Pokalheld Metin Cakmak vom Berliner AK im Interview

»Was soll ich mit einem Hoffenheim-Trikot?«

Metin Cakmak sorgte mit zwei Toren für die 4:0-Pokalsensation des Viertligisten Berliner AK gegen die Millionärstruppe der TSG Hoffenheim. Vor dem Spiel in der 2. Runde gegen TSV 1860 München spricht der 25-Jährige über das Rezept für die Pokalsensation, Gespräche mit Toni Schumacher und das Trikot von Tim Wiese.

Metin Cakmak, welches Trikot haben Sie sich nach der Sensation gegen Hoffenheim gesichert?
(lacht) Wie ich schon vor dem Spiel gesagt hatte: Keines, die sind ja nicht der FC Barcelona! Was soll ich mit einem Trikot von Hoffenheim? Dafür würde ich mich nicht unbedingt schlagen.

Hoffenheims Torwart Tim Wiese hatte vor der Saison großspurig angekündigt, um die Deutsche Meisterschaft spielen zu wollen und auch die Champions League war ein Thema. Nach ihrer 4:0-Blamage stellt sich die Frage: Ist der Berliner AK etwa Champions League tauglich?
An dem großen Tag war zwar jeder einzelne unserer Spieler richtig gut drauf, aber Champions League wäre trotzdem übertrieben. Zum Glück hat Hoffenheim uns gründlich unterschätzt – wir konnten das eiskalt ausnutzen.

Gleich in der dritten Minute trafen Sie mit einem traumhaften Heber, bei dem auch der ehemalige Nationaltorhüter keine Chance hatte.
Der Ball kam auf mich zu und ich dachte: »Annehmen und direkt drauf!« Wir hatten vorher besprochen, dass Tim Wiese immer weit vorm Tor steht. Also habe ich gelupft.

Im Gegensatz zu Hoffenheim waren Sie auf den Gegner offensichtlich hervorragend eingestellt. Wie sah Ihre Vorbereitung aus?
Wir haben versucht, Hoffenheims Schwächen genau zu analysieren. Als ich in der Videoanalyse gesehen habe, welche Schwächen Hoffenheims Viererkette hat, habe ich richtig Mut geschöpft. Ihre Innenverteidiger sind zum Beispiel langsam und unbeweglich. Meine Mitspieler und ich waren einhellig der Meinung, dass wir den Bundesligisten schlagen können.

Kommentator Steffen Simon sagte in der TV-Zusammenfassung: »Man kann verlieren gegen einen Viertligisten, der so stark ist wie der Berliner AK, aber man darf sich nicht so an die Wand klatschen lassen wie heute 1899. Hoffenheim verliert auch in dieser Höhe verdient!« Würden Sie zustimmen?
Wir hatten definitiv noch ein paar hochkarätige Chancen mehr, insofern hat Hoffenheim mit dem 4:0 noch Glück gehabt. Das hat Markus Babbel nach dem Spiel übrigens auch gesagt.

Sie sind jetzt 25. Hätten Sie sich vor fünf Jahren ausgemalt, mal einen Bundesligisten aus dem Pokal zu schmeißen?
Ja, warum nicht? Mit 20 hatte ich noch große Träume. Allerdings sah es beim Berliner AK vor fünf Jahren noch ziemlich trist aus: Wir waren kaum zehn Spieler beim Training, es gab kein Geld und keinen Trainer. Das hat sich durch Erfolge in den vergangenen Spielzeiten geändert.

Haben Sie beim TSV 1860 München auch schon Schwachstellen gefunden?
Ja, aber das wird jetzt noch nicht verraten. Wir werden auf den Platz gehen, kämpfen und Spaß haben. Wir genießen den Status des Außenseiters – den Druck hat der TSV 1860 München.

Direkt nach Abpfiff des Erstrunden-Spiels wurden Sie nach Mainz für das Sportstudio eingeflogen. Fanden Sie es sehr schade, dass Sie nicht mit der Mannschaft feiern konnten?
Im Sportstudio zu sein war natürlich etwas besonders, aber die legendäre Feier der Mannschaft habe ich leider verpasst. Nach dem Spiel gegen 1860 München feiere ich dann auch wieder mit, es sei denn, ich muss wieder ins Sportstudio.

Wie hat es Ihnen im Sportstudio gefallen?
Der ganze Tag war für mich wie im Nebel: Ich bin ganz normal wie an jedem Spieltag zum Spiel gefahren, stand auf dem Platz und auf einmal saß ich gegenüber von Katrin Müller-Hohenstein in Mainz. Direkt vor dem Auftritt haben meine Knie mächtig geschlottert, aber vor den Kameras war ich recht locker. Richtig realisiert habe die Zeit dazwischen erst später.

Was spielte sich hinter den Kulissen des Sportstudios ab?
Die Beachvolleyball-Olympiasieger Jonas Reckermann und Julius Brink waren gut gelaunt und haben versucht, mich ein wenig zu beruhigen. Kurz vor meinem Auftritt habe ich hinter der Bühne noch Toni Schumacher getroffen, der mich auf einmal in fließendem Türkisch angesprochen hat. Bevor ich ins Studio gegangen bin, sagte er noch: »Hoffentlich spielen wir mit dem FC noch gegen euch, aber erst im Finale!«

Im Sportstudio haben Sie nach dem Sieg gegen Hoffenheim gesagt: »Jetzt kann kommen, wer will!« Waren Sie ein wenig enttäuscht, als es dann nur TSV 1860 München war?
Ja, sich mit den Spielern von Bayern München oder Borussia Dortmund zu messen, wäre natürlich ein Traum gewesen. Dass wir jetzt auf 1860 treffen, ist allerdings auch ok.

Bereuen Sie heute, dass Sie sich nicht Tim Wieses Trikot als Trophäe geholt haben?
Nein, ich bin habe mein eigenes behalten. Allerdings wollte unser Torwart das Trikot mit Wiese tauschen. Aber Tim Wiese hat es ihm verweigert – war wahrscheinlich nicht sein Tag.

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