09.02.2012

Rainald Grebe im Interview

»Bundesliga ist wie Brecht mit Catchern«

Was hätte Thomas Bernhard über Felix Magath geschrieben? Ist Zettel-Ewald ein Dramatiker? Und wie hoch flog Beckenbauers Heli wirklich? Der Kabarettist Rainald Grebe über die Gemeinsamkeiten von Fußball und Theater.

Interview: Lucas Vogelsang und Dirk Gieselmann Bild: Jim Rakete

Die Texte Ihrer Lieder bestehen aus einzelnen fragmentierten Ideen, die sie auf kleinen Zetteln sammeln und in Ihrer Wohnung verstreuen, um sie später zusammenzufügen. Kennen Sie eigentlich Zettel-Ewald?

Rainald Grebe: Oh, ja! Ich habe Ewald Lienen 1983 beim Joggen in Südfrankreich getroffen. Noch mit D’Artagnon-Bart. Er hat mich aber nicht erkannt. 

Schade.

Rainald Grebe: Ja, Lienen weiß nichts über mich! Bedauerlich. Dafür weiß ich umso mehr über ihn: Er ist Jahrgang 1953. Da staunen Sie! Das weiß ich noch, weil ich damals die Panini-Alben auswendig gelernt habe. Paul Breitner, 1951 geboren in Kolbermoor! Rummenigge! Jahrgang 1955! Lippstadt! 

Was für ein Trainer-Typ wären Sie? Lassen Sie uns raten: der Detailversessene.

Rainald Grebe: Nein, nein. Ich würde meine Spieler einfach spielen lasse. Der Drill jedenfalls ist nicht so meins. Was mir aber ganz gut stehen würde, wäre das Kettenrauchen. Vollkommen unsportlich am Spielfeldrand rumsitzen. Wie Ernst Happel.

Hape Kerkeling gab sich beim Grazer AK einst als litauischer Trainer aus. Der Bluff hielt erstaunlich lange. Wann würden Sie auffliegen?

Rainald Grebe: Sofort! Selbst wenn ich den schweigenden Kettenraucher geben würde. Ich beherrsche die Theorie nicht. Obwohl die natürlich auch mein Co-Trainer übernehmen könnte, während ich nur Angst verbreite. Fußball ist ja viel Psychologie. 

Wen würden Sie denn als Co-Trainer mitnehmen?

Rainald Grebe: Ewald Lienen natürlich! Aber das wäre wohl eine einzige Zettelwirtschaft. Und ehrlich gesagt: Die Vorstellung, Trainer zu sein, finde ich ganz fürchterlich. Das ist so ähnlich wie im Theater, wenn der Intendant kommt und hinterm Rücken Kritik über die Presse äußert. Das widert mich an. Da bin ich harmoniesüchtig.

Können Sie bei Ihren Auftritten auch gewinnen und verlieren? Gibt es sogar den Zustand des Unentschiedens?

Rainald Grebe: Ich rufe manchmal »Auswärtssieg!«, wenn ein Auftritt richtig gut gelaufen ist. Wenn es wirklich schön war – und keine Routine. Mit Pannen, die man angenehm ausgebügelt hat. 

Gibt es Städte, in die Sie ungern fahren, so wie die Bayern nach Kaiserslautern?

Rainald Grebe: Diese Angstgegner gibt es schon. In Köln etwa beginnen die Leute, kaum hat man etwas gesagt, rhythmisch zu klatschen. Womit sie aber ziemlich bald aufhören, weil ich sie dann aus der Kurve haue. 

Ist das Publikum also Ihr Gegner?

Rainald Grebe: Manchmal sitze ich vor einem Auftritt hinter Bühne und rufe: »Ich mach die fertig heute, ich mach die alle platt!« Und hinterher: »Denen habe ich heute einen eingeschenkt!« Diesen Moment des Triumphs brauche ich, wenn ich zwei Stunden da oben auf der Bühne rumgeschrien habe.

Sind Sie als Künstler mit 39 eigentlich noch ein Talent?


Rainald Grebe: Das Kabarett alter Prägung ist eine Greisenveranstaltung. Von daher kann man mit 40 immer noch Nachwuchspreise gewinnen kann. Danach kippt es dann ziemlich schnell. Jetzt habe ich schon irgendwo gelesen, ich sei ein Urgestein. Das fand ich krass. Das geht von einem Tag auf den anderen. 

Als Fußballer wären Sie schon in den Ruhestand geschickt worden.

Rainald Grebe: Ich bin in dem Alter, in dem die Letztmöglichen längst aufgehört haben. Gut, Klaus Fichtel war 40. In den Achtzigern ging das noch. Heutzutage aber ist Ballack mit 34 ein Opa.

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