08.05.2012

Rapper Harris über seine große Liebe

»Die schönste Frau ist immer noch Hertha«

Oliver Harris ist Berliner Rap-Ikone, DJ und Fan der alten Dame Hertha BSC. Mitten im Abstiegskampf sprachen wir mit ihm über Nazis in der Ostkurve, Partys mit Patrick Ebert und natürlich: Otto Rehhagel.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Privat
Und wieso gehst Du heute wieder?
Egal, wo ich hinkam, haben die Leute immer gesagt: »Wie kannst Du Hertha-Fan sein? Das ist doch ein Fascho-Verein.« Aber ich habe das eben nur an diesem Abend mitbekommen. Und eines Tages habe ich mir gedacht: »Ich lass mir von diesen Arschlöchern nicht meinen Fußball wegnehmen.« Ich gründete mit meinen Leuten »United Colours of Hertha«. Wir stehen für Toleranz und Integration und der Verein machte uns sogar zum 100. Fanclub. Wie geil ist das, bitte?

Andere hätten sich in so einem Moment vielleicht einen anderen Verein gesucht?
Auf keinen Fall. Ich bin Berliner. Ich bin Herthaner. Ich verstehe die Leute nicht, die sich einen Verein aus einer anderen Stadt suchen. Das finde ich unmöglich. So etwas erlaubt mir mein Berliner Ego gar nicht. Außerdem ist es doch auch geil, Fan von einem Klub zu sein, der nicht konstant erfolgreich ist. Titel feiern kann jeder, leiden muss man lernen.

Marteria hat uns mal erzählt, dass er sich immer rechfertigen muss, weil er Hansa-Rostock-Fan ist.
Aber genau so etwas liebe ich. Das macht doch Spaß, wenn man vor eine Gruppe Unioner tritt und sein Hertha-Trikot zeigt. Dann gehen die Diskussionen los, dann wird sich gestritten. Und dann kann ich mit breitem Grinsen sagen: »Leute, die schönste Frau ist doch immer noch Hertha.«

Mit der Hertha geht es seit Jahren auf und ab. Allein in dieser Saison wurden schon zwei Trainer entlassen, Otto Rehhagel als Heilsbringer geholt und trotzdem steht die Hertha auf Platz 17 und mit einem Bein in Liga zwei. Was läuft eigentlich falsch beim Haupstadtklub?
Das gehört einfach zur Hertha. Der Verein ist eine einzige Wellenbewegungen. Da gehört auch zweite Liga dazu. Ich hoffe einfach, dass dann endlich auch ein Reinigungsprozeß im Inneren des Vereins stattfindet.

Der Abstieg würde Dir nicht weh tun?
Natürlich, es bricht mir das Herz. Aber es ist nicht so schlimm wie noch vor zwei Jahren. Damals war es einfach nur hart. Der Abstieg hat mich fertig gemacht.

Die Ex-Herthaner Jerome und Kevin Prince-Boateng sind mittlerweile Weltstars, Askhan Dejagah ist in Wolfsburg zum zentralen Mann geworden, Sejad Salihovic bei Hoffenheim. Beißt Du abends auch mal ins Kissen, wenn Du bedenkt, dass diese Jungs heute auch alle bei der Hertha spielen könnten?
Wer weiß, wo die Jungs heute stehen würden, wenn sie in Berlin geblieben wären? Zur Entwicklung als Fußballer gehört eben auch dazu, dass man sich als Mensch entwickelt. Vielleicht muss man dazu raus aus Berlin, die Welt sehen. Man kann also nicht pauschal sagen, dass die Hertha mit Kevin und Jerome in der Mannschaft heute die Liga rocken würde. Natürlich würde ich mir wünschen, dass dieser ganze Haufen eines Tages wieder im Hertha-Trikot auflaufen wird. Aber ich gönne jedem einzelnen den Erfolg auf einer anderen Stufe.

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