21.01.2014

Pro-Fans-Sprecher Jakob Falk über den Fankongress und rechtsoffene Kurven

»Die Verbände drehen sich nicht um 180 Grad!«

Nach zwei Jahren fand am Wochenende in Berlin wieder ein Fankongress statt. Wie lautet das Fazit? Hat sich das Verhältnis zwischen Fans und Verbänden entspannt? Wird es einen Dialog zwischen Fans und Polizei geben? Wie alarmierend sind die rechtsoffenene Fanszenen in einigen Stadien? Ein Gespräch mit Organisator und »ProFans«-Sprecher Jakob Falk.

Interview: Benjamin Kuhlhoff und Andreas Bock Bild: Imago

Jakob Falk, als der Fankongress vor zwei Jahren stattfand, war das große Schlagwort »Dialog«. Wir sieht es im Januar 2014 aus? Hat sich das Verhältnis zwischen Fans und Verbänden normalisiert?
Als Mitglied der AG Fanbelange treffe mich alle paar Wochen mit Verbandsfunktionären, und ich kann sagen: In der Form des Dialogs gibt es auf jeden Fall Fortschritte. Ich finde auch, dass Andreas Rettig auf dem Fankongress eine sehr gute Rede gehalten hat, die viele wichtige Punkte beleuchtet hat. Zudem hat es Herr Rettig geschafft, auf die Fans zuzugehen. Er ist hier nicht als der große Verbandsvertreter aufgetreten, sondern als interessierter Teilnehmer, der von Anfang bis Ende bei Workshops und Diskussionen aktiv teilgenommen hat.

Es ist also alles in Butter?
So kann man es auch nicht sagen. Denn trotz alledem gehen wir in vielen Vorstellungen noch weit auseinander. Bestes Beispiel: Die Stadionverbote. Zu dem Thema haben wir am Samstag ausführlich mit Fananwälten diskutiert, die den Fans die rechtlichen Möglichkeiten erklärt haben. Und auch wenn Herr Rettig als DFL-Chef einen guten Eindruck hinterlassen hat, wissen die Fans, dass sich die Verbände jetzt nicht um 180 Grad drehen werden.

Neben dem Thema Stadionverbote wurde ausgiebig über das Verhältnis von Polizei und Fans gesprochen. Auf einer Diskussion lud der Berliner Polizist Hans-Ulrich Hauck die Fans zur gemeinsamen Nachbetrachtung eines Einsatzes ein.  Außerdem wurde Selbstkritik geübt. Ist das ein erster Schritt zu Annäherung?
Fans fordern seit Jahren eine Abrüstung vor dem Stadion. Kurz: Sie wünschen zum Beispiel, dass sie nicht von vermummten Polizisten mit heruntergelassenen Visieren begrüßt werden. Herr Hauck sieht das ähnlich, und natürlich begrüßen wir so eine Aussage. Allerdings heißt das nicht, dass er für den Großteil der Polizei spricht. Denn die meisten Polizei-Gewerkschaftler sehen das komplett anders. Seit 2012 gibt es eine neue Einsatzstrategie, und die ist eben nicht auf mehr Transparenz und Deeskalation ausgerichtet, sondern auf eine höhere Präsenz und rigoroses Durchgreifen.

Es wird demnach keinen runden Tisch mit Polizei und Fans geben?
Vielleicht haben einige Leute erwartet, dass sich die Fans dialogbereiter zeigen. Doch es hilft uns nicht, an der Realität vorbeizugucken, und die sagt: Die meisten Fans lehnen den Dialog weiterhin ab.

Welche Meinung haben Sie als Vertreter von »Pro Fans« dazu?
Wir fordern, die Positionen der Fanbetreuer und Fanprojekt-Mitarbeiter zu stärken, also von Leuten, die vermittelnd arbeiten. Es kann jedenfalls nicht sein, dass die Fanarbeiter am Stadion von Polizisten als normale Fans wahrgenommen werden.

Am Sonntag wurde ebenfalls über das Thema »Anti-Diskriminierung« diskutiert. Hätten Sie sich eine größere Kontroverse gewünscht? 
Man muss keine Nazis einladen, um eine kontroverse Diskussion zu haben. Und um eine Sache klarzustellen: Es wurde kolportiert, dass wir zum Beispiel die Aachener »Karlsbande« ausgeladen hätten. Das stimmt nicht. Die Gruppe hat sich nicht angemeldet, vermutlich mit der Vorahnung, dass wir als Veranstalter ein ernsthaftes Problem damit gehabt hätten. Das wäre auch der Fall gewesen. Ich denke, dass im Publikum einige Leute saßen, die eine andere Meinung vertreten, die sich aber nicht getraut haben, diese hier zu äußern. Für die Diskussion ist das natürlich schade. Auf der anderen Seite wird so auch deutlich, dass die große Mehrheit in dieser Frage gleich tickt.

So ergab sich auf der Diskussion im Saal ein antirassistischer und antidiskriminierender Grundkonsens. Inwiefern spiegelt er die Kurven wider?
Das kann man nicht pauschal beurteilen. In Dortmund hast du 25.000 Fans auf der Südtribüne stehen. Im Berliner Olympiastadion sind es über 7000. Das ist eine heterogene Masse, die niemals ein verbindlichen und meinungsübergreifenden Banner an den Zaun hängen wird. Letztendlich liegt es jetzt an den Szenen vor Ort, mit Gruppen zu sprechen, die sich bislang als rechtsoffen zeigten.

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