Rapper Scroobius Pip über Millwall

»Wir sind das schwarze Schaf«

Scroobius Pip heißt eigentlich David Meads und ist bekennender Fan vom berüchtigten Millwall F.C. Wir sprachen mit  Scroobius Pip , der gemeinsam mit Produzent Dan le Sac ein geniales Rap-Duo bildet, über Klischees und Gewalt. Rapper Scroobius Pip über MillwallPromo

Scroobius Pip , seit wann bist Du Fan vom Millwall F.C.?  

Eigentlich schon mein ganzes Leben lang. All meine Verwandten väterlicherseits sind Millwall-Fans. Als Kind war ich sogar Balljunge bei den Löwen. Danach stand ich bei fast jedem Heimspiel auf der Tribüne. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich zu jedem Spiel. Ich versuche gerade auch meine Freundin mit dem Millwall-Virus zu infizieren: Das erste Spiel, das wir zusammen gesehen haben, war ein Auswärtsspiel gegen Southend United F.C.

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Mutig! Würdest Du der These von Nick Hornby zustimmen, dass man seinen Fußballverein nicht aus freien Stücken wählt?  

Ja, es scheint so. Ich habe in meiner Jugend wirklich ernsthaft versucht, Fan von Liverpool zu werden. Aber so sehr ich es auch versucht habe, es hat einfach nicht geklappt. Im Endeffekt bin ich wieder bei Millwall gelandet. Der Klub hat wirklich einen schlechten Ruf, aber ich liebe ihn halt. Zu der These von Nick Hornby würde ich sagen: Man kann sich seinen Verein tatsächlich  nicht aussuchen. Dein Vater sagt dir, welchen Verein du gut zu finden hast, und dabei bleibst du dann.  

Der schlechte Ruf von Millwall scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein. Die Fans gelten gemeinhin als die aggressivsten und gewalttätigsten im englischen Fußball. Zu recht?  

(überlegt) Ja und nein. Der schlechte Ruf ist ein Resultat der siebziger und achtziger Jahren. Damals gab es sehr viele Hooligans unter den Millwall-Anhängern. Seitdem haftet uns dieses negative Image an. Von Seiten der englischen Presse wird auch alles dafür getan, dass das so bleibt. Für sie ist Millwall das schwarze Schaf. Zu sagen, dass die Berichterstattung nicht objektiv ist, wäre noch untertrieben: Gibt es eine positive Entwicklung, dann schreiben die englischen Medien sicher nichts darüber. Kommt es aber zu einem Zwischenfall wie beim Auswärtsspiel gegen West Ham scheint es keine Frage zu sein, wer Schuld hat – es ist immer Millwall. Aber als die angeblichen Schläger freigesprochen wurden, war das nicht mehr als eine Randnotiz in den englischen Medien.  

Versucht der Klub denn irgendwie, dieses negative Image loszuwerden?  

Auf jeden Fall, sogar eine Menge. Aber aus irgendeinem Grund scheint es nicht besonders beliebt zu sein, positive Dinge über Millwall zu schreiben und schon gar nicht über die Fans. Um nur ein Beispiel zu nennen: In England gibt es eine Kampagne, die »Let´s kick racism out of football« heißt. Millwall ist seit 1994 dabei und hat als einziger Verein überhaupt das höchste zu vergebene Zertifikat bekommen. Das ist schon ziemlich beeindruckend, vor allem wenn man die gewalttätige Vergangenheit des Klubs bedenkt.  

Was ist mit Dir: In England bist Du sehr erfolgreich, nutzt Du Deine Popularität, um das negative Bild Millwalls zu revidieren?  

Ich versuche es wirklich. Ich spreche mit Leuten wie dir und versuche einfach, einen anderen Blickwinkel aufzuzeigen. In England gibt es eine Fernsehsendung bei Sky 1, die »SoccerAM« heißt. Ich wurde ein paar Mal eingeladen und durfte über mein Lieblingsthema reden: Millwall F.C.  

In der Presse war immer wieder von einer Aktion zu lesen, die »WakeUpMillwall« hieß und sich zum Ziel gesetzt hatte, Euren Song »Thou Shalt Always Kill«  beim Einmarsch der Millwall-Spieler aufzulegen. Aufgrund der Zeile »Thou shalt not buy Coca-Cola products« gab es allerdings eine Menge Gegenwind. Wie ist der Stand der Dinge?  

Oh Mann, dass war wirklich eine Schande. Im Grunde war es so: Wir sind Anti-Coca-Cola und deswegen wurden wir nicht gespielt. Coca-Cola ist einer der größten Sponsoren in den meisten unterklassigen englischen Ligen. Die Sache mit unserem Song in Verbindung mit den Ligaspielen wurde als großes Problem angesehen. Im Endeffekt ist die Aktion »WakeUpMillwall« gescheitert, was mich wirklich traurig gemacht hat.  

Was sind Deine Wünsche für die Zukunft Deines Klubs?  

Ganz aktuell hoffe ich, dass Millwall den Aufstieg noch schafft. Wir spielen im Moment gut und wenn wir die Leistung beibehalten, sollten wir es schaffen. Generell freue ich mich darauf, wenn ich irgendwann in der Zukunft über Millwall reden könnte, OHNE dass die Hooligan-Thematik aufkommt.

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