16.11.2012

Preußen-Trainer Pavel Dotchev über Fans und Ziele in Münster

»Langfristig in die Bundesliga!«

Der ehemalige HSV-Profi Pavel Dotchev und Drittligist Preußen Münster scheinen zusammen zu passen wie Arsch auf Eimer. Vor dem 18. Spieltag steht der Traditionsverein auf einem Aufstiegsplatz in der Dritten Liga. Ein Gespräch über den Erfolg von Nachhaltigkeit, herbe Enttäuschungen in Sofia, Emil Kostadinov und die Einzigartigkeit der Preußen-Fans.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Pavel Dotchev, vor fast einem Jahr haben Sie das Traineramt in Münster übernommen. Sowohl im Klub, als auch im Umfeld wurde damals heftig gestritten, die Stimmung war aufgeheizt. Waren Sie überrascht von dem Ausmaß?
Ich war sowohl überrascht, als auch ein wenig irritiert über die Schärfe der Diskussion. Das war in der Tat eine extreme Phase, in der einige Beteiligte vermutlich an ihre Grenzen gestoßen sind. Die Folge: Das Team war total verunsichert. Ich bin daher unheimlich froh, dass wir gemeinsam die Kurve bekommen haben.

Was zeichnet die Preußen-Fans aus?
Unsere Anhänger sind einmalig! Ich kann das beurteilen, denn ich habe in meiner Karriere bereits  so einige Vereine kennengelernt (Dotchev spielte u.a. bei Lokomotive Sofia, dem HSV, Hansa Rostock und Holstein Kiel, d. Red.). Eine derartige Identifikation und Leidenschaft habe ich zuvor bei keinem meiner Klubs erlebt – das ist großartig. Wir müssen hier eher aufpassen, nicht zu leidenschaftlich zu werden (lacht).

Was schätzen Sie an dem Klub?
Ich liebe diese Kombination aus Tradition und Moderne. Fankultur, Stadion, Umfeld – das passt einfach. Ich will aber nicht verschweigen, dass unsere Fans  auch kritisch sind, die schauen ganz genau hin, was in ihrem Klub so abgeht. Das gefällt mir.

Vor dem 18. Spieltag steht Preußen in der Dritten Liga auf Platz zwei hinter dem VfL Osnabrück. Die Anhänger träumen bereits vom Aufstieg in die Zweite Liga. Haben Sie manchmal den Eindruck, Sie müssten die Euphorie in der Stadt bremsen?
Auf keinen Fall. Das wäre lächerlich. Eher wollen wir diese Stimmung für uns nutzen, wir wollen auf der Euphoriewelle schwimmen! Die fantastische Unterstützung der Fans kitzelt sicherlich bei jedem Spieler ein paar Prozentpunkte heraus.

Wann geben Sie das Ziel »Aufstieg« aus?
Gar nicht. Was würde uns das bringen? Mir ist viel wichtiger, dass die Mannschaft eine Siegermentalität an den Tag legt. Ich will ein Team sehen, dass in jedem Spiel auf Sieg spielt. Zaghaftes Defensivspiel ist nicht meine Welt. Besitzt eine Mannschaft eine solche Mentalität, ergibt sich der Rest von selbst. Realistisch wäre der Aufstieg in einem Jahr. Passiert es früher, umso besser. Aber: Wir können nur Woche für Woche Gas geben und schauen, was dabei herauskommt. Den Druck haben die Anderen.

Ist Zweitligist Eintracht Braunschweig ein Vorbild? Der Verein stieg 2011 in die Zweite Liga auf, schaffte in der Folgesaison den Klassenerhalt und führt derzeit souverän die Liga an.
Auf diese Stufe sollten wir uns noch nicht stellen. Bei der Eintracht arbeiten die Verantwortlichen bereits seit Jahren in derselben Konstellation zusammen  – das ist ein großer Vorteil. Sie haben sich von Jahr zu Jahr verbessert – in nahezu allen Bereichen. Davor kann man nur den Hut ziehen. Unser Team ist neu zusammengestellt, um das Wort »zusammengewürfelt«  zu vermeiden. Braunschweig  besitzt ein besseres Fundament, das sich die Verantwortlichen dort auch hart erarbeitet haben. Wir haben im Vergleich mit Braunschweig noch einiges nachzuholen.

Kontinuität als Schlüssel zum Erfolg?
Unbedingt. Vor einer Saison viel Geld raushauen und dann kurzfristig oben mitspielen, das kann beinahe jeder. Aber sich mit bescheidenen Mitteln Schritt für Schritt nach oben arbeiten und dabei die eigene Identität pflegen – das hat Stil! Deshalb habe ich auch nur lobende Worte für meinen Kollegen in Braunschweig übrig. Dort wächst etwas Nachhaltiges. Das verdient höchsten Respekt.

Sie waren vor Ihrem Engagement in Münster fast ein Jahr lang arbeitslos – war das die schlimmste Zeit Ihrer Karriere?
Das war in der Tat eine schwierige und sehr belastende Zeit.

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