31.07.2008

Reinhard Rauball im Interview

»Borussia ist kein Verlierer«

Reinhard Rauball ist Präsident von Borussia Dortmund und des Liga-Verbandes. Hier spricht der 61-Jährige über seine Funktion als »Anwalt der Fans«, die DFL und den Interessenkonflikt zwischen seinen beiden Ämtern.

Interview: Stefan Reinke Bild: Imago
Herr Rauball, Sie sind im November 2004 zum dritten Mal zum BVB-Präsidenten gewählt worden. Damals hatte es noch den Anschein, Sie würden sich nach der Sanierung des BVB wieder zurückziehen. Warum sind Sie 2007 zur Wiederwahl angetreten?

Beim ersten Mal war ich erst 32 Jahre alt, hatte eine Familie mit zwei Kindern und war als Rechtsanwalt zugelassen. Ich musste meine berufliche Perspektive im Auge behalten. Da schien mir nach drei Jahren der richtige Zeitpunkt gekommen abzutreten. Ich hatte vorab in meinem Programm recht optimistisch angekündigt, dass der BVB bis zum Ende meiner Amtszeit wieder international spielen würde. Das haben wir punktgenau nach diesen drei Jahren geschafft. Da war meiner Meinung nach der Zeitpunkt gekommen, wo ich das Amt guten Gewissens aufgeben konnte. Die zweite Amtszeit war noch kürzer. Da hatten mich die Ereignisse völlig überraschend getroffen und es musste jemand machen, der das Geschäft schon kannte, und niemand, der von außen kam. Das Argument hatte mich letztlich auch überzeugt. Immerhin ist uns in der Zeit - von der Öffentlichkeit unbemerkt - die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seitens des DFB abgesprochen worden. Man wollte uns die Lizenz nicht erteilen. Das war eine hochdramatische Situation. Diese Problematik haben wir gelöst. Nachdem dann 1986 durch die Relegation auch der Klassenerhalt gesichert war, sah ich meine Aufgabe als erfüllt an. Jetzt ist es etwas Anderes. Inzwischen bin ich 61 Jahre alt und vieles sieht anders aus. Ich wollte auch nicht, dass wieder eine Situation eintritt, in der die Arbeit, die ich drei Jahre gemacht hatte, gefährdet wird. Meine Aufgabenstellung war ja auch eine andere als bei den vorherigen Amtszeiten. Damals war ich als Präsident ja sowohl oberster Repräsentant des Vereins als auch Hauptverantwortlicher des operativen Bereichs. Ich habe die Funktionen von Herrn Watzke (Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, Anm. d. Redaktion), Herrn Zorc (Sportlicher Leiter des BVB, Anm. d. Red.) und die Repräsentation des Vereins wahrgenommen. Heute bin ich nach dem allgemeinen Verständnis bei einem börsennotierten Unternehmen so eine Art Aufsichtsratsvorsitzender. Da ist die Arbeitsintensität nicht so groß und der operative Bereich ist völlig ausgeschaltet.



Sie sagten vor der Wahl 2004, Sie wollten als Präsident Anwalt der Fans sein. Sie haben dann auch recht schnell die Fanabteilung ins Leben gerufen und sich bei den Fans einen sehr guten Ruf erworben. Sehen Sie sich immer noch als Anwalt der Fans oder hat sich das mit der Wiederwahl geändert?

Ich erinnere mich an den Satz. Ich habe auf der Mitgliederversammlung in freier Rede gesagt, ich wolle Anwalt der Mitglieder und der Fans sein. Das habe ich guten Gewissens und guten Willens gesagt, musste dann aber erfahren, dass sich die Fan-Landschaft ganz erheblich verändert hat gegenüber der Zeit, als ich in den ersten beiden Amtsperioden Präsident war. Das musste ich erst lernen. Heute würde ich diesen Satz so nicht wieder sagen. Ich würde vieles für die Fans tun, weiß aber um die Schwierigkeiten, die sich aus den unterschiedlichsten Schattierungen der Fanszene ergeben. Manche wollen nur die alten Werte hochhalten und beziehen sich zu 100 Prozent auf die Tradition. Dann gibt es Fans, die das etwas leidenschaftsloser sehen. Dann gibt es Sponsoren, die den Verein anders unterstützen, nicht durch Lautstärke oder Choreografien. Dann gibt es Fans, die einfach schon immer Fan von Borussia Dortmund waren. Da ist es schon theoretisch nicht möglich, Anwalt aller Fans zu sein. Ich hätte damals sagen sollen: »Der Verein ist in großen Schwierigkeiten. Ich möchte, dass nicht nur die Mitglieder dem 100-jährigen Jubiläum ruhig schlafend entgegensehen können, sondern ich möchte auch, dass die Fans beruhigt sein können, dass es in Dortmund weiterhin Borussia gibt.« Die Gefahr, dass es die Borussia nicht mehr geben würde, war ja konkret vorhanden.

Hat die Gründung der Fanabteilung Ihre Arbeit erleichtert oder eher erschwert?


Die Gründung der Fanabteilung war ein Versprechen von mir, das ich auf der Mitgliederversammlung gegeben habe. Ich habe mit der Fanabteilung unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die waren am Anfang auch durch Reibungen und Reibungsverluste geprägt. Aber die damals aktiv im Fan-Vorstand tätigen Personen haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein gezeigt, übrigens auch der neue Vorstand. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein voller Erfolg ist.

Sie sind als fannaher Präsident gefeiert worden, gerade auch wegen des Satzes, Sie wollten Anwalt der Fans sein. Warum dann der Schritt in die DFL?

Ich bin ja nicht Präsident der DFL, sondern des Ligaverbandes. Der Ligaverband ist der Zusammenschluss aller 36 Profivereine. Das operative Geschäft macht die DFL. Ich bin aus zwei Gründen in den Ligaverband gegangen. Erstens suchte der Ligaverband jemanden, der nicht im operativen Geschäft tätig ist, der also nicht jeden Tag seinen Aktionären oder Gesellschaftern gegenüber den Nachweis erbringen muss, dass er das Optimum herausgeholt hat. Dazu ist ein Vorstandsvorsitzender schließlich verpflichtet. Ein Präsident, der wie ich ehrenamtlich tätig ist, hat eher die Möglichkeit, eine Gruppe wie den Ligaverband zu führen. Da macht es sicherlich Sinn, wenn ein Verein wie Borussia Dortmund einen Repräsentanten mit einer so wichtigen Aufgabe stellen kann. Das Amt des höchsten Liga-Repräsentanten ist zusammen mit dem Präsidenten des DOSB und des DFB eines der bedeutendsten im Sportbereich.

Die anderen Positionen im Ligavorstand sind aber mit Personen besetzt, die aus dem operativen Geschäft kommen. Ihr Stellvertreter Peter Peters vom FC Schalke ist ja dort Geschäftsführer. Außer Harald Strutz, dem Präsidenten des FSV Mainz 05, sitzen dort nur Vertreter von Kapitalgesellschaften. Wie passt das zusammen?

Natürlich sind das alles Kollegen, die alle die gleiche Verantwortung für die Liga tragen wie ich auch. Das personifiziert man dann gerne mit dem Liga-Präsidenten. Das Amt des Liga-Präsidenten ist aber auch durch die Doppelfunktion als 1. Vizepräsident des DFB gebunden. Als Liga-Präsident bin ich ja automatisch 1. Vizepräsident des DFB und nehme dort auch repräsentative Aufgaben wahr.

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