23.04.2008

Ralf Minge im Interview

»Hochmut kommt vor dem Fall«

Zur neuen Saison wird die 3. Liga eingeführt. Was bedeutet das für die Vereine? Wir sprachen mit Ralf Minge, Sportdirektor bei Dynamo Dresden, über Existenzängste, Geld, das Tore schießt, und die Sehnsucht nach der Bundesliga.

Interview: Tim Jürgens und Benjamin Apitius Bild: Christoph Buckstegen
Herr Minge, nächstes Jahr führt der DFB die 3. Profiliga ein. Welche Vorteile sehen Sie dadurch für Dynamo Dresden?

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts - nach einem Jahr werden wir schlauer sein, wie diese neue Liga angenommen wird. Die Intention des DFB ist klar: Man möchte Qualität noch einmal bündeln, der Schwellentritt zur 2. Bundesliga soll verkleinert werden. Ich muss dazu allerdings sagen, das sportliche Niveau in der Regionalliga Nord ist immer schon sehr hoch gewesen, man konnte nicht eben mal so in die 2. Bundesliga aufsteigen. Es treten jede Saison eine Vielzahl ambitionierter Vereine an, von denen jeder den Aufstieg anpeilt.



Welche Erwartungen haben Sie an diese 3. Liga? Oder sagen Sie, das interessiert mich alles gar nicht, ich will in die 2. Liga?

Nein, nein. Hochmut kommt vor dem Fall. Wir dürfen uns auf keinen Fall nur oberflächlich mit dem Thema »3. Liga« beschäftigen. Wie gesagt, man muss nächste Saison sehr gut aufgestellt sein, um an der Tabellenspitze ein Wörtchen mitreden zu können.

Viele Vereine sagen, der DFB hätte mit der Einführung der 3. Liga noch eine Spielzeit warten sollen, wenn der neue Fernsehvertrag ausgehandelt gewesen wäre.

Damit muss man jetzt leben. Die Rahmenbedingungen für die nächste Saison stehen und die müssen wir auch so akzeptieren. Ich gehe davon aus, dass, wie bei jedem neuen Produkt, noch die ein oder andere Kursänderung durchzuführen ist - oder Möglichkeiten ausgelotet werden, wo man das Produkt noch besser platzieren könnte.

Sind die 625.000 Euro, die jeder Drittligist aus der Fernsehvermarktung bekommen wird, gegenüber den 5 Millionen Euro, die ein Zweitligist aus der Fernsehvermarktung bekommt, denn angemessen?

Wirtschaftlich gesehen, bleibt der Sprung von der 3. zur 2. Liga weiterhin groß. Gegenüber der jetzigen Saison ist die Einnahmesituation so viel besser nicht geworden. Man muss abwarten, wie die Liga als solches angenommen wird, und wie die Reaktionen der überregionalen Sponsoren ausfallen.

Wie fühlen Sie sich aktuell im Fernsehen präsentiert?

Das Spiel Dynamo Dresden gegen Union Berlin wurde vom RBB live übertragen. Der Markt ist bei uns da - es wird sich in Zukunft zeigen, wie das rechtlich umsetzbar ist. Wir haben mit den erhöhten Fernsehgeldern eine Verbesserung der jetzigen Situation - aber ein wirtschaftlicher Quantensprung ist das nicht.

Gibt es schon Planspiele, wie hoch der Etat von Dynamo Dresden in einer 3. Profiliga sein könnte?

Wir haben diese Saison einen Etat von ca. 6 Millionen Euro, der sich auch bei einem Verbleib in der 3. Liga nicht erhöhen würde. Wir müssen realistisch sein. Es gibt in der Umsetzung der 3. Liga immer noch Unwegbarkeiten, die man nicht zu optimistisch betrachten darf.

Um an der 3. Liga teilnehmen zu können, müssen die Vereine verschiedene Auflagen erfüllen, beispielsweise muss das Stadion mindestens 10.000 Zuschauer fassen, ein Nachwuchsleistungszentrum muss gestellt werden. Wie gehen Sie derzeit mit diesen Auflagen für eine Teilnahme an der 3. Liga um?

Das Stadion wird zur Zeit umgebaut, da werden wir im nächsten Jahr eine Übergangsregelung finden, und dann sind wir mit der Infrastruktur gut aufgestellt. Alle anderen Auflagen erfüllen wir bereits. In einer sehr schwierigen Zeit haben wir damals mit der Ulf-Kirsten-Stiftung und mit Unterstützung der Stadt ein Nachwuchsleistungszentrum aufgebaut. Dynamo Dresden ist also in allen Teilbereichen Richtung Profifußball ausgerichtet.

Sie fühlen Sie sich demnach ausreichend unterstützt vom DFB?

Die Hausaufgaben muss jeder Verein selbst machen - die kann ja nicht der DFB machen. Wir müssen planerisch so aufgestellt sein, dass wir auf sicheren Beinen stehen. Wir schleppen bekanntermaßen noch ein paar Probleme aus der Vergangenheit mit uns rum. Der DFB kennt unsere Probleme im Zusammenhang mit dem Stadionneubau und mit unserer kleinen Randgruppe an gewaltbereiten Fans, die uns sicherlich ein Image gebracht haben, was nicht der Realität entspricht. Wir gehen offen und ehrlich damit um. Es wird nichts kaschiert oder verschönert. Wir sehen den DFB als unseren Partner.

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