07.02.2013

Prof. Dr. Effenberg und die Trainingsrevolution

»Schöner spielen dank synchroner Musik!«

Prof. Dr. Alfred Effenberg, Sportwissenschaftler der Uni Hannover, hat mit einem Forschungsprojekt bewiesen, dass sich synchrone Musik auf die Mannschaftsdienlichkeit von Fußballern auswirkt. Ein Gespräch über einfache Klangfolgen und die Disco von Günter Netzer.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Prof. Dr. Alfred Effenberg, sagen Sie jetzt nicht...

...da muss ich Sie enttäuschen. Weder verwandt, noch verschwägert. 



In Ihrer Funktion als Sportwissenschaftler der Universität Hannover haben Sie vor kurzem das Forschungsprojekt »SoundSoccer« abgeschlossen. Laut Information der Institutshomepage ein Projekt bei dem »mögliche Synchronisationseffekte einer Musikintervention auf Lauf- und Abspielrhythmen innerhalb einer Mannschaft« erkundet wurden. Bitte übersetzen Sie uns das.

In 22 Trainingseinheiten haben wir zwei Fußballteams, der männlichen A-Jugend vom FV Engers 07 und der Frauenmannschaft der SG Eintracht Wetzlar, mit drahtlosen Ohrstöpseln Musik vorgespielt und die Auswirkungen auf die Leistungen im Training untersucht.



Für welche Musik haben Sie sich entschieden? Knallharten HipHop? Oder doch eher gefühlige Balladen?

Weder noch. Matthias Hornschuh, ein Film- und Medienkomponist aus Köln, hat für uns einfache Klangfolgen komponiert. Einer der Teilnehmer hat den Sound als »eine Art Jungle Beat« bezeichnet, vielleicht hilft das, um sich die Richtung in etwa vorzustellen. Die Mannschaften wurden in ihren Übungseinheiten in Fünf-gegen-Fünf-Teams aufgeteilt, eine Seite bekam die Musik auf eine tausendstel Sekunde synchron aufs Ohr gespielt, die andere Seite geringfügig beschleunigt bzw. verzögert. Jede Mannschaft spielte zehn Minuten mit synchroner, zehn Minuten mit asynchroner Musik und zehn Minuten ohne Musik. Wir haben das wissenschaftliche Design der Studie entwickelt, die Idee wurde zusammen mit dem Kölner Musikjournalisten Manfred Müller entwickelt, der zuvor schon Lauf- und Dribbelrhythmen von deutschen und südamerikanischen Fußballern akustisch abgebildet hat.



Mit dem Ergebnis?

Die Mannschaften mit der synchronen Musik im Ohr spielten nachweislich mehr und erfolgreichere Pässe bzw. aufwendigere Passstafetten. 



Wurden auch mehr Tore erzielt?

Tendenziell ja, allerdings wurde der Unterschied statistisch nicht statistisch.



Mit synchroner Musik kann man also besser, nicht unbedingt erfolgreicher Fußball spielen?

So kann man es sagen.



Wie lässt sich das erklären?

So etwas wie einen Bewegungsrythmus kann man sehr schön akustisch transportieren und vermitteln. Beim Sport geht eigentlich immer sehr viel über das Auge, dabei ist auch das Gehör sehr sensibel - Akustik ist deshalb gut geeignet, um versteckte Aspekte von Bewegung wahrnehmbar zu machen.



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