probleme bei den Planungen für Südafrika? 

Überhaupt nicht. Die wussten hier nicht – wie sonst oft – alles besser, sondern sind sehr auf unsere Vorstellungen eingegangen. Natürlich kennen die Hoteliers ihr Land besser, aber sie haben noch nie eine WM erlebt. Deshalb sind wir mit vielen unserer Anmerkungen auf offene Ohren gestoßen.

Sonstige Schwierigkeiten, die Sie so nicht erwartet haben? 

Schwierigkeiten? Sowas hatten wir bei den Olympischen Spielen in Peking, aber nicht in Südafrika. Was den Ablauf anbetrifft, da würde ich diese WM in eine Reihe mit meinen Lieblingsevents stellen: die Olympischen Spiele in Sydney, die Europameisterschaft in England und die WM in den USA. Alles Sportveranstaltungen in westlichen Länder, wo ein anständiges Geschäftsgebaren vorgeherrscht hat.

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