»ProFans«-Sprecher Jakob Falk über Spielansetzungen

»Da sind die Urlaubstage vorprogrammiert«

Immer wieder sorgen Spiel-Terminierungen der DFL für Ärger unter Fans. Teilweise müssen sie an Wochentagen über 700 Kilometer reisen. Die Fan-Initiative »ProFans« vergibt deshalb das »SpielAnsetzungsMonster«. Sprecher Jakob Falk erklärt die Idee.

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Jakob Falk, ProFans vergibt ab dieser Saison das SAM. Was verbirgt sich hinter dem Preis?
Damit wollen wir auf eine etwas andere Art und Weise auf die unerträglichen Anstoßzeiten hinweisen. Wir haben nach einem kreativeren Ansatz gesucht, um das Thema publik zu machen. Die Sache braucht neuen Schwung. Es reicht nicht aus, nur im Stadion zu protestieren und hin und wieder ein Banner hochzuhalten.

Wen zeichnet ProFans genau aus?
Das SAM verleihen wir monatlich an die Fanszene, die die weitesten Entfernungen zu den ungünstigsten Terminen zurücklegen muss. Eine interne Jury wertet die verschiedenen Spielansetzungen aus. Wir konzentrieren uns vor allem auf die Freitage und Montage, da das normale Arbeitstage sind.

Als erster Preisträger darf sich die Fanszene des FC St. Pauli »feiern« lassen.
Am zweiten und vierten Spieltag muss St. Pauli nach Aalen und Fürth. Das sind 631 und 600 Kilometer – einmal an einem Freitag, einmal an einem Montag. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Zu Recht wurde am letzten Samstag beim Heimspiel gegen Ingolstadt am Millerntor der Gewinn des SAM sogar über die Stadionmikrofone bekannt gegeben.

Gerade die zweite Liga fällt immer wieder durch abenteuerliche Ansetzungen auf. Von 16 Freitagsspielen an den ersten sechs Spieltagen müssen Auswärtsfans neun Mal weiter als 350 Kilometer reisen. An Montagen sogar viermal weiter als 420 Kilometer. Ist die zweite Liga aus Fansicht mehr Fluch als Segen?
Die aktiven Fans der Zweitligisten müssen durch das Montagsspiel ohnehin leiden. Warum man dann noch extrem unglückliche Freitagsspiele terminiert, ist schwer nachzuvollziehen. Trotzdem sind die Ansetzungen kein explizites Zweitligaproblem. Auch die Dritte Liga ist betroffen. Nur zwei Beispiele: Hansa Rostock gegen Sonnenhof Großaspach und Energie Cottbus gegen Wehen Wiesbaden, Dienstagabend, 19 Uhr, 803 bzw. 613 Kilometer Autofahrt. Da sind zwei Urlaubstage vorprogrammiert, wenn man seine Mannschaft im Stadion unterstützen möchte.

Auch in Liga eins sieht es freitagabends nicht besser aus. An den ersten vier Spieltagen müssen Fans dreimal weiter als 575 Kilometer reisen. Ist der DFL das Wohl der Auswärtsfans egal?
Sagen wir es mal so: Es entsteht nicht der Eindruck, dass Faninteressen bei der Ansetzung irgendeine Rolle spielen. Ehrlich gesagt fehlt mir die Fantasie, um zu erklären, wie die Liga zu manchen Spielterminen kommt. Ich bin Anhänger von Hertha BSC. Unser zweites Auswärtsspiel führt uns an einem Freitagabend nach Freiburg. Welche Gründe könnte es geben, die eine solch extreme Ansetzung notwendig machen?


Vielleicht weil die Liga Konfrontationen zwischen Fangruppierungen fürchtet?
Schauen wir uns doch die Partien an: Freitags spielen Wolfsburg in München und Dortmund beim FC Augsburg. Jeweils montags muss Union Berlin zum VfL Bochum und 1860 München nach Kaiserslautern. Diese Liste könnte man problemlos fortsetzen. Alle Partien eint die Tatsache, dass keine außerordentlichen Rivalitäten oder besonderes Gewaltpotenzial erkennbar ist.

Nach welchen Kriterien terminiert die DFL die Partien eigentlich?
Die Liga hat uns schon mehrfach Einblicke in das Prozedere gewährt. Beim Fankongress 2012 wurde uns eine aufwändige Präsentation gezeigt. Natürlich spielen da ganz viele Aspekte eine Rolle, beispielsweise Sicherheitsaspekte, Feiertage, sonstige Großveranstaltungen, lokale Feste, aber auch Anreisewege oder der Fifa-Kalender. Ein Punkt, der aber auch immer wieder von DFL-Verantwortlichen betont wurde, sind die Faninteressen. Doch wie schon gesagt, wir können nicht erkennen, dass diese irgendwie relevant für die Planung sind. Die negativen Beispiele sprechen einfach dagegen.

Die DFL wird aber kaum wollen, dass die Fans wegbleiben.
Natürlich nicht. Die Fans sind auch für die DFL wichtig. Ohne die tollen Bilder wäre der Fußball nicht einmal halb so viel wert. Immer wieder wird groß verkündet, dass die Fans gehört werden sollen, doch was nützt es, wenn unsere Wünsche verpuffen? Vielleicht muss man sich aber auch die Frage stellen, inwieweit die DFL überhaupt Fan-Interessen gegenüber anderen Beteiligten wie den Sicherheitsbehörden vertreten kann und will.

Welche Regelung schlägt ProFans vor, um die Ansetzungen fanfreundlicher zu gestalten?
Wir kämpfen schon seit Jahren für die sogenannte »300-Kilometer-Regel«. Mannschaften, die freitags oder montags zu Extremzeiten spielen, sollten nicht weiter als 300 Kilometer reisen müssen. Uns ist klar, dass man vermutlich nicht ohne weiteres die Montags- und Freitagsspiele abschaffen kann. Aber eine solche 300-Kilometer-Regel umzusetzen, das muss doch machbar sein – im Sinne aller Beteiligten.

Wie werden sich die Fanszenen verhalten, wenn es so weitergeht wie bisher?
Es gibt zwischen den Vereinen große Unterschiede, weshalb man das nicht pauschalisieren kann. Dass einige Szenen aber über Boykott nachdenken, ist bekannt. Jüngstes Beispiel: Die Ultras der »St.Pauli-Mafia« wollen das Spiel in Fürth boykottieren. Generell hängt ein solcher Schritt davon ab, wie die Stimmungslage in der jeweiligen Szene ist. Aber dass es Fanszenen gibt, die in naher Zukunft auch einmal im großen Stil Spielansetzungen boykottieren, halte ich für sehr realistisch.

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