17.10.2013

Raffael über Gladbach, Ronny und Schalke

»Mein Bruder ist eindeutig besser«

Am Samstag trifft Gladbachs Raffael zum ersten Mal in einem direkten Duell auf seinen Bruder Ronny von Hertha BSC. Hier spricht er über Lucien Favre, seine Zeit auf Schalke und die besten Spieler der Liga.

Interview: Sven Goldmann Bild: Imago

Raffael, wenn wir Ihren Bruder Ronny fragen würden, wer denn der beste Fußballspieler in der Familie ist...
... dann würde er bestimmt sagen, dass ich es bin. So hat er das bisher jedenfalls immer gemacht.

Und? Hat er recht?
Nein, überhaupt nicht. Ich widerspreche meinem Bruder ja ungern, aber er ist eindeutig der bessere von uns beiden. Schauen Sie ihn sich doch mal an: Seine Ballbehandlung, seine Schusstechnik, haben Sie sein Freistoßtor in Hannover gesehen? Unglaublich! Von seinen Anlagen her ist Ronny der beste Fußballer, mit dem ich in meiner Karriere je zusammengespielt habe.

Am Samstag wird im Olympiastadion zu beobachten sein, wer von Ihnen beiden recht hat. Sie treten mit Borussia Mönchengladbach bei Ronny und Hertha BSC an. Wie steht es denn bisher in den familieninternen Duellen?
Sie werden lachen, aber dieses Spiel am Samstag ist für uns beide eine Premiere. Wir haben noch nie gegeneinander gespielt. Höchstens mal früher als Kinder, am Strand von Fortaleza. Das ist schon eine komische Situation für mich. Ich liebe meinen Bruder, ich mag auch Berlin, und zu Hertha habe ich auch ein sehr gutes Verhältnis.

Sie haben in viereinhalb Jahren 33 Tore für Hertha BSC geschossen und sind dann nach dem zweiten Abstieg im Sommer 2012 zu Dynamo Kiew gewechselt, für eine Ablöse von zehn Millionen Euro. Wahrscheinlich haben Sie Hertha damit den Neustart auf einem relativ hohen Niveau überhaupt erst ermöglicht.
Ja, das war ein schöner Nebeneffekt. Hertha brauchte Geld, und ich wollte nicht noch einmal in der Zweiten Liga spielen. Deswegen machte dieser Transfer für beide Seiten Sinn.

Gab es damals auch andere Angebote?
Ich hätte nach Italien wechseln können, zum SSC Neapel. Und es gab ein Angebot aus Katar, aber dafür fühlte ich mich noch zu jung. Kiew war eine Herausforderung, und ich hatte die Möglichkeit, in der Champions League zu spielen. Also habe ich die Herausforderung angenommen.

Nach nur einem Tor in neun Spielen sind Sie Anfang dieses Jahres regelrecht aus der Ukraine geflüchtet. Was hat nicht gepasst?
Sagen wir so: Es war ein Missverständnis, sportlich und privat. Es war schwer in einem neuen Land mit einer neuen Sprache. Die Ukraine ist nun mal sehr anders als Deutschland. Dazu kommt, dass in der Liga nur Kiew und Donezk auf hohem Niveau spielen, dazu vielleicht noch Dnjepropetrowsk. Das ist kein Wettbewerb, wie ich ihn aus der Bundesliga gewohnt war.

Im Januar hat Schalke 04 Sie zunächst für ein halbes Jahr ausgeliehen. Stimmt es, dass Sie schon damals lieber nach Mönchengladbach zu Ihrem alten Mentor Lucien Favre gewechselt wären?
Ich wollte vor allem zurück in die Bundesliga. Es gab auch eine Anfrage von ZSKA Moskau, aber da wäre der Unterschied zu Kiew wohl nicht so groß gewesen. Alles Weitere haben die Klubs unter sich geregelt.

Schalke hätte Sie nach diesem ersten halben Jahr gern dauerhaft verpflichtet.
Auch ich wäre ganz gern geblieben. Wir sind Vierter geworden mit einer realistischen Möglichkeit, uns für die Champions League zu qualifizieren. Sportlich war das sehr attraktiv, und es hat Spaß gemacht, mit Leuten wie Julian Draxler und Jefferson Farfan zusammenzuspielen. Aber jetzt ist es Gladbach geworden, und damit bin ich sehr, sehr zufrieden.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden