Ralf Falkenmayer über Jupp Heynckes

»Dann platzte ihm der Kragen«

Ein Eklat, als der damalige Eintracht-Coach Jupp Heynckes im Herbst 1994 drei seiner Topstars feuerte. Vor dem heutigen Spiel gegen seinen alten Verein sprachen wir mit Ralf Falkenmayer über Heynckes und die Skandalsaison. Ralf Falkenmayer über Jupp Heynckes

Ralf Falkenmayer, welche Erinnerungen haben Sie an Jupp Heynckes' Auftakt in Frankfurt?

Er kam damals aus Bilbao und wollte bei der Eintracht alles hundertprozentig richtig machen. Von Vereinsseite hat er jegliche Unterstützung bekommen, doch das Umfeld und die Bedingungen in Frankfurt waren nicht mit denen in Bilbao oder München zu vergleichen. Es war ein schwieriger Start.

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Jupp Heynckes warf am 16. Spieltag Maurizio Gaudino, Anthony Yeboah und Jay Jay Okocha aus dem Kader. Wie haben Sie diesen Eklat mitbekommen?  

Der Streit entfachte während des Abschlusstrainings. Normalerweise macht man da nicht mehr so viel. Und so flankten wir von links und rechts vor das Tor. Dort warteten Jay Jay und Anthony und hauten aus fünf Metern Torentfernung jeden Ball daneben. Jupp Heynckes stand derweil hinter dem Tor und sein Hals wurde immer dicker und roter. Irgendwann ist ihm dann der Kragen geplatzt.

Wie kann man sich das vorstellen?

Er hat sie zu sich gerufen und gemeckert. Wenn man die Jungs kennt, weiß man eigentlich, dass sie es auch mal locker angehen ließen. Das hat dem Trainer aber nicht gepasst und somit mussten sie zur Strafe laufen gehen.

Dieses Straftraining hat dazu geführt, dass die Spieler das kommende Spiel gegen den Hamburger SV boykottierten und sich offiziell krank meldeten. Der »Kicker« sprach damals von der ersten großen »Meuterei« in der Bundesligageschichte. Wie hat die Mannschaft diesen Boykott aufgenommen?


Sie waren unsere Leistungsträger, die konnte man nicht so leicht ersetzen. Aber man musste die Entscheidung des Trainers akzeptieren. So war es eben. Beim Spiel gegen den HSV haben wir uns gedacht: »Jetzt erst recht!«, und haben uns reingehängt.

Das Spiel gewann die Eintracht mit 2:0. Heynckes warf Anthony Yeboah anschließend »schlampiges und unprofessionelles Arbeiten« im Training vor. Wie beurteilen Sie das Training unter Heynckes?

Er war ein sehr guter Trainer, mit tollen Trainingsmethoden und taktischem Verständnis. Doch nicht umsonst hat er den Spitznamen »Osram«. Sein Kopf ist oft rot angelaufen – sofort wusste man, dass er wütend wird. Aber das, was wir im Training gemacht haben, hatte immer Hand und Fuß.

Erkennen Sie Ihren alten Trainer, wenn Sie Ihn heute an der Linie sehen?

Klar erkennt man seine Art, aber er hat sich auch ein bisschen verändert. Er ist auf jeden Fall ruhiger geworden und nicht mehr so cholerisch wie früher. Im Alter wird man ja etwas milder.

Bernd Hölzenbein sagte damals bei der Vorstellung des neuen Trainers Jupp Heynckes: »Wenn wir die Sache mit Heynckes nicht durchziehen, dann wird es nie etwas mit der Eintracht«. Heute gilt diese Saison als Anfang vom Ende einer Ära in Frankfurt. Wie haben Sie die folgende Zeit in Frankfurt empfunden?

Ich als Frankfurter hänge natürlich am Verein. Die folgenden Saisons und der Abstieg 1996 waren keine schöne Zeit für mich. Es war immer unruhig und gab viele Trainerwechsel. Damals war es schon etwas besonderes, wenn es ein oder zwei Jahre Ruhe gab. Das galt als eine lange Zeit. Heute ist das anders in Frankfurt. Heribert Bruchhagen führt den Verein sehr gut und es gibt nicht mehr so viel Theater wie früher.

Sie haben sowohl bei Eintracht Frankfurt als auch bei Bayer Leverkusen gespielt. Welchem Verein drücken Sie heute abend die Daumen?

Ich habe in Leverkusen eine schöne Zeit erlebt. 1988 haben wir unter Erich Ribbeck sogar den Uefa-Pokal gewonnen. Trotzdem schlägt mein Herz immer noch für die Eintracht.    

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