Polizei fordert Spielabsagen

»40 Stunden ohne Schlaf«

Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte jüngst, den kommenden Bundesliga-Spieltag wegen Überbelastung ihrer Einheiten abzusagen. Die DFL reagierte erzürnt. Wir sprachen mit dem Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Polizei fordert SpielabsagenImago

Rainer Wendt, Ihre Forderung nach einer Absage des kommenden Bundesliga-Spieltags hat hohe Wellen geschlagen. Können Sie Ihre Intention verdeutlichen?

Am vergangenen Wochenende fanden zeitgleich ein Bundesliga-Spieltag und der Castor-Transport statt. Grundsätzlich sind unsere Kräfte für einen solchen Einsatz bereit. Sie sind in der Lage, größere Belastungen, also auch Doppel-Belastungen, auf sich zu nehmen. Doch dieser Einsatz hat alle Rahmen gesprengt.

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Was heißt das konkret?

Einige Polizisten waren 20, 30 oder gar 40 Stunden ununterbrochen im Einsatz. Teilweise mussten sie ohne Essen und ohne Schlaf auskommen. Zudem waren sie die ganze Zeit draußen im Einsatz. So etwas zehrt natürlich an den Kräften. Die Polizeigewerkschaft erhebt deswegen mahnend die Stimme, denn letztendlich sind Polizisten auch nur Menschen. Und wir als Deutsche Polizeigewerkschaft sind für die Interessen verantwortlich – das heißt auch für die gesundheitlichen Interessen.

Im Klartext: Das Ende der Fahnenstange ist jetzt erreicht?

Mal abgesehen davon, dass die Polizisten gerne mal ein Wochenende zu Hause bei ihren Familien verbringen wollen, ist es riskant, Menschen einer solchen Belastung auszusetzen. Momentan leisten die Kräfte das noch Menschenmögliche, es findet ja aktuell jedes Großevent statt. Und auch am nächsten Wochenende werden die Polizisten wieder in die Stiefel kommen. Das Ende der Fahnenstange? Sicher ist: Lange geht das so nicht mehr gut. Zumal jetzt noch weiteres Personal abgebaut werden soll.

Was passiert dann?


Dann muss man an Wochenenden wie dem vergangengen schlicht konstatieren: Fußball steht in der Rangfolge hinter einer Demonstration, denn die Bundesliga ist kein Grundrecht. Und die Grundrechte gehen vor.

Der Fußball müsste also abgesagt werden. Ligapräsident Reinhard Rauball hat diese Forderung abgelehnt und Ihnen Populismus vorgeworfen. Was antworten Sie?

Das macht der Herr Rauball bei Gelegenheit immer mal wieder. Ich finde das ganz interessant, denn vor ein paar Monaten wollte Herr Rauball gar nicht mit mir sprechen. Jetzt gibt es offentischtlich den Gesprächswunsch. Wir werden uns ganz bestimmt mit ihm in Verbindung setzen.

Reinhard Rauball hat zudem verlauten lassen, dass Sie bis dato den direkten Kontakt zur Ligaspitze gescheut haben.

Nein, DFB und DFL haben unlängst erklärt, dass sie nicht mit mir sprechen wollen. Das habe ich akzeptiert. Wenn Herr Rauball jetzt etwas anderes sagt, freue ich mich über diesen Sinneswandel. Und selbstverständlich werden wir uns ganz schnell um einen Gesprächstermin bemühen.

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