Hat sich Ihre Einstellung zu dem Beruf zu jener Zeit verändert?Ein wenig schon. Ich will aber auch etwas klarstellen, denn damals waren auch viele Missverständnisse und Gerüchte im Umlauf. Ich ging 2010 zurück zu meinem Heimatklub ZSKA Sofia (bulgarischer Rekordmeister, Anm. d. Red.), um zu helfen. Präsident Emil Kostadinov
(Ex-Bayern-Profi, d. Red.) hatte mich angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Ich sagte: »Ja, ok, das ist eine Herausforderung, ich bin dabei.«
Sie hatten sich die Arbeit in Sofia aber anders vorgestellt?Eindeutig! Die Voraussetzungen waren unprofessionell und unseriös, würde ich sie als »korrupt« bezeichnen, läge ich auch nicht komplett falsch. Nach zwei Monaten war mir klar: Hier habe ich nichts zu suchen. Ich löste meinen Vertrag kurze Zeit später auf. Das war eine Riesenenttäuschung.
Einen Monat wurden Sie Trainer beim SV Sandhausen – ein halbes Jahr später waren Sie schon wieder entlassen. Warum hat es mit Ihnen und Sandhausen nicht funktioniert?Ich bin dort einfach zu schnell eingestiegen. Ich hatte den Kopf offenbar noch nicht frei. Das ist der einzige Punkt, den ich zu jener Zeit falsch gemacht habe. Ich wollte dort etwas verändern, eine neue Linie reinbringen, ich dachte langfristig. Zunächst hatte ich die Mannschaft stabilisiert, ihr Gesicht verändert. Dann wurde ich leider nicht ausreichend unterstützt, sondern eher blockiert. Das hat einfach nicht gepasst. Ich fühlte mich auch nie wirklich wohl in Sandhausen.
Weshalb nicht?Ein Alltags-Beispiel: Ich ging nach dem Training vom Platz, als plötzlich ein Zuschauer auf mich zu kam und ernsthaft behauptete, ich würde zu viel trainieren. Das sind Situationen, denen man als professioneller Trainer fassungslos gegenübersteht.
Sofia, Sandhausen – zwei große Enttäuschungen. Was haben Sie daraus gelernt?Ich bekam anschließend zwei weitere Angebote, die ich dankend abgelehnt habe. Ich wollte nicht schon wieder etwas überstürzen, sondern absolut überzeigt sein von einer neuen Aufgabe. Vorher hätte ich wahrscheinlich bei einem der Angebote spontan zugesagt. Mir wurde mal wieder deutlich: Passt das Umfeld nicht, ist der Trainer auf verlorenem Posten. Das Gegenteil sieht man jetzt hier in Münster. Die Arbeit macht mir Riesenspaß.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie in Münster?
Kein Trainer kann die nächsten fünf, sechs Jahre vorausplanen. Trotzdem ist es mein persönliches Ziel, mit Preußen Münster aufzusteigen, den Klub in der Zweiten Liga zu etablieren, Tendenz: Bundesliga. Auch wenn der eine oder andere diese Aussage für übertrieben hielte: Münster hat ein enormes Potenzial. Dieser Klub hat langfristig das Zeug in der Bundesliga zu spielen. Natürlich rede ich jetzt nicht über die kommenden zwei, drei Jahre. Aber: Was hat zum Beispiel der SC Freiburg, was Preußen nicht hat? Oder: Im letzten Jahr spielte der SC Paderborn lange Zeit um den Aufstieg in die Bundesliga mit. Warum sollte nicht irgendwann Preußen oben mitmischen? Es ist alles eine Frage der Kontinuität und Professionalität.