26.01.2012

Prof. Götze über seinen Sohn Mario

»Er is schon´n Guter«

Im Bundesliga-Sonderheft blickte Mario Götze zurück auf eine rauschhafte Bundesligasaison. Redakteur Tim Jürgens traf sich dafür auch mit seinem Vater Jürgen Götze. Ein Gespräch über den Schulabbruch, Mediensperren und Neid unter Brüdern.

Interview: Tim Jürgens Bild: imago

Professor Götze, Sie sind Experte für Datentechnik, und zwei Ihrer Kinder sind Fußballprofis. Woher stammt das Talent?

Prof. Jürgen Götze: Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Wir waren immer eine sportbegeisterte Familie. Ich habe auch mal auf Viertliganiveau Tennis gespielt, meine Frau war eine gute Ski-Fahrerin. Aber Fußball war nur eine von vielen Sportarten, die bei uns betrieben wurden.



Welche denn noch?

Prof. Jürgen Götze: Ich habe einige Zeit an amerikanischen Universitäten gearbeitet, in den USA treiben die Familien je nach Jahreszeit unterschiedliche Sportarten. Wir haben fast alles mitgemacht: Baseball, Tennis, Basketball, Fußball, Ski. Der Umgang mit dem Ball war auch immer da. Eigentlich wollte ich meinen Jungs Tennis beibringen, ein bisschen ist es mir auch gelungen. Aber als wir wiederkamen, lebten wir in Ronsberg im Allgäu. Da gab es nur zwei schöne Rasenfußballplätze. 

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Mario talentierter ist als alle anderen?

Prof. Jürgen Götze: Ach, so was entwickelt sich. Da meine Frau und ich selbst Sport treiben, haben wir natürlich gesehen, dass die Jungs das gut annehmen, und eine logische Folge daraus war, dass sie immer mehr Zeit darin investierten. Als wir dann nach Dortmund zogen, haben sie anfänglich parallel auch noch Tennis gespielt. Aber als dann BVB erst den Fabian und kurz darauf Mario haben wollte, war natürlich klar, dass sie offenbar ganz gut sind.

Ahnten Sie schon, dass da mehr draus werden kann?

Prof. Jürgen Götze: Nein, in diesen jungen Jahren schaffen viele den Sprung. Dass Mario und Fabian das Zeug hatten, Profis zu werden, fiel mir erst auf, als sie mit 15 Jahren immer wieder zu den Junioren-Nationalmannschaften eingeladen wurden.

»Ein gottgegebenes Talent« – Mario Götze im Interview #1 >>

Das heißt, Sie haben das Talent zu keinem Zeitpunkt besonders gefördert.

Prof. Jürgen Götze: Nein, nur unterstützt, etwa mit den regelmäßigen Fahrten zum Training und den Spielen. Ansonsten haben das die Jungs ganz von alleine gemacht. Das finde ich auch das Schöne: Dass es ihnen stets gelungen ist, das Ganze als Sport zu verstehen und sich das Spielerische daran zu erhalten. Und je höher das Niveau wurde, desto mehr Spaß macht es ihnen offenbar.

Wenn Mario statt des Fußballs großen Spaß am, sagen wir, Posaunespielen gehabt hätte, wäre Ihnen das auch recht gewesen?

Prof. Jürgen Götze: Das mit der Posaune hätte mich gewundert, aber zum Beispiel hat er immer viel Spaß am Zeichnen gehabt. Wenn er das hätte ausbauen wollen, warum nicht?

Wie gut zeichnet Mario denn?

Prof. Jürgen Götze: Als er sich nach der elften Klasse entscheiden musste, welche Leistungskurse er nimmt, stand auch Kunst im Raum. Letztlich hat er sich dann aber für Mathe und Sport anstatt Kunst entschieden.

Mario hat nach dem Fachabitur die Schule abgebrochen. Sie sollen gesagt haben: »Der Junge war nicht mehr an der Schule zu halten.«

Prof. Jürgen Götze: Das habe ich so sicher nicht gesagt, wenn wir das um jeden Preis gewollt hätten, dann hätte er das Abi auch durchgezogen. Sein Bruder hat es ja auch gemacht. Wir wohnen direkt in Dortmund, das Training hat für die Jungs in den Juniorenteams des BvB deshalb nie so einen extremen Zusatzaufwand bedeutet. Trotzdem war er bei den U-17-Turnieren auch mal vier Wochen aus der Schule, so dass das Nacharbeiten schon stressig war. Als dann Mario schon in der vorletzten Saison einige Einsätze bei den Profis bekam, wurde es immer zeitintensiver. Ein Junge in dem Alter braucht auch Erholungszeit. Als er das Fachabi geschafft hatte, haben wir uns geeinigt, dass er mit der Schule aufhören darf.

Mit einem unguten Gefühl?

Prof. Jürgen Götze: Ich habe schon gesagt: »Komm, das eine Jahr geht doch noch.« Aber es war okay. Wenn er das Fachabi nicht gemacht hätte, wäre ich allerdings schon sehr dagegen gewesen. Aufgrund meiner Tätigkeit an der Universität aber weiß ich, dass er über den Umweg eines Praktikums immer noch die Chance hat – im Fall eines Falles – zu studieren und auch von der Fachhochschule zur Uni zu gehen. Er hat sich durch diese Entscheidung jedenfalls nichts Gravierendes verbaut.

Zumal er nun ein erfolgreicher Profi ist.

Prof. Jürgen Götze: Was immer sein großes Ziel war. Und ich hoffe natürlich, dass er noch 12, 13, 14 Jahre Fußball spielen kann. Und wenn nicht, kann er immer noch die Fachhochschule besuchen.

Hatte der BVB in der Frage, die Schule abzubrechen, ein Mitspracherecht?

Prof. Jürgen Götze: Nein, das haben wir zuhause entschieden. Das Einzige, was wir in dem Zusammenhang mit dem Klub besprochen haben, war, dass er dort die Möglichkeit erhält, ein studienorientiertes Praktikum zu machen. Aber als er ab Beginn der neuen Saison einen Stammplatz hatte, kam es gar nicht mehr dazu.

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