06.09.2008

Philipp Lahm im Interview

»Mein Wort hat Gewicht«

Der Mann hat einen Lauf: Philipp Lahm avanciert zum wertvollsten Mann des FC Bayern und in der Nationalelf. Wir sprachen mit ihm über die Stimmungsdebatte, seine Topform und die Vorteile eines Lebens als Außenverteidiger.

Interview: Moritz Kielbassa und Christof Kneer Bild: Imago
Herr Lahm, das Fachblatt kicker hat Sie in seinem Länderspiel-Formcheck als einzigen deutschen Spieler in die Rubrik "In Topform" aufgenommen. Sind Sie in Topform?

Ich bin topfit.



Topform haben Sie also nicht?

Man kann immer noch besser spielen. Ich würde sagen, meine Leistungen zurzeit sind in Ordnung.

In Ordnung? Man könnte auch sagen, Sie spielen im Moment überragend.

Okay, ich war ganz gut. So ein Fachblatt wird schon wissen, was es schreibt.

Haben Sie ihr herrliches Tor für Bayern am Wochenende schon verflucht?


Warum?

Es scheint Ihr Schicksal zu sein, dass Sie - wie jetzt gegen Hertha oder wie im Eröffnungsspiel der WM 2006 - von der linken Außenposition nach innen ziehen und mit rechts schöne Tore erzielen. So dass kein Mensch mehr Argumente hat, Sie hinüber auf rechts zu stellen - Ihre eigentliche Lieblingsposition.

Das scheint so zu sein, ja, aber ich kann ja schlecht freiwillig vorbeischießen... Ich habe aber nie gesagt, dass ich nur rechts spielen will. Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft.

Vermutlich bei Bayern weiterhin links. Der Linksverteidiger Marcell Jansen hat den Klub verlassen, für rechts hinten wurde Massimo Oddo geholt.

Meine Chancen, rechts zu spielen, sind sicher nicht gestiegen.

Immerhin hat der Verein Ihren neuen Vertrag - bis 2012 - mit deutlich verbesserten Bezügen versüßt.

Klar, auch das Gehalt legt den Stellenwert eines Spielers fest.

Sie haben oft betont, dass Sie gerne Kapitän bei Bayern geworden wären. Enttäuscht, dass sich Trainer Jürgen Klinsmann anders entschieden hat?

Am Anfang war ich auf jeden Fall enttäuscht, keine Frage, ich hätte mich bereit gefühlt für dieses Amt. Aber der Trainer hat gesagt, dass er mich in dieser Rolle noch nicht sieht. In Zukunft vielleicht, aber jetzt noch nicht.

Und Sie revanchieren sich für die Enttäuschung mit Leistungen, die das Etikett »In Topform« rechtfertigen.

Ich bin nicht der Typ, der wegen solcher Dinge beleidigt ist. Ich kenne ja den Stellenwert, den ich beim Trainer und beim Verein habe. So sehe ich mich auch selbst.

Als Führungsspieler?

Ganz klar, das ist mein Anspruch, auch hier bei der Nationalmannschaft. Ich habe schon drei große Turniere gespielt, ich würde sagen, dass mein Wort Gewicht hat. Ich bin mir sogar sicher, dass mein Wort was zählt.

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