09.02.2012

Rainald Grebe im Interview

»Bundesliga ist wie Brecht mit Catchern«

Was hätte Thomas Bernhard über Felix Magath geschrieben? Ist Zettel-Ewald ein Dramatiker? Und wie hoch flog Beckenbauers Heli wirklich? Der Kabarettist Rainald Grebe über die Gemeinsamkeiten von Fußball und Theater.

Interview: Lucas Vogelsang und Dirk Gieselmann Bild: Jim Rakete


Sie stellen Christoph Daums Unschuldsbeteuerung in Leverkusen in einer Klangcollage auf eine Stufe mit Barschels »Ehrenwort« und Blüms »Die Rente ist sicher«. Ist Fußball also so wichtig wie Politik? Oder ist alles nur ein einziger Schmerz?


Rainald Grebe: Im Zweifel Letzteres. Aber natürlich ist Fußball auch ein großer Machtfaktor. Es ist wahnsinnig, dass ein so banaler Sport durch das Geld, das in ihn hineingepumpt wird, so bedeutungsvoll wird. Insofern ist der Herr Daum also ein Staatsmann, wie Barschel einer war, wenn er im Fernsehen auftritt und sein »Ehrenwort« gibt. 

Als Michael Ballack seinen Einsatz für die WM 2010 absagen musste, war dies die erste Nachricht bei der Tagesschau. Noch vor Irak oder Obama.

Rainald Grebe: Wenn es die Nation bewegt oder sogar im Kern zusammenhält, dann darf das die erste Nachricht sein. Auch wenn es natürlich lächerlich ist. 

Trotz aller Banaliät scheinen Sie sich der Faszination Fußball nicht gänzlich entziehen zu können.

Rainald Grebe: Natürlich nicht. Das hat ja was. Ich lese viel. Fußball rührt in meinem Kopf herum. Weil es eben auch großes Theater ist. In fast schon antiken Dimensionen, wie im Kolosseum. 

Abgesehen davon, dass die Spieler am Ende nicht von Löwen aufgefressen werden.

Rainald Grebe: Das fehlt noch! Aber alles andere ist da: Freund und Feind, wir gegen die anderen, alle gegen mich. Das hat mich immer schon fasziniert, aber eben nicht aus der Fanperspektive, sondern aus der des Theatermanns. Wenn sich Clemens Tönnies mit Felix Magath auf einem Bauernhof trifft, ist das doch pures Theater! 

Das hat etwas von Thomas Bernhards »Jagdgesellschaft«.

Rainald Grebe: Ja! Feuer im Kamin. Draußen ist es kalt. Millionen liegen auf dem Tisch. Herrlich! Oder Hoffenheim: Herbstmeister sein und dann den Bach runtergehen. Wie in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Bertolt Brecht! 

Ist Bundesliga Brecht mit Laiendarstellern?

Rainald Grebe: Ich glaube eher, es ist Brecht mit Catchern. 

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