27.10.2011

RCD Mallorcas Investor Dr. Utz Claassen im Interview

»Ich will den Ballermann-Touri und den Millionär«

Utz Claassen (im Bild rechts) gehören etwas mehr als zehn Prozent des RCD Mallorca. Er will Touristen und Millionäre ins Stadion locken. Der Transfer von Owen Hargreaves scheiterte aber am Trainer. Wir sprachen mit ihm über Ballermann-Urlauber und internationalen Fußball.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago
Utz Claassen, Sie waren mit 14 Jahren, vor mehr als drei Jahrzehnten, zum ersten Mal auf Mallorca. Wann sind Sie erstmals zum Fußball gegangen?

Utz Claassen: Erst vor etwa zehn Jahren, nachdem ich mich durchgefragt hatte. Im Hotel wusste man nicht einmal, wo und wann der eigene Erstligaverein spielt. 
Geschweige denn, wie ich an eine Karte komme. Ich musste mir letzten Endes einen Mietwagen besorgen und auf eigene Faust hinfahren. Das macht man natürlich nur als Hardcore-Fan.



Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihr erstes Spiel denken?

Utz Claassen: Damals spielte der junge Samuel Eto’o im Sturm, er war noch völlig unbekannt. So einen direkten, geradlinigen Angreifer hatte ich noch nie gesehen. 
Zurück in Deutschland sprach ich zufällig mit einem Entscheidungsträger eines großen Bundesligavereins. Er suchte gerade einen Mittelstürmer – und ich empfahl ihm Eto’o.

Mit welchem Ergebnis?

Utz Claassen: Man hat sich seinerzeit gegen den Transfer entschieden, weil Eto’o fünf Millionen Ablöse kosten sollte. Kurz darauf kaufte ihn der FC Barcelona – dem Vernehmen nach für 43 Millionen. Wann immer ich diesen Mann heute treffe, sage ich im Spaß zu ihm: »Sie haben 38 Millionen veruntreut, als Sie nicht auf mich hörten.«

Im November 2010 sind Sie als Investor bei Real Mallorca eingestiegen, haben etwas mehr als zehn Prozent übernommen. Wie schreitet die Sanierung voran?

Utz Claassen: In dem Geschäftsjahr, bevor ich eingestiegen bin, hatte der Klub einen Verlust von 16 Millionen Euro gemacht. Im letzten konnten wir hingegen einen Gewinn von elf Millionen ausweisen, eine geradezu sensationelle Entwicklung. Wir sind damit einer der wenigen Vereine in Spanien, die jemals ein positives Ergebnis erwirtschaftet haben.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Utz Claassen: Wir haben überall im Verein gespart, sowohl in der Verwaltung als auch im sportlichen Bereich. Wir haben ganz einfach gesagt: Wir geben nicht mehr Geld aus, als wir haben und uns leisten können. Wir wollten zeigen, dass man nicht nur »als Ferrari« in der spanischen Liga sportlich überleben kann.

Sie sprechen aus Ihrer Zeit bei Seat Spanisch, waren damals Hauptsponsor des spanischen Fußballverbandes und der Nationalmannschaft. Zu welchem Thema haben Sie bislang Ihren längsten Monolog gehalten bei der montäglichen Verwaltungsratssitzung des RCD Mallorca?

Utz Claassen: Bei der Präsentation meiner Strategie zur Internationalisierung habe ich sicherlich am längsten in einem Stück geredet, musste allein 70 Schaubilder erklären. Ich war wirklich positiv überrascht, dass es bei den anderen Verwaltungsratsmitgliedern im Grunde keine Bedenken oder Widerstände gab. Die Mallorquiner unterschätzen nämlich manchmal die einzigartigen Stärken und Chancen ihrer Insel – obwohl man von hier aus innerhalb von etwa zwei Stunden zu fast jeder wichtigen Stadt in Europa gelangt.

Damit wir es einmal richtig verstehen: Warum haben Sie geschätzte 500.000 Euro Privatvermögen in einen Klub gesteckt, der mit 60 Millionen verschuldet ist?

Utz Claassen: RCD Mallorca hat ein unglaubliches Markenpotenzial. Dem FC Barcelona ist es auch erst gelungen, an Real Madrid vorbeizuziehen, als er von einer katalanischen zu einer globalen Marke wurde, ein mehr als 30-jähriger Prozess. Als ich 1977 in Lloret de Mar Urlaub machte, war Barça insbesondere in Katalonien beliebt, aber Real Madrid war nach wie vor national dominant. Unser Ziel ist es, von einer mallorquinischen Marke zu einer paneuropäischen zu werden. Aber das ist ein Prozess von mindestens 10 Jahren. Der Club ist allerdings heute sicher schon deutlich mehr wert als vor einem Jahr.

Wer hat sich denn bislang für den Klub interessiert?

Utz Claassen: Primär die 400.000 Menschen in der Inselhauptstadt Palma. Wir haben hier aber jedes Jahr zehn bis zwölf Millionen Touristen. Wenn jeder zehnte in seinem Urlaub einmal zum Fußball ginge, müssten wir die Kapazität des Stadions schon fast verdreifachen. Und wenn nur jeder fünfzigste käme, wäre das Stadion immer voll.

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