Raphael Schäfer über deutsche Schiedsrichter

»Schiedsrichter haben lieber Ärger mit den Kleinen«

Nach dem zu Unrecht gegeben Abseitstor am vergangenen Wochenende in der Partie zwischen Hannover und Nürnberg, machte besonders Kapitän Raphael Schäfer im Anschluss an das Spiel seinem Ärger Luft. Wir sprachen mit Schäfer über deutsche Schiedsrichter und das mangelnde Quäntchen Glück der Clubberer in der aktuellen Saison.

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Raphael Schäfer, mit ein paar Tagen Abstand zum Spiel in Hannover: Wie schwer wiegt der Ärger über das Abseitstor zum 2:3 Anschlußtreffer noch?
Das ist abgehakt. Seit Dienstag bereiten wir uns auf das Spiel gegen Schalke vor, alles andere ist inzwischen unwichtig.

Nach den deutlichen Worten, die Sie direkt nach dem Spiel gefunden haben, hätten wir gedacht, dass Sie das mehr beschäftigt.
Natürlich war da zunächst viel Ärger und der musste raus. Auch in der Kabine waren wir noch fassungslos über die Entscheidung. Aber auch sauer auf uns, dass wir das Spiel dann nicht trotzdem noch nach Hause gebracht haben. Wir hatten die Partie im Griff und waren uns sehr sicher endlich für den Aufwand belohnt zu werden.

Beginnt in solchen Momenten das Zweifeln?
Resignation hat im Fußball nichts zu suchen. Natürlich befasst man sich noch mal mit dem Spielgeschehen. Die Nacht von Samstag auf Sonntag schläft man dann sehr schlecht, und in der folgenden Nacht auch nur durchschnittlich. Wenn aber die neue Trainingswoche beginnt, wenn man sich wieder richtig auspowern kann und den Fokus auf das nächste Spiel legt, hat sich das erledigt.

Haben Sie Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nach dem Spiel eigentlich die Hand gegeben?
Das war leider schwer möglich. Die Schiedsrichter haben die Hände heutzutage außerdem auch schnell an der Brusttasche.

Es gibt immer wieder Stimmen, die eine Benachteiligung kleinerer Vereine durch die Schiedsrichter anprangern. Sehen Sie das ähnlich?
Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass jeder Schiedsrichter immer sein Bestes gibt und versucht alle Entscheidungen richtig zu treffen. Aber natürlich gibt es im Spiel hin und wieder diese fifty-fifty-Entscheidungen. Da denke ich schon, dass eher für die größeren Vereine gepfiffen wird. Die Unparteiischen handeln sich lieber den Ärger der kleinen, als den der großen Vereine ein. Aber diese Lobby haben sich die großen Vereine wie Bayern oder Dortmund über die Jahre auch erarbeitet. Ich sehe das nicht so problematisch.

Ärger anderer Art hatten Sie Anfang November. Nach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg kam es zu Diskussionen mit den eigenen Fans. Wie ist das Verhältnis zu den Anhängern heute?
Das Thema ist zu den Akten gelegt. Es gab viele Missverständnisse, einige Aussagen wurden falsch gedeutet. Es ist aber auch klar, dass nicht immer elf Fan-Lieblinge auf dem Feld stehen können. Nicht jeder hat den Status eines Marek Mintal oder Javier Pinola. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Unsere Fans unterstützen uns super.

Unter dem neuen Trainer Gertjan Verbeek spielt der »Club« oft überzeugend, bleibt aber glücklos.
Wir müssen optimistisch bleiben, an unseren Weg glauben und einfach so weiter machen. Dann kommen die Ergebnisse von ganz allein, da bin ich mir sicher. Gertjan Verbeek legt Wert darauf, dass Fußball spielen eben vor allem auch bedeutet, Tore zu schießen. Wir versuchen das umzusetzen, und im Ansatz gelingt uns das auch schon über weite Strecken des Spiels. Es fehlt nur an Kleinigkeiten. Oft treffen wir dann eben nur Pfosten oder Latte. Aber die gehören eben auch zum Fußball dazu. Hoffentlich hat sich das nach dem Spiel gegen Schalke umgekehrt.

Und wenn der Schiedsrichter mit einer ähnlichen Fehlentscheidung aufwartet wie am vergangenen Samstag in Hannover, wie reagieren Sie dann?
Ich werde natürlich weiterhin meine Meinung sagen. Aber wie bisher auch, immer mit dem gebotenen Respekt.

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