Regisseur Benjamin Rocher über seinen Zombie-Fußballfilm

»Es sind Mega-Hooligans!«

Endlich ist er da: Der erste Fußball-Zombiefilm! Regisseur Benjamin Rocher über untote Spielerberater, Mega-Hooligans und die Apokalypse im Stadion.

Goal of the Dead

Benjamin Rocher, wir sind Ihnen zu Dank verpflichtet.
Wieso?

Sie haben der Welt tatsächlich den ersten Fußball-Zombiefilm beschert. Wie kam es dazu?
Ich habe vor einigen Jahren bereits einen Zombiefilm gedreht, »La Horde«, der recht erfolgreich war. Prinzipiell hatte ich nicht vor, einen weiteren Zombiefilm zu machen, aber die Produktionsfirma von »Goal of the Dead« ist auch jene, die »La Horde« produzierte und mit der ich immer noch zusammenarbeite. So bekam ich das Skript in die Finger, das mir auf Anhieb sehr gefiel. 


Es ist also nicht so, dass Sie als Fußballfan Ihr Hobby einfach zum Gegenstand Ihrer Arbeit gemacht haben?
Ehrlich gesagt bin ich gar kein großer Fußballfan. Am Drehbuch haben mich eher die starken Charaktere interessiert, denn der Sport.

Der Film dreht sich um den alternden Fußballstar Samuel Lorit, der mit seinem Verein Olympique Paris zu einem Pokalspiel in sein Heimatstädtchen Caplongue reist. Ein Provinznest, in dem schließlich während des Spiels die Zombie Apokalypse ausbricht.
Exakt. Lorit ist ein 35 Jahre junger Mann, der aber in der Welt, in der er lebt, bereits sehr alt ist und vor dem Karriereende steht. Hinzu kommen die anderen Protagonisten, die ebenfalls sehr starke, konfliktreiche Figuren sind. Der arrogante Jungstar, der vor einem 35 Millionen Euro schweren Transfer nach London steht und keinen Funken Teamspirit hat. Der altmodische Trainer, der noch standhaft an Werte wie Sportsgeist glaubt, und damit wie von gestern wirkt. Der windige Spielerberater, der nur an sich denkt und seinen Schützling zurücklässt.

Dafür, dass Sie selber kein Fan sind, steckt sehr viel Kritik am modernen Fußball in »Goal of the Dead«.
Ja, das stimmt. Aber nicht am Sport selber, sondern am Drumherum, an der Medienmaschine und dem Zirkus, der der moderne Fußball geworden ist. Ich bin zwar kein Fan in dem Sinne, aber ich bin ein neugieriger Mensch und natürlich beobachte ich das Ganze. Die Entwicklungen um den Fußball herum nehme ich sehr genau wahr.

Der windige Spielerberater heißt auch noch Zombroni. Da bedarf es keiner großen Transferleistung, dass er der wahre Zombie ist.
Ja, Leute wie Zombroni gibt es und sie korrumpieren den Fußball. Aber die wahren Zombies im Film sind die Fans.



Die Fans?
Es ist eine Komödie und da bot es sich an, die Gemeinsamkeiten zwischen Fußballfans und Zombies herauszustellen und zu karikieren. Das Gebrüll, die Wut – irgendwann werden die Fans zu Zombies und stürmen den Platz. Unsere Zombies sind in gewisser Weise Mega-Hooligans (lacht).

Wobei die eigentlichen Krawallfans im Film, vier eher harmlose Kleinstadtganoven, am Ende für das Gute kämpfen und sogar die Fan-Seiten wechseln.
Ja, die vier sind ziemliche Außenseiter und sogar Loser, wenn man so will. Aber ich mag es, wenn diejenigen Figuren, denen man es am wenigsten zutraut, im Film eine Entwicklung durchlaufen und zu Helden werden.

Im Gegensatz zu »La Horde«, der sehr düster und böse ist, ist »Goal of the Dead« eine Zombie-Komödie. Warum?
Profifußball bietet sich als Sujet für Komödien geradezu an. Die Spieler werden doch umsorgt, seit sie klein sind und können sich nicht mal alleine die Schuhe zubinden. Im Film müssen sie dann plötzlich zusammenhalten und die Zombie-Apokalypse überwinden. Aber wie überlebt man in einer Welt voller Zombies, wenn man ohne Assistenten schon in einer Welt ohne Zombies kaum überlebensfähig ist? Das ist eine vielversprechende Ausgangssituation für eine Komödie.

Würden Zombiefilm und Fußball überhaupt ohne komödiantische Elemente zusammengehen? Oder wäre ein ernsthafter Fußball-Zombiefilm zu absurd?
Mit dem richtigen Budget und genug Talent im Team lässt sich alles umsetzen, denke ich. Wie im Fußball (lacht). Aber wir wollten ohnehin eine gute, französische Zombie-Komödie machen.



Frage an Sie als Experten: Wenn die Zombies wirklich kommen und man dann gerade auch noch im Fußballstadion ist –was tun?
Ich fürchte, viel wird man nicht machen können. Mein Tipp: Schnell so viel Bier wie möglich trinken, dann wird die Zombie-Apokalypse vielleicht ein wenig erträglicher.

Und Pyrotechnik? Vielleicht sollte man sie für den Fall der Fälle legalisieren? Im Film war sie schließlich, ohne zu viel verraten zu wollen, ziemlich hilfreich.
Der Einsatz von Pyro war eher ein filmischer Kniff. Ob Pyro in echt gegen Zombies helfen würde, halte ich für eher zweifelhaft.

»Goal of the Dead« – Der Fußball-Zombie-Film von Benjamin Rocher erscheint am 26. Juni auf DVD und Blu-Ray

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