27.10.2011

RCD Mallorcas Investor Dr. Utz Claassen im Interview

»Ich will den Ballermann-Touri und den Millionär«

Utz Claassen (im Bild rechts) gehören etwas mehr als zehn Prozent des RCD Mallorca. Er will Touristen und Millionäre ins Stadion locken. Der Transfer von Owen Hargreaves scheiterte aber am Trainer. Wir sprachen mit ihm über Ballermann-Urlauber und internationalen Fußball.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago


Wer während der Saison auf die Insel kommt, kann jetzt die Höhlen von Porto Cristo buchen und ein Spiel in der Primera Division.

Utz Claassen: Wir haben gerade eine Kooperation mit TUI unterzeichnet, dem wichtigsten Reiseveranstalter der Welt und auf der Insel. Die Touristen werden jetzt systematisch über die Reiseleiter informiert. Es gibt verschiedene Pakete, vom einfachen Ticket mit Transfer bis hin zum VIP-Package mit Begleitprogramm. Der Tourist muss sich um nichts mehr kümmern. Das Angebot wird an ihn herangetragen, und er braucht nur noch »ja« sagen. Die Hürden, wie ich sie damals erlebte, sind damit weg.

Wie groß ist das Potenzial wirklich? Die Deutschen kommen doch meistens außerhalb der Fußball-Saison auf die Insel. Und das letzte Heimspiel 2011/12 findet bereits am 6. Mai statt.

Utz Claassen: Zugegeben, wir verlieren die Monate Juni und Juli. Aber auch von August bis Mai kommen etliche Millionen Menschen. Und wir haben viele, die auch nur mal für ein Wochenende anreisen. Wenn man sich am Ballermann umschaut, sieht man sogar überproportional viele Menschen, die vermutlich Fußball-affin sind.

Mallorca wehrt sich vehement gegen das Ballermann-Image. Jetzt kommen Sie und wollen die Ballermänner ins Stadion bringen?

Utz Claassen: Ich will ausnahmslos alle ins Stadion bringen, vom Ballermann bis zum Multimillionär. Die Urlauber hier bilden einen Querschnitt der Gesellschaft. Gerade das macht Mallorca so interessant. Nach Mallorca kommt der einfache Azubi genauso wie die Familie all-inclusive im 3-Sterne-Hotel oder der Oligarch, der am Rande des Tramuntana-Gebirges in einem Luxusanwesen residiert. Unser Fokus liegt anfänglich auf Arenal, Paguera und Alcudia. Wir planen für unsere Super-VIPS aber bereits Helikoptertransfers, von der Finca direkt zum Stadion.

Ist es für Urlauber realistisch, Karten für die Spiele gegen die Branchenführer zu bekommen, im Januar gegen Real Madrid und im März gegen den FC Barcelona?

Utz Claassen: Die Kapazität des Stadions ist begrenzt, aber wir haben auch für diese Spiele Kartenkontingente für Touristen reserviert.

Welchen Effekt erwarten Sie sich vom Zustrom der Touristen?

Utz Claassen: Mit einem gemischten Publikum wären wir für internationale Sponsoren und Fernsehsender attraktiver. Und warum soll der Mallorca-Urlauber eigentlich immer nur ein Trikot von Barcelona oder Madrid kaufen? Wir haben hier außerdem den drittgrößten Flughafen Spaniens. Und keiner hat so viele Verbindungen nach Deutschland und England wie unserer.

Wie häufig sind Sie inzwischen auf Mallorca?

Utz Claassen: Ich suche gerade eine Stadtwohnung in Palma, logistisch günstig gelegen. Ich komme immer montags zur Sitzung nach Palma – und ich habe in der ganzen letzten Saison nur ein Heimspiel verpasst. Dafür habe ich allerdings auch eine gute Entschuldigung: Ich war mit unserem Sportdirektor Serra Ferrer zeitgleich bei Hannover 96 gegen den FC Bayern. Wir haben einen Bayern-Spieler beobachtet.

Breno kommt dann aber erst in der Winterpause?

Utz Claassen: Ein Tagesordnungspunkt Breno ist im Verwaltungsrat zurzeit nicht vorgesehen. Breno hat aktuell vermutlich ganz andere Probleme.

Ihre »Visionen 2016« enthalten 126 Maßnahmen. Inwiefern überfordern Sie Ihren Klub manchmal mit Ihrem Engagement?

Utz Claassen: Ein guter Manager fordert sein Team maximal, ohne es zu überfordern. Ich bin hier zudem kein Manager, sondern Investor... Wenn es nach mir ginge, würde ich jede dieser 126 Maßnahmen lieber gestern als heute umgesetzt haben. Das ist mit unserem begrenzten Personal und unseren begrenzten Ressourcen allerdings nicht möglich. Schon mit der Sprache gibt es immer wieder Probleme. Die wenigsten Mitarbeiter sprechen fließend Englisch oder Deutsch. Aber sie sind engagiert und motiviert.

Als Sie ein deutsches Wirtschaftsmagazin nach einem Heimspiel fotografieren wollte, soll eine Mitarbeiterin gesagt haben: Sorry, zu dunkel. Das Flutlicht werde exakt drei Minuten nach Abpfiff abgeschaltet: »Sie wissen doch, wir sind pleite.«

Utz Claassen: Da hat offenbar eine Mitarbeiterin am Telefon Unsinn erzählt oder einen Scherz machen wollen. Intern wurde die Aussage in dieser Form zudem bestritten. Wie auch immer: Fakt ist, dass wir das Flutlicht erst knapp eine Stunde nach dem Spiel abschalten.

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