30.05.2008

Rap-Giganten »Blumentopf« im Interview

»Wenig Glück... Aber Talent!«

Während der WM 2006 fasste die HipHop-Band »Blumentopf« die Spiele der Deutschen für die ARD in Rapform zusammen. Diese beliebte Art der Berichtserstattung wird es nun auch während der EM geben. Wir sprachen mit den Rappern.

Interview: 11Freunde Bild: Fourmusic
Rap-Giganten »Blumentopf« im Interview
Ihr habt während der WM die so genannten »Raportagen« für die ARD produziert: In Rapform wurden die Spiele der deutschen Nationalmannschaft nacherzählt. Wie kam diese Zusammenarbeit mit der ARD zustande?

Cajus: In der WDR-Redaktion sitzt ein alter Kumpel von uns, den wir vom Skateboardfahren kennen. Ihm schwirrte diese Idee schon länger im Kopf herum. Ein paar Wochen vor der WM rief er uns an und fragte, ob wir Bock darauf hätten. Fußball in Rap? Wir waren auf Anhieb begeistert.

Roger: Es gab für uns bei dem letzten Freundschaftsspiel vor der WM gegen Italien einen Testlauf, mit dem die Redaktion der ARD und auch wir sehr zufrieden waren - trotz des miesen Spiels. (lacht)

Zur Europameisterschaft soll es nun eine Fortsetzung geben.

Sepalot: Die »Raportagen« bei der WM kamen so gut bei den Zuschauern an, dass eine Neuauflage zur EM einfach auf der Hand lag.

Seid Ihr schon immer Fußballfans gewesen oder musstet Ihr euch kurzfristig noch ein entsprechendes Fußball-Vokabular aneignen?

Schu: Vor der WM waren wir natürlich extreme Handballfans! (lacht) Nein, wir wussten schon vor den »WM-Raportagen«, was Abseits bedeutet.

Sepalot: Und das sagt Schu, der sich beim Fußballspielen gerade einen zweifachen Kreuzbandriss geholt hat. Wenig Glück ...

Schu: ... aber Talent!


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Eure Raps wurden zeitweise zwischen »Tagesschau« und »Ziehung der Lottozahlen« ausgestrahlt. Verliert Ihr dadurch nicht an Street-Credibility in der Szene?

Schu: Die haben wir schon lange verloren! (lacht)

Cajus: Das ist wie im Fußball: Die Kredibilität geht mit dem Erfolg ziemlich schnell flöten.

Schu: Es geht hier ja nicht um Selbstverwirklichung. Wir dokumentieren etwas als Rap. Wir hätten die Spiele eh geschaut und hatten Lust auf das Experiment. Wir würden das auch nicht für jeden Sport machen - es muss uns schon etwas bedeuten.

Roger: Wir sind sehr froh darüber, dass wir das zusammen mit der ARD machen können. Hätten wir uns den Sender aussuchen dürfen, wäre es bestimmt nicht »9live« gewesen.

Cajus: Wir sind schon eher die öffentlich-rechtlichen Typen. (lacht)

Hattet Ihr nach der WM noch weitere Angebote für »Raportagen«?

Roger: Es gab tausend Angebote - von der Modenschau bis zur Betriebsfeier, die wir moderieren sollten. Die haben gedacht, wir machen das jetzt für jeden und packen alles nur noch in Reime.

Cajus: Wir sind aber nicht Frank Zander, der den ganzen Tag Geburtstagsongs macht - du sagst uns deinen Namen, und wir basteln schon was daraus. (lacht)

Schu: Es hat auch die Olympia-Redaktion der ARD angefragt, ob wir nicht während der Spiele in China etwas machen wollen - aber bei Turmspringen oder Synchronschwimmen würde das schon relativ schwierig werden.

Sepalot: Ein Fußballspiel ist das perfekte Format für so etwas.

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