Sie waren 22 Jahre alt, als Sie von den Amateuren des FC Bayern München zu Rapid Wien wechselten. Ein ungewöhnlicher Schritt, weil man damals doch erst als älterer Bundesligaspieler in die Alpenrepublik ging, um dort seine Karriere ausklingen zu lassen und noch ein bisschen Geld zu verdienen.Für mich war damals ausschlaggebende, dass Lothar Matthäus Trainer bei Rapid Wien war und der mich unbedingt haben wollte. Ich sah das als Sprungbrett für höhere Aufgaben in Deutschland an. Aber es kam anders. Ich habe in Wien meine Frau kennengelernt, dann kamen die Kinder. Ich war und ich bin ganz einfach glücklich in Österreich. Auch, weil ich Harmonie brauche und die hier gefunden habe.
Bei Ihrem kurzen Gastspiel beim TSV 1860 in München suchten Sie die Harmonie vergebens.Das war eine lehrreiche Zeit, die mir gezeigt hat, dass du als Spieler manche Dinge nicht selbst beeinflussen kannst. Gleich nach meinem ersten Spiel waren der Trainer und der Sportdirektor, die mich nach München geholt hatten, weg. Und in der Mannschaft hat es auch nicht funktioniert. Es war einfach der falsche Zeitpunkt für einen Wechsel zum TSV 1860. Das Ganze war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Hätten Sie den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft, wenn Sie in Deutschland geblieben wären?Vielleicht. Aber es ist müßig sich darüber Gedanken zu machen und es ist auch nicht mein Ding, in die Vergangenheit zu schauen. Es hatte später noch die eine oder andere Möglichkeit zu einem Wechsel nach Deutschland gegeben. Aber nach den Erfahrungen bei 1860 war ich vorsichtig geworden.
Jürgen Klinsmann hat Sie 2005 zur Asienreise eingeladen, aber die konnten Sie nicht antreten.Ich musste wegen einer Mandeloperation absagen. Danach wurde ich nicht mehr nominiert. Mir war klar, dass es sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich ist, als Spieler in Österreich den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft zu schaffen. Gehofft habe ich aber trotzdem, dass es vielleicht doch mal klappt.
Österreich und seine Sissi-Liga – tut das weh, wenn Sie so etwas hören?Nein, und es ist ja auch Quatsch. Das Niveau ist natürlich nicht mit dem in der Bundesliga zu vergleichen. Aber es kommen immer mehr gute junge Spieler nach. Der österreichische Vereinsfußball ist auf einem guten Weg. Die Zeiten sind vorbei, in denen alternde Stars ein, zwei Jahr bei einem österreichischen Verein anheuern, um im Schongang noch ein bisschen Geld zu verdienen. Bei den guten Klubs ist es nicht mehr so leicht, unterzukommen, wenn man die beste Zeit schon hinter sich hat. Und den anderen Vereinen fehlen die finanziellen Mittel, um sich so einen Spieler leisten zu können.
Sie haben auch mal mit dem Gedanken gespielt, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen, um für das ÖFB-Team spielen zu können.Vor der Euro 2008 war der Reiz natürlich riesengroß. Es wäre eine super Sache gewesen, bei diesem Fußballfest in der Wahlheimat dabei sein zu können.
Warum erfüllte sich der Traum nicht?Ich hatte für Deutschland in den Jugendnationalmannschaften gespielt. Von daher war das schon schwierig. Und dann hat der ÖFB noch irgendeine Frist verpasst. Die genauen Hintergründe weiß ich gar nicht mehr und mittlerweile stehe ich auch darüber. Heute bin ich froh, dass ich in den Länderspielpausen bei meiner Familie sein kann.
Sie sind seit Jahren Publikumsliebling bei den Rapid-Fans. Dabei dürfte es angesichts der Rivalität beider Länder umso schwieriger sein, sich als Deutscher in die Herzen der österreichischen Fußball-Anhänger zu spielen.Das kann schon sein. Andererseits kommen die deutschen Tugenden bei den Rapid-Fans sehr gut an. Nicht aufgeben, immer weiter kämpfen und Vollgas geben – das lieben die Rapid-Anhänger einfach. Ich passe einfach zu diesem Klub.