31.07.2008

Reinhard Rauball im Interview

»Borussia ist kein Verlierer«

Reinhard Rauball ist Präsident von Borussia Dortmund und des Liga-Verbandes. Hier spricht der 61-Jährige über seine Funktion als »Anwalt der Fans«, die DFL und den Interessenkonflikt zwischen seinen beiden Ämtern.

Interview: Stefan Reinke Bild: Imago
Die Kritik an Ihnen wächst dennoch. Es wurde ein Brief an Sie geschrieben, in dem angezweifelt wird, dass das Amt des Liga-Präsidenten mit dem eines Vereins-Präsidenten vereinbar sei. Die Liga verfolge andere Ziele als der Verein BVB.

Ich habe mich über den Brief, den übrigens 60 Leute unterschrieben haben, gefreut. Er ist in einer außerordentlich sachlichen Form geschrieben worden, und ich habe auch zugesagt, dass ich mich mit den Autoren Mitte August zusammensetzen werde. Ich stelle mich dem gerne und halte es auch für wichtig, dass es einen Dialog zwischen den Entscheidungsträgern und der Fanszene gibt.

Die landläufige Meinung ist ja, dass ein Präsident des BVB, der als Quasi-Aufsichtsrat die Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA kontrolliert, nicht in der DFL die Interessen der KGaA vertreten sollte. Gibt es da keinen Interessenkonflikt zwischen dem Liga-Präsidenten und dem Präsidenten des Vereins Borussia Dortmund
?

Nein. Die Umwandlung von einem lupenreinen e.V. in eine GmbH & Co. KGaA ist 2000 ja mit großer Mehrheit von der Mitgliederversammlung beschlossen worden. Daran muss man sich jetzt halten, auch wenn man das inzwischen vielleicht anders sieht. Das ist nun mal so gelaufen. Warum soll da ein Widerspruch liegen, wenn wir das von der Geschäftsführung vorgelegte Budget genehmigen müssen oder Spielertransfers besprochen werden und andererseits im Ligaverband über die Frage der TV-Vermarktung entschieden wird. Da gibt es keinen Widerspruch.

Einfacher vermittelbar wäre es aber, wenn sich Herr Watzke öffentlich zu Fragen der Vermarktung äußern würde und sich der Vereinspräsident Reinhard Rauball eher zurückhielte. Der Verein bekommt ja kein Geld aus der TV-Vermarktung. Vereinspräsident hat so etwas Heimeliges...

Das Heimelige fühle ich ähnlich. Das habe ich in vielen Diskussionen auch so erfahren. Die Leute pflegen gerne die Vereinsseele, und dem kann man sich nur anschließen. Das ist für mich gar nichts Negatives. Aber Herr Watzke hat sich ja klar zur Vermarktung des Premiumprodukts Bundesliga geäußert. Meine Aufgabe ist dann ja keine andere. Ich führe dort ja keine eigene Politik. Man muss sich die Liga vorstellen wie einen Bundesverband, der nach außen vertritt, was in den 36 Bundesligavereinen gedacht wird.

Müsste der BVB-Präsident nicht egoistischer sein, was seinen Verein angeht, und sagen: »Meine Mitglieder wollen gar nicht zehn verschiedene Anstoßzeiten an einem Wochenende«? Als Liga-Präsident forcieren Sie dann ja Dinge, die Ihre Mitglieder beim BVB gar nicht wollen.

Da ist die Frage, wie man einen tragfähigen Kompromiss zu Stande bekommt. Da kommt wieder die Vielfalt der Fanszene ins Spiel. Diejenigen, die durch Sponsoring viel Geld in die KGaA stecken, sagen natürlich, dass sie möglichst international vertreten sein wollen. Das geht nur, wenn man investiert. Das wiederum geht nur, wenn man ausreichend liquide Mittel zur Verfügung hat. Das ist ein Kreislauf. Da muss man sich dann aber über diese Grundphilosophien unterhalten und sagen: Gut, ich achte und respektiere eure Philosophie, aber es gibt auch andere und man muss versuchen, beides hinzubekommen. Aber eine 100-prozentige Deckungsgleichheit ist ausgeschlossen.

Dann steht ja noch der Vorwurf im Raum, Sie hätten für höhere Eintrittspreise in Deutschland plädiert. Vor allem mit Blick auf die exorbitanten Preise in England.

Das steht auch in dem Brief der Fans. Über diese Behauptung bin ich sehr verärgert. Ich habe das nie gesagt. Ganz einfach, weil ich nicht so denke. Warum machen wir das denn mit der TV-Vermarktung? Wir haben drei wichtige Einnahmequellen im Fußball: Ticketing, Sponsoring und TV-Vermarktung. Das ist die Situation, wie wir sie seit Jahren haben. Jetzt steht ein neuer Vertrag an. Wenn wir uns nun für dieses Modell entschieden haben, dann auch deshalb, weil wir die Eintrittspreise so gering wie möglich halten wollen. Über die Ticketpreise entscheidet sowieso nicht der Ligaverband oder die DFL. Das entscheidet jeder Verein selbst. Wir versuchen aber, die anderen beiden Parameter so aufzustellen, dass wir bei den Eintrittspreisen in Europa ein niedriges Niveau halten können. Der Durchschnittspreis liegt knapp unter 20 Euro. Den haben wir halten können, weil die anderen Bereiche so gut aufgestellt sind.

Zwischen dem neuen Vertrag mit Sirius und dem bisherigen Vertrag liegt eine Differenz von 80 Millionen Euro. Das erscheint - zumindest angesichts der vielen Änderungen, die der Vertrag mit sich bringt - ziemlich wenig. Ist das nicht ein bisschen zu viel Aufregung um einen relativ geringen Mehrbetrag?

Wer bezeichnet denn allen Ernstes 80 Millionen als gering?

Im Verhältnis ist der Sprung von 420 Millionen auf 500 Millionen nicht so groß, als dass sich dadurch zerstückelte Spieltage und gewöhnungsbedürftige Anstoßzeiten rechtfertigen ließen.

Da gibt es zwei grundlegende Dinge, die man beachten muss. Erstens ist es ein Fehler, wenn man davon ausgeht, dass die 420 Millionen problemlos zu bekommen sind. Das ist beileibe nicht der Fall. Schon gar nicht, wenn sich die Auffassung des Bundeskartellamtes durchsetzt. Warum sollte die ARD noch so viel geben wie bisher, wenn sie doch quasi eine Bestandsgarantie vom Kartellamt bekommen hat? Dann können die doch theoretisch beim nächsten Mal weit weniger bieten.Und warum muss Premiere jetzt noch so viel zahlen wie bisher? Wir wollen strukturell etwas verändern. Wir müssen Wettbewerb kreieren. Wir müssen sehen, dass wir auf der ganzen Palette der Medien Leuten eine Chance geben, die bislang noch keine Chance hatten. Die hatten die doch deshalb nicht, weil sie eine Redaktion und Produktion aufbauen mussten. Wenn wir nun aber einen eigenen Fernsehsender kreieren und dann als Produkt anbieten, dann wird das doch viel interessanter. Wir haben 200 Interessenbekundungskarten bekommen. 200! Die sagen alle, wenn sie keine eigene Redaktion aufbauen müssen, dann können sie Fußball übertragen. Damit haben wir Wettbewerb geschaffen. Wir interessieren Leute für das Produkt, denen das vorher mehrere Kragenweiten zu groß war. Der zweite Punkt ist, dass wir mit den Erlösen, die wir erzielen, auch einen Sender aufbauen, der zu 49,9 Prozent der DFL gehört. Dieser Sender wird eine ganze Menge wert sein. Das heißt, da wird etwas angespart.

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