06.03.2007

Pierre Baigorry im Interview

„Warum auf Köln abfeiern?“

Seit seinem neunten Lebensjahr ist Seeed-Frontmann Pierre Baigorry Fan von Hertha BSC Berlin. Mit 11freunde.de spricht er über die Notwendigkeit, seinen Heimatverein zu lieben.

Interview: Johannes Scharnbeck und Daniel Müller Bild: Promo
Marko Pantelic hat vorhergesagt, dass Hertha in der Rückrunde 14 Spiele gewinnt und am Ende 70 Punkte holt. Ist das der typische Berliner Größenwahn?

Wenn es sich einer leisten kann, so zu tippen, dann er. Pantelic bringt es ja auch. Ansonsten ist Hertha leider zu unkonstant. In einem Moment kann man richtig ansehnliche Spielzüge bestaunen und im nächsten verkacken sie gnadenlos. Aber irgendwie finde ich das ganz sympathisch. Ich erwarte ja auch nicht, dass sie Meister werden. Obwohl ich schon seit langem wieder auf einen Champions-League-Platz hoffe. Ich würde gerne mal wieder einen Verein wie den FC Barcelona im Olympiastadion sehen.



Nach der Rückrunde hat die Mannschaft an Boden verloren.

Jetzt läuft es so wie in den Jahren zuvor. Eigentlich haben sie sich ja regelmäßig für den UEFA-Cup qualifiziert, und sind dann relativ schnell wieder rausgeflogen (lacht). Seit Marcelinho weg ist, hat sich viel verändert. Aber ein gesunder Bastürk ist ohnehin wertvoller für die Mannschaft. Außerdem spielt mit Marko Pantelic seit langem mal wieder ein richtig guter Stürmer in Berlin.

Was macht für Sie den Reiz der Hertha aus?

Was soll ich sagen, Hertha ist der größte Verein in der Stadt. Außerdem finde ich gut, dass bei dem Klub im Moment viele junge Berliner spielen. Und ich bin nun mal Berliner. Warum sollte ich auf Köln abfeiern? Das macht einfach keinen Sinn. Man muss einfach Fan des Vereins aus der Heimatstadt sein.

Leider handeln in Berlin nicht alle nach dieser Maxime. Die Hertha kriegt das Olympiastadion selbst in erfolgreichen Zeiten selten voll. Warum hat der Verein in der Stadt so ein schlechtes Image?

Ich weiß nicht, ob Hertha ein schlechtes Image hat. Aber eine zeitlang hat sie es sich bei den Berlinern ziemlich verscherzt: Alles wirkte so irre piefig und der Verein wurde etwas halbseiden geführt. Außerdem war es das Grauen, in Zweitligazeiten mit 8000 Leuten im Olympiastadion zu sitzen. Auch heute ist das Stadion eines der Probleme des Vereins. Ich verstehe gar nicht, warum angeblich so viele Leute die Schüssel so toll finden. Zum Fußballgucken ist das Olympiastadion voll ungeil: Man ist einfach nicht nah dran am Spielfeld. Noch dazu sind die Berliner von Natur aus nörgelig und das schlägt dann schnell in Nichtbegeisterungsfähigkeit um. Ich gehe beim Fußball gerne ab, und wenn ich während eines Spiels aufspringe, rufen die Meisten gleich: Nu setz dich mal wieder hin! Ich antworte dann immer: Steh du doch auch auf, du Depp! Aber so ist halt Berlin. Ohne die Fankurve wäre da gar nichts los.

Sie gehen also in voller Fanmontur ins Stadion.

Nein, aber ich erzähle jedem, der es wissen will, dass ich Hertha-Fan bin. Ehrlich gesagt habe ich nur ein Frankreich- und ein Barcelona-Trikot. Die sind so schön...

Den spielerischen Zauber holen Sie sich also außerhalb Berlins.


Klar, ich bin auch Barcelona-Anhänger. Wahrscheinlich weil meine Mutter dort aufgewachsen ist. Auch weil der Klub zur Franco-Zeit eine subversive Kultur gepflegt hat und bis heute so stolz ist, dass sie keine Trikotwerbung tragen. Ich fand schon als Kind die Farben und die Namen der Spieler toll. Und das Nou Camp ist einfach ein geiles Stadion. Da passen mehr Leute rein als in Berlin, aber alle sitzen trotzdem so nah dran, dass sie Ronaldinho beim Einwurf den Ball wegnehmen könnten.

Was fasziniert Sie am Fußball?

Ich fand immer das Grün des Rasens toll, wenn die Glotze anging. Rein ästhetisch ist das einfach edel. Wenn man dann mal im Stadion ist und miterlebt, wie es dort abgeht, kommt man vom Fußball nicht mehr los.

Waren Sie selbst mal aktiv?

Ja. Als ich bei Hansa 07 in Kreuzberg spielte, hatten wir einen richtig guten Trainer, von dem wir viele Fußball-Basics gelernt haben: Hinterlaufen, Verschieben... Dinge, die man auch in der Bundesliga sieht. Gerade wenn man das alles kennt, hat das Spiel immer eine Faszination – auch wenn es nicht 5:1 ausgeht. Außerdem ist es einfach beeindruckend, wie gut die Profis Fußball spielen.

Weniger beeindruckend ist Ihr fußballerisches Können im Video zu „Riddim No. 1“. Als „Ranz e.V.“ kickt die Band gegen dicke Frauen im Schlamm – und geht unter.

Das hatte mit Fußball erst einmal nichts zu tun. Den dazugehörigen Song wollten wir nicht als Single herausbringen – die Plattenfirma aber unbedingt. Wir fanden „Riddim
No. 1“ einfach nicht so geil und so wurde es ein Verweigerungsvideo: Irgendetwas Bescheuertes, aber bloß nichts, das jetzt richtig fett aussieht.

Dafür haben Sie aber wenigstens einen Integrationspreis der FIFA gewonnen.

Um Gottes Willen. Hört mir auf mit der FIFA.

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